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Arbeitsmarkt

4. Standortfaktor | Deloitte Radar 2021

Die höchste Arbeitslosigkeit seit der Nachkriegszeit ist eine Herausforderung für den österreichischen Arbeitsmarkt und wird den Standort noch einige Zeit belasten. Langfristig gilt es, das Spannungsfeld zwischen hoher Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel zu lösen.

Der österreichische Arbeitsmarkt befindet sich seit Beginn der Corona-Krise im Ausnahmezustand. Mehrere Lockdowns führten zur höchsten Arbeitslosigkeit seit der Nachkriegszeit. Im Februar 2021 waren rund 500.000 Menschen arbeitslos gemeldet, eine ähnlich hohe Zahl befand sich in Kurzarbeit. Es ist davon auszugehen, dass sich die Situation mit einem Wiederhochfahren der Wirtschaft durch Lockerungen im Frühjahr zwar sukzessive entspannen wird, eine hohe Sockel-Arbeitslosigkeit wird den Standort jedoch noch Jahre belasten.

Die befragten Führungskräfte sehen den österreichischen Arbeitsmarkt im internationalen Vergleich nur durchschnittlich gut aufgestellt. Die Flexibilität des Arbeitsmarktes bewerten lediglich 19 % mit „Sehr gut“ oder „Gut“, 46 % mit „Befriedigend“. 35 % der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer vergeben ein „Genügend“ oder „Nicht genügend“. Damit dürften vor allem die Bereitschaft
zur innerösterreichischen Mobilität und zu Umschulungen gemeint sein.

Bei den Fragen zu Gleichstellung und Chancengerechtigkeit zeigt sich ebenfalls großer Handlungsbedarf: 65 % der Befragten vergeben dafür nur Noten zwischen „Befriedigend“ und „Nicht genügend“. Das Bildungssystem in Bezug auf Lehre und Berufsausbildung wird hingegen mit 54 % von einer Mehrheit als „Gut“ oder „Sehr gut“ bewertet. Als größtes Problem erachten die Befragten auch in der Krise die Verfügbarkeit von Fachkräften: Nur 12 % sehen Österreich hier sehr gut bis gut aufgestellt. Rund 44 % vergeben ein „Befriedigend“, die restlichen 44 % ein „Genügend“ oder „Nicht genügend“.

In der akuten Krisenbewältigung hat sich die Corona-Kurzarbeit zwar bewährt – die mittel- und langfristige Herausforderung wird aber sein, das Spannungsfeld von Fachkräftemangel bei gleichzeitig hoher Arbeitslosenquote zu bewältigen. Das kann nur durch eine wirkungsorientierte Qualifizierungsoffensive gelingen, die sowohl überbetriebliche Initiativen als auch arbeitsplatznahe Qualifizierung beinhaltet. Damit Unternehmen ihrer wichtigen Rolle hier auch nachkommen können, braucht es entsprechende Anreizsysteme.

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