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Autopilot für Fortgeschrittene

Global Automotive Consumer Study zeigt steigendes Vertrauen in autonomes Fahren

Noch vor wenigen Jahrzehnten stellten autonom fahrende Autos reine Fiktion im Sinne von Knight Rider dar. Mit modernen Fahrassistenzsystemen verschieben sich im Laufe der Jahre die Grenzen immer mehr von Fiktion zu Realität. Während die Wirklichkeit autonom fahrender PKW technisch in greifbare Nähe rückt, ändert sich auch die Wahrnehmung der Konsumenten. Eine aktuelle Deloitte Studie zeigt, dass der Gedanke des autonomen Fahrens mittlerweile beim Konsumenten angekommen ist. Die Akzeptanz für selbstständig fahrende PKW nimmt weltweit stark zu, während Sicherheitsbedenken sinken. Herausforderungen, die es in den nächsten Jahren noch zu bewältigen gilt, sind die hohen Investitionskosten sowie die unzureichende Rechtssicherheit.

Die aktuelle Global Automotive Consumer Study liefert interessante Ergebnisse hinsichtlich der Einstellung von Konsumenten zu autonom fahrenden PKW. Mehr als 22.000 Befragte in 17 Ländern lassen eindeutige Tendenzen erkennen:

  • Sicherheitsbedenken sinken: 59 % vertrauen autonom fahrenden PKW
  • Zahlungsbereitschaft steigt: 64 % sind bereit für Innovation mehr zu zahlen
  • Rechtsunsicherheiten als Hürde: klare Gesetze fehlen noch für den Durchbruch
  • Einflussfaktor Autohersteller: 30 % setzen auf neue Anbieter


Sicherheitsbedenken sinken

Noch vor kurzer Zeit wurde von den Konsumenten autonomes Fahren mit Skepsis wahrgenommen. 2017 äußerten knapp 67 % Sicherheitsbedenken gegenüber der neuen Technologie, aktuell sind es nur noch 41 %. „Die Akzeptanz für autonomes Fahren ist in kurzer Zeit stark gestiegen. Breite Information und Aufklärung durch Hersteller und Medien tragen maßgeblich dazu bei“, zeigt sich Matthias Kunsch, Director bei Deloitte Österreich, überzeugt. „Dieser positive Stimmungswandel sollte Ansporn für noch mehr offene Kommunikation sein.“

Zahlungsbereitschaft steigt
Auch hinsichtlich der Zahlungsbereitschaft ist eine positive Entwicklung zu betrachten. Immerhin können sich im weltweiten Durchschnitt 64 % vorstellen, mehr für selbstfahrende Autos zu zahlen. Je nach Land variiert allerdings die Zahlungsbereitschaft stark. In Deutschland will beispielsweise die Hälfte der Befragten für die innovative Technologie nicht tiefer in die Tasche greifen, in den USA und Japan mangelt es bei 40 % bis 30 % an zusätzlicher Zahlungsbereitschaft.

„In Österreich nehmen wir eine ähnliche Stimmung wie bei unseren deutschen Nachbarn wahr. Die niedrige zusätzliche Zahlungsbereitschaft stellt die Automobilindustrie – angefangen von Zulieferern bis hin zu Produzenten – vor Herausforderungen. Bei der Einführung dieser Innovation sind die Kosten sehr hoch. Die Industrie befindet sich mitten in einem langen, kostenintensiven Investitionszyklus“, erklärt Matthias Kunsch.

Rechtsunsicherheiten als Hürde
Bevor autonomes Fahren seinen endgültigen Durchbruch erleben kann, fehlt es insbesondere noch an der entsprechenden Rechtssicherheit. Die damit in Verbindung stehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen werden aktuell in vielen Ländern diskutiert. Erst wenn Gesetze verabschiedet und in Kraft getreten sind, ist ein echter Schub nach vorne zu erwarten.

„Rechtliche Klarheit ist sowohl für Konsumenten als auch Unternehmen enorm wichtig. Wenn die gesetzlichen Vorgaben eindeutig sind, können Anbieter auch Mehrkosten für die Käufer plausibel machen. Hersteller sollten die politischen Entwicklungen genau im Auge behalten“, rät Deloitte Automotive Experte Kunsch.

Einflussfaktor Autohersteller
Im Rahmen der Studie gaben weltweit 45 % an, etablierte Hersteller beim Thema autonomes Fahren zu bevorzugen. Vor allem in Ländern wie Deutschland, Japan oder den USA setzen die Konsumenten auf traditionsreiche Automobilfirmen. Am aufstrebenden Markt China zeichnet sich jedoch ein deutlich anderes Bild ab – lediglich 28 % setzen hier auf klassische Autohersteller, in Südostasen sind es sogar nur 13 %.

„Die geringe Markenbindung am riesigen asiatischen Automarkt mit seinen enormen Wachstumsraten stellt ein großes Risiko für etablierte Hersteller dar. Bereits 30 % der Konsumenten weltweit interessieren sich für neue Anbieter“, warnt Matthias Kunsch. „Die Automobilbranche muss in den nächsten Jahren große Anstrengungen unternehmen, um gegenüber Technologieunternehmen und Markteinsteigern nicht ins Hintertreffen zu geraten.“

Global Automotive Consumer Study
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