Analysen

Live long and prosper

Familienunternehmen stellen sich selbstbewusst der Zukunft

Im Rahmen der Next Generation Survey 2017 wurden auch heuer wieder tiefgehende Interviews mit Nachfolgern von vorwiegend europäischen Familienunternehmen geführt. In diesem Jahr steht bei der Deloitte Trendanalyse das Thema Disruption im Mittelpunkt. Dabei spielen nicht nur externe Faktoren eine Rolle, vor allem interne Einflüsse nehmen einen hohen Stellenwert ein. Auch wenn die Befragten mit einschneidenden Veränderungen rechnen, sehen sie sich als Familienunternehmen durch ihre Flexibilität und die Möglichkeit rasch zu reagieren im Vorteil.

Eine Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse, kompakt aufbereitet, finden sie hier:

Aufholbedarf bei heimischen Familienunternehmen
Die aktuelle Deloitte Trendanalyse lässt das Thema Disruption als zentralen Trend erkennen. Von Disruption (Deutsch: „Störung“, „Unterbrechung“) spricht man, wenn ein Großteil der Marktführer von einer neue Methode oder einem neuen Ansatz verdrängt wird. Ganze 47% der befragten österreichischen Führungskräfte in Familienunternehmen rechnen in den nächsten 2 bis 3 Jahren mit Disruption (siehe Grafik rechts).

Trotz dieser Einschätzung, sind nur ein Drittel der heimischen Familienunternehmen strategisch auf einen möglichen grundlegenden Wandel vorbereitet. Im internationalen Durchschnitt, nach dem immerhin 63% der Familienunternehmen entsprechende strategische Vorbereitungen getroffen haben, hat Österreich hier deutlichen Aufholbedarf.

Herausforderungen bei Management und Mitarbeitern
Die beiden größten Herausforderungen sehen Familienunternehmen bei den Themen Unternehmensführung und Arbeitnehmerqualifikation. Nach eigenen Angaben wünscht sich die Nachfolgegeneration eine breiter aufgestellte Führungsebene, da die Führungsaufgaben aktuell zu stark in der engsten oberen Managementebene gebündelt sind. Ein weiteres Thema stellt die ausreichende Qualifikation der Mitarbeiter dar. Um in einem disruptiven Umfeld optimal reagieren zu können, fehlen den Mitarbeitern häufig die nötigen Fähigkeiten.

„In Zeiten der Veränderung sind Familienunternehmen gut beraten, sich auf der Führungsebene breiter aufzustellen“, führt Friedrich Wiesmüllner, Partner bei Deloitte Österreich, dazu aus. „Jetzt muss in innovative Unternehmenskonzepte investiert werden. Hier empfiehlt es sich auch, über die Familiengrenzen hinaus zu denken und externe Experten ins Unternehmen zu holen.“

Disruption als vielseitiges Phänomen

Neben externen Aspekten der Disruption, beschäftigt sich die Nachfolgegeneration auch mit den internen Aspekten, die Familienunternehmen beeinflussen können. Beispiele für tiefgreifende, intern ausgelöste Neuerungen sind vor allem Veränderungen innerhalb der Familienverhältnisse und die Nachfolgethematik selbst.

Agilität als Vorteil
Die Next Generation der Familienunternehmen ist sich, nach eigener Einschätzung, der Bedeutung und Auswirkungen von Disruption bewusst. Im Vergleich zu anderen, komplexeren Unternehmensformen, punkten Familienunternehmen durch die Möglichkeit rasch zu handeln.

„Wir sehen häufig, dass familiengeführte Unternehmen einerseits langfristiger planen und andererseits auf Veränderungen besonders schnell und flexibel reagieren können. Dabei helfen flache Strukturen und die damit verbundene Beweglichkeit“, bestätigt Friedrich Wiesmüllner.

Das grundsätzliche Fazit der Studie: Familienunternehmen sind bereit sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Auch wenn in manchen Bereichen Aufholbedarf besteht, die nächste Generation der Führungskräfte sieht sich als innovativ und wandlungsfähig und ist bereit nicht nur zu überleben, sondern, um es in den Worten des berühmten Vulkaniers zu sagen, „to live long and prosper“.

NextGen Survey 2016

EMEA Next Generation Survey 2016: Die Trendanalyse aus dem Vorjahr ergab, dass sich in Familienunternehmen ein grundlegender Wandel abzeichnet. 80% der Nachfolger wollten einen völlig neuen Führungsstil etablieren und über die Hälfte der Nachfolgegeneration strebte eine strategische Neuausrichtung an und setzte auf mehr wirtschaftliches Risiko, 40% der Befragten waren offen für externe Investoren. Die EMEA Next Generation Survey 2016 zum Download finden Sie hier.

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