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Diversität als wirtschaftlicher Boost für Unternehmen

Gastkommentar von Elisa Aichinger
Manager Human Capital

Diversität ist in den österreichischen Unternehmen noch immer die Ausnahme. Unternehmer müssen endlich den damit verbundenen Nutzen erkennen.

„Because it’s 2015“ – das war die vielzitierte Antwort des kanadischen Ministerpräsidenten auf die Frage, warum ihm denn Diversität in seinem Kabinett so wichtig ist. Auch 2016 ist diese Aussage aktueller denn je. Die proaktive Auseinandersetzung mit Diversität und Vielfalt ist nicht nur Zeichen einer modernen Gesellschaft – sie sollte im 21. Jahrhundert auch Teil der DNA eines modernen Unternehmens sein.

Es wird immer wieder darüber gesprochen, dass Vielfalt etwas Positives ist. Aber darüber sprechen ist das eine, die praktische Umsetzung das andere. Die Praxis zeigt, dass sich Unternehmen nur dann nachhaltig mit dem Thema auseinandersetzen, wenn der Umgang mit Vielfalt eine hohe Priorität im Top-Management hat. Positive Beispiele gibt es bereits, dennoch überwiegen meist noch die Vorbehalte – ob bewusst oder unbewusst.

Wirtschaftlicher Mehrwert
Skeptikerinnen und Skeptiker kann man nur schwer auf der emotionalen Ebene überzeugen. Um sie für Diversity Management zu gewinnen, muss man auf der rationalen Ebene kommunizieren. Die entscheidenden Fragen lauten: „Welchen wirtschaftlichen Mehrwert habe ich, wenn ich mich mit Diversity auseinandersetze?“ Oder umgekehrt: „Welche Chancen verpasse ich, wenn ich das nicht tue?“

Aber welche Chancen verpassen Unternehmen, wenn sie sich nicht mit Diversität befassen?

An erster Stelle steht die Eröffnung von neuem Arbeitskräftepotenzial. Nach aktuellen Zahlen gelingt es in 40 % der Fälle nicht, Fachkräfte für ausgeschriebene Positionen zu finden. In Zeiten, in denen gewisse Qualifikationen kaum mehr am Markt zu finden und manche Arbeitsplätze nur schwer besetzbar sind, kann es sich kein Unternehmen leisten, nicht aus dem gesamten Arbeitskräftepotenzial zu schöpfen.

Auch haben Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung: Kundinnen und Kunden, Lieferantinnen und Lieferanten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Stakeholderinnen und Stakeholder erwarten sich, dass die Unternehmen diese Verantwortung erkennen und ihr gerecht werden. Der Umgang mit Gleichbehandlung hat einen wesentlichen Einfluss darauf, wie attraktiv ein Unternehmen als Arbeitgeber wahrgenommen wird. Denken wir nur an die junge Generation, für die Internationalität alltäglich ist, oder an die rund 10 % der Bevölkerung, die keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen.

Last but not least ist Vielfalt ein wesentlicher Motor für Innovation – von der Eröffnung neuer Märkte, über das Verstehen neuer Zielgruppen bis hin zur Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen.

Strategische Herangehensweise als Schlüssel
Vielfalt birgt grundsätzlich viele Chancen für Unternehmen in sich – sie ist aber nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn Unterschiede nicht nur toleriert oder akzeptiert, sondern auch aktiv gefördert und genutzt werden. Das gelingt, wenn mit Diversität ein konkretes Anliegen verfolgt wird, eine Strategie zum Bearbeiten dieses Anliegens entwickelt wird, Ziele definiert werden und die Zielerreichung auch regelmäßig gemessen wird. Gleichzeitig muss am Bewusstsein der Menschen gearbeitet werden. Automatisierte Denk- und Handlungsmuster müssen bewusst aufgebrochen werden. Dazu muss man einerseits über die Kommunikation wirken – denn Sprache schafft Wirklichkeit. Andererseits müssen über gemeinsame Aktivitäten oder Erlebnisse Berührungsängste zwischen unterschiedlichen Gruppen abgebaut werden.

Umgesetzt werden solche Vorhaben in den Unternehmen aber nur, wenn sich die Führungskräfte ihrer Mulitiplikatorrolle bewusst sind und sich Kompetenzen für inklusive Führung aneignen. Vielfalt ist eine Chance, die es von der Wirtschaft zu ergreifen gilt.

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