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Familien­unter­nehmen befinden sich im Wandel

Interview Gottfried Spitzer

Die neue Generation an Führungspersönlichkeiten setzt zum überwiegenden Teil auf einen neuen Führungsstil, will mehrheitlich strategisch neue Wege gehen und dabei risikobereiter agieren. Wachstum und Innovation rücken in der Unternehmensstrategie in den Fokus. Dabei agiert die neue Generation im Spannungsfeld zwischen althergebrachten Familienwerten und wirtschaftlich notwendigem neuen Denken. Diese Trends identifiziert Deloitte unter vorwiegend europäischen Familienunternehmen im ersten Next Generation Survey.

Gottfried Spitzer zeichnet sich bei Deloitte unter anderem für die Beratung von Mittelstandsunternehmen verantwortlich und stellt fest, dass Familienunternehmen gerade beim Wechsel an der Spitze besonders gefährdet sind.

Herr Spitzer, wo sehen Sie die größten Herausforderungen bei der Nachfolgeregelung?

Die größte Herausforderung sehe ich im Schaffen einer gerechten Balance zwischen Familienwerten, einer professionellen Nachfolgeplanung und mehr wirtschaftlicher Professionalität.

Welche Rolle spielen dabei traditionelle, familiäre Werte?

Auch die neue Generation in der Nachfolge setzt auf traditionelle Werte und den Erhalt der des Familiencharakters. Unsere Studie zeigt, dass 64% der befragten Unternehmen keinen professionellen Plan für das Management der Nachfolge haben. Fakt ist, dass sich Familienunternehmen viel stärker auf eine professionelle Nachfolgeplanung konzentrieren müssen. Es reicht nicht, wenn zwar bereits die Kinder ihre zukünftige Verantwortung verinnerlichen, dann aber professionelle Strukturen zur Übergabe fehlen.

Warum glauben Sie gibt es einen Trend zu Investitionen in Wachstum und Innovation?

Die Globalisierung macht auch vor Familienunternehmen nicht Halt. Daher muss die neue Generation an Führungspersönlichkeiten strategisch neue Wege gehen. Viele fokussieren sich dabei auf Expansion, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Darüber hinaus ist Innovation essenziell für langfristiges und nachhaltiges Wachstum. Gerade die österreichischen Familienunternehmen haben hier einen Wettbewerbsvorteil, der zukünftig von der Nachfolgegeneration mutig weiter ausgebaut werden muss.

Gottfried Spitzer ist Partner bei Deloitte Österreich und kümmert sich um die Prüfung und Beratung vorwiegend nationaler Klienten. Seine Schwerpunkte liegen in der Beratung von Mittelstandsunternehmen und Stiftungen sowie die Beratung im Zusammenhang mit Umstrukturierungen und M&A Transaktionen.

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