Der anstehende IFRS 15 zu Revenue Recognition

Insights

IFRS 15 zur Erlösrealisierung

Was (sehr) lange währt…

Nach vielen Jahren der Diskussion hat das IASB den neuen Standard zur Erlöserfassung IFRS 15 Revenue from Contracts with Customers am 28. Mai 2014 veröffentlicht.

Hintergrund

Die im Rahmen eines Konvergenzprojektes zusammen mit dem FASB erarbeiteten Regelungen ersetzen die bisher unter IFRS gültigen Standards IAS 18 Revenue und IAS 11 Construction Contracts sowie die dazu gehörigen Interpretationen.

Ziel des Projektes war es, die Regeln zur Erlösrealisierung nach IFRS und US GAAP zu vereinheitlichen, Inkonsistenzen zwischen IAS 18 und IAS 11 zu eliminieren und die Komplexität – insbesondere der US-amerikanischen Regelungen – zu reduzieren. Der neue Standard ist rückwirkend erstmalig für Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 1.1.2017 beginnen. Es sind vereinfachende Übergangsvorschriften für die retrospektive Anwendung vorgesehen. 

Die Eckpunkte der neuen Regelungen im Überblick

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Der Newsletter kommentiert die Veränderungen der neuen Regelung

Der neue Standard sieht im Gegensatz zu den aktuell gültigen Vorschriften ein einziges, fünfstufiges Erlösrealisierungsmodell vor, das grundsätzlich auf alle Verträge mit Kunden anzuwenden ist. Gemäß diesem Modell ist zunächst der Vertrag mit dem Kunden zu bestimmen (Schritt 1). Im Schritt 2 sind die eigenständigen Leistungsverpflichtungen im Vertrag zu identifizieren. Anschließend (Schritt 3) ist der Transaktionspreis zu bestimmen. Dabei sind explizite Vorschriften zur Behandlung von variablen Gegenleistungen, Finanzierungskomponenten, Zahlungen an den Kunden und Tauschgeschäften zu berücksichtigen. In der Folge ist die Verteilung des Transaktionspreises auf die einzelnen Leistungsverpflichtungen vorzunehmen. Basis hierfür sind die Einzelveräußerungspreise der einzelnen Leistungsverpflichtungen. Abschließend (Schritt 5) kann der Erlös erfasst werden, sofern die Leistungsverpflichtung durch das Unternehmen erfüllt wurde. Voraussetzung hierfür ist die Übertragung der Verfügungsmacht an der Ware bzw. der Dienstleistung auf den Kunden.

  • Bei Abschluss eines Vertrags ist nach IFRS 15 festzustellen, ob die aus dem Vertrag resultierenden Erlöse zu einem bestimmten Zeitpunkt oder über einen Zeitraum hinweg zu erfassen sind. Dafür sind bestimmte Kriterien zu überprüfen. Erfolgt die Übertragung der Verfügungsmacht auf den Kunden über einen Zeitraum, kommt es auch weiterhin in gewissen Fällen zu einer Erlöserfassung nach dem Fertigstellungsgrad.
  • Erlöse sind unter bestimmten Voraussetzungen bereits dann zu erfassen, wenn ihre Höhe noch variabel ist. Dies betrifft bspw. Rabatte, Rückgaberechte, Leistungsvergütungen. Eine Erfassung ist erforderlich, wenn die variable Gegenleistung hochwahrscheinlich (highly probable) ist und sich zukünftig keine wesentlichen Umsatzänderungen aus den variablen Gegenleistungen ergeben werden.
  • Neben den allgemeinen Erlöserfassungsgrundsätzen enthält der Standard detaillierte Umsetzungsleitlinien zu Themen wie Veräußerungen mit Rückgaberecht, Kundenoptionen auf zusätzliche Güter oder Dienstleistungen, Prinzipal-Agenten-Beziehungen sowie Bill-and-Hold-Vereinbarungen. In den Standard wurden außerdem neue Leitlinien zu den Kosten zur Erfüllung und Erlangung eines Vertrags sowie Leitlinien zu der Frage, wann solche Kosten zu aktivieren sind, aufgenommen.
  • Die geforderten Anhangangaben zu Umsatzerlösen sind im Vergleich zu den derzeitigen Regelungen maßgeblich ausgeweitet worden. Eine Vielzahl von Überleitungen ist erforderlich, die zu einem wesentlich erhöhten Erstellungsaufwand bei den Unternehmen führen wird. Dies gilt insbesondere auch für die Zwischenberichterstattung.

Was können wir für Sie tun?



Auch wenn sich die Erlöserfassung bei Anwendung des neuen Standards nicht in jedem Unternehmen deutlich verändern wird, müssen die bestehenden Verträge mit Kunden bezüglich der Neuregelungen analysiert werden, um den möglichen Anpassungsbedarf zu identifizieren. Zur Erhebung der Daten kann es zukünftig erforderlich sein, Prozesse und Datenverarbeitungssysteme an die neuen Vorschriften anzupassen. Gerade für Verträge mit mehreren Leistungsverpflichtungen enthält der Standard detailliertere Vorgaben als die bisherigen Regelungen. In der Folge kann sich der Zeitpunkt oder auch das Profil der Erlösrealisierung verändern.

Wir unterstützen Sie bei dieser Untersuchung und analysieren, in welcher Weise Ihr Unternehmen betroffen ist. Im Zuge eines Projekts zur Umstellung auf den neuen Standard können wir Ihnen dabei helfen, die notwendigen Daten zu erheben, die Auswirkungen der Anpassungen zu simulieren und Lösungen zur Umsetzung des Standards zu finden.

Der Erstanwendungszeitpunkt 2017 scheint noch in weiter Ferne – dennoch ist es ratsam, frühzeitig Sicherheit darüber zu gewinnen, in welchem Maße Veränderungen und Anpassungen notwendig sein werden. Sprechen Sie uns an!

Ihr Ansprechpartner

Dr. Hendrik Nardmann

Dr. Hendrik Nardmann

Leiter IFRS Advisory Services

Dr. Hendrik Nardmann ist Partner bei Deloitte und ...Mehr

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