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Wie steht es um die kreative, die tat­säch­lich flexible Flexi­bilität?

HR Web Interview

Welche Vorteile bringt es einem Unternehmen flexible Arbeitsbedingungen anzubieten? Gibt es Tendenzen in bestimmten Branchen zu vermehrter Flexibilität? Diese ua Fragen beantwortet Mag. Birgit Witzelsberger im HR Web Interview.

Gibt es Unternehmen, die vermehrt bereit sind, sich auf flexiblere Arbeitsbedingungen & flexible Arbeitszeitmodelle (Österreich im Fokus) einzulassen bzw. offen sind und gerne Neues ausprobieren? Wenn ja, wie sehen diese aus?

Ja, es gibt diese Unternehmen in Österreich und laut einer Deloitte Studie zu diesem Thema sind die Angebote seitens der Unternehmen in Hinblick auf zeitlich und örtlich flexibles Arbeiten sogar bereits vielfältig und weit verbreitet. Oft sind es internationale Konzerne (Vorreiter waren und sind z.B. IBM und Microsoft), die ihren Mitarbeiter die Möglichkeit zu Home Office geben bzw. dieses sogar explizit propagieren oder in denen Desk Sharing oder die komplett freie Wahl des Arbeitsplatzes in den Büroräumlichkeiten verbreitet ist. Bezüglich Arbeitszeiten haben sich Gleitzeitregelungen mit Kernzeit weitgehend durchgesetzt und sind das häufigste Arbeitszeitmodell in Österreich (63%), an zweiter Stelle (27 %) folgt Gleitzeit ohne Kernzeit, gefolgt von Vertrauensarbeitszeit mit 23 %. In 89 % der Firmen sind Auszeiten wie Sabbaticals grundsätzlich möglich, verbreitet sind auch verschiedene Teilzeitmodelle, sogar Teilzeitmodelle bei Führungskräften sind nicht mehr ausgeschlossen, aber kommen eher selten vor; weiter verbreitet bei Führungskräften sind verkürzte Arbeitswochen, d.h. eine Aufteilung der Arbeitszeit auf z.B. 4 oder 4,5 Tage statt auf die üblichen 5 Tage/Woche. Dies findet man bei namhaften größeren national und international tätigen Unternehmen in Österreich. Wesentliche Voraussetzung für einen funktionierenden Umgang mit flexiblem Arbeiten ist vor allem eine Unternehmenskultur, die von Vertrauen und Ergebnisorientierung geprägt ist.

Welche Vorteile bringt es einem Unternehmen flexible Arbeitsbedingungen anzubieten?

In einer Zeit, die permanent schneller, vernetzter und kurzlebiger wird, ist Flexibilität nicht wegzudenken, schon gar nicht im Arbeitsleben: flexible Arbeitszeit und mobiles Arbeiten sind in Österreich auf dem Vormarsch und mit Sicherheit ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen. Arbeiten, wo und wann man will etabliert sich als Kriterium, das Bewerber wichtig ist. Flexible Arbeitsbedingungen anzubieten erweitert die Zielgruppe um all jene Bewerber, für die dieses Maß an Freiheit aber auch das entgegengebrachte Vertrauen des Unternehmens in die Arbeit der einzelnen Mitarbeiter einen Wert darstellt. Zudem ist es möglich, auf größere Arbeitsmärkte zurückzugreifen, da Wegzeiten nicht mehr zwingend täglich anfallen. Darüber hinaus erlaubt mobiles Arbeiten Teilzeitkräften in vielen Fällen, mehr Stunden zu arbeiten als bei fixen Anwesenheitszeiten, wodurch vorhandene Potenziale von Mitarbeitern besser genützt werden können. Flexible Arbeitgeber sind mit Sicherheit attraktivere Arbeitgeber und haben im Recruiting Vorteile. Zudem wird Mobile Working oder Smart Working zunehmend ein wichtiger Aspekt beim Employer Branding.

Sehen Sie eine Tendenz in bestimmten Branchen zu vermehrter Flexibilität hinsichtlich der Arbeitsbedingungen?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass v.a. Unternehmen in den Bereichen Dienstleistung, Finanzbereich, teilweise im öffentlichen Bereich und in der Industrie offen für flexible Arbeitsbedingungen sind.

Fazit 

"Flexible Arbeitgeber sind attraktivere Arbeitgeber mit Vorteilen im Recruiting, Employer Branding, Mitarbeiterzufriedenheit, etc. Die meisten Branchen sehen den Trend am Horizont, doch noch ist der Horizont ein wenig zu weit weg, um die Unternehmen tatsächlich flächendeckend zu überschwemmen. Tatsächliche Flexibilität scheint derzeit noch die Ausnahme darzustellen.
 

Und genau darin liegt der Vorteil jener Unternehmen, die bereits jetzt flexible Arbeitsbedingungen anbieten: sie können sich vom Mitbewerb abheben.
 

Nicht vergessen werden sollte in all dieser Flexibilitäts-Diskussion, dass nicht jeder Arbeitnehmer erpicht darauf ist, hoch-flexibel zu arbeiten. Viele arbeiten liebend gern an einem bestimmten Schreibtisch mit einem stabilen Team zu einer vorgegebenen Zeit. Doch genau darin liegt die Flexibilität: jene, die Stabilität bevorzugen, sollen diese auch künftig leben können (minus dem immer-anwesenden Team)."
 

(Quelle: www.hrweb.at, Mag. Eva Selan, MSc)  

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