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FMA Fokus 2022

Die Aufsichts- und Prüfschwerpunkte 2022 im Blickpunkt

Auf 2020 folgte ein weiteres außergewöhnliches Jahr für die Weltwirtschaft. Die COVID-19 Pandemie und deren Auswirkungen lassen nach wie vor viele Fragen offen, manche Unsicherheiten werden bestimmt auch ins Jahr 2022 genommen. Diesen Trends zum Trotz hat sich die österreichische Finanzwirtschaft bisher relativ stabil in der Krise gezeigt. Mit der Formulierung von sechs Aufsichts- und Prüfschwerpunkten für 2022 - Resilienz und Stabilität, Geldwäscheprävention, Nachhaltigkeit, Cybersicherheit, Verbraucherschutz und neue Geschäftsmodelle, will die FMA den Blick für wesentliche Risiken und Herausforderungen nunmehr weiter schärfen.

Aufsichts- und Prüfschwerpunkte 2022

Die Finanzmarktaufsicht hat mit 16. Dezember 2021 die Aufsichts- und Prüfschwerpunkte für das Jahr 2022 veröffentlicht. Damit sollen zentrale Risiken und Herausforderungen der kommenden Jahre in den Mittelpunkt der weiteren Bemühungen rücken. Diese werden von der FMA zusammenfassend wie folgt dargestellt:

  • Resilienz und Stabilität
  • Sauberer Finanzplatz Österreich
  • Nachhaltigkeit
  • Digitalisierung
  • Kollektiver Verbraucherschutz
  • Neue Geschäftsmodelle

Resilienz und Stabilität

Durch die immer noch anhaltende COVID-19 Pandemie kam es weltweit zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Kapitalmarktturbulenzen. Nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen regulatorischen Anforderungen der letzten Jahre (wie z.B. P2R, P2G, Pufferregime, MREL, Stress-Testing) erwies sich der österreichische Finanzmarkt trotz der Herausforderungen neuerlicher COVID-Wellen jedoch als ausgesprochen krisenfest und weiterhin gut aufgestellt. Ein Grund dafür war, dass negative wirtschaftliche Entwicklungen antizipiert wurden und entsprechende Gegenmaßnahmen frühzeitig ergriffen werden konnten. Im Jahr 2022 wird die FMA ihre bestehenden Früherkennungsmaßnahmen weiter ausbauen und ihre Aufsichts- und Prüfschwerpunkte vor allem in Themenbereichen wie mikro- und makroprudenzielles Monitoring, Nachhaltigkeitsrisikomanagement, Own Risk and Solvency Assessments, Geschäftsmodelle und Stresstests (auch bei Pensionskassen und ausgewählten Fonds- und Vorsorgekassen) setzen.

Die Krise hat zudem bestätigt, dass eine funktionierende und starke Governance unabdingbar ist, um nachhaltig und krisenfest zu bleiben. Gleichzeitig kann jedoch auch die Einhaltung aller Fit & Proper und sonstiger Governance-relevanter Anforderungen mögliche Krisenfälle nie gänzlich verhindern. Dahingehend wird die FMA im Jahr 2022 die Vorbereitung für etwaige zukünftige Krisenfälle in Absprache mit den Finanzmarktteilnehmern intensivieren und auch die Umsetzung der jährlich aktualisierten Abwicklungspläne bewerten.

Details zu unseren Services im Bereich Regulatory Risk finden Sie hier.

Regulatory Risk

Sauberer Finanzplatz Österreich

In den letzten Jahren stiegen betrügerische Aktivitäten am österreichischen Finanzmarkt deutlich an. Das zeigt auch die Anzahl der Hinweisgebermeldungen, Verbraucherbeschwerden sowie der Verfahren zu unerlaubten Geschäftspraktiken. Ursache waren neben der COVID-19-Pandemie insbesondere technische Innovationen von Finanzprodukten und -dienstleistungen. Auch international besteht im Bereich der Geldwäscheprävention und Terrorismusfinanzierung Aufholbedarf. Deshalb liegt der Fokus der FMA auch im Jahr 2022 auf einem „sauberen Finanzplatz Österreichs“. Das beinhaltet u.a.:

  • Weiterentwicklung der Hinweisgebersysteme 
    Unseriöse Anbieter und Kriminelle passen sich rasch an geänderte Bedingungen, wie Homeoffice und verstärkte Internet-Nutzung, an. Deshalb sollen illegale Praktiken durch Market Monitoring, u.a. mit Hilfe von Whistleblowern, Marktteilnehmerinnen und -teilnehmern sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern, identifiziert werden. Daher wird die FMA die bis zum 17. Dezember 2021 umzusetzende Whistleblowing-Richtlinie (2019/1937) eng begleiten und die Erkenntnisse in ihren Aufsichtstätigkeiten einfließen lassen.
  • Überwachung von „Virtual Asset Service Providern (VASP)“ 
    Die Erfüllung der Anforderungen des FM-GwG durch die VASPs soll seitens FMA eng überwacht werden. Bei Nichteinhaltung der seit 10. Jänner 2020 gesetzlich verankerten Pflicht zur Registrierung wird diese von der FMA konsequent widerrufen und bei unerlaubt tätigen VASPS der Betrieb rasch unterbunden.
  • Einhaltung der Geldwäschestandards 
    Seitens der FMA gilt, auch analog zu 2021, eine Null-Toleranz-Politik im Kampf gegen Geldwäsche. Zusätzlich werden Risikoanalysetools weiterentwickelt, die Kompetenzen im Bereich des Sanktionenrechts übernommen und Synergien im Bereich der Geldwäscherei-Aufsicht erhoben. Zudem wird die FMA die Weiterentwicklung des europäischen institutionellen Rahmens im Bereich AML/CFT, Stichwort: EU-AML-Paket, im Detail verfolgen.

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Advisory

Nachhaltigkeit

Mit dem European Green Deal und dem Sustainable Finance Action Plan hat die EU ambitionierte Maßnahmen und Ziele definiert. Vorgesehen ist, dass auch die Finanzindustrie einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klima- und Umweltziele leistet und leisten soll. Einen merklichen Schwerpunkt setzt die FMA im Jahr 2022 in diesem Zusammenhang auf die Umsetzung des FMA-Leitfadens zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken. Überprüfungen in diesem Zusammenhang werden sowohl in Managementgesprächen als auch in jährlichen Analysen stattfinden. Insofern wird die FMA vermehrt Nachhaltigkeitsfaktoren und -risiken in der Geschäftsstrategie, der internen Governance sowie im Risikomanagement im Rahmen des aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses („SREP“) bewerten.

Im Zuge dessen wird die FMA im Jahr 2022 eine Statuserhebung hinsichtlich der Implementierung von Nachhaltigkeitsrisiken in Strategie, Governance und Risikomanagement innerhalb österreichischer Finanzmarktteilnehmer durchführen und betont sohin die Bedeutung des Themas der Nachhaltigkeit auch für die österreichische Finanzindustrie.

Für Versicherungsunternehmen (VU) und Pensionskassen (PK) wird die FMA weitere Top-down Klimastresstests durchführen, um deren Anfälligkeit gegenüber etwaigen Transitionsrisiken besser beurteilen zu können.

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Sustainability

Digitalisierung

Die Digitalisierung schreitet für Finanzinstitute weiter voran und bringt komplexe Herausforderungen mit sich. IT-Strategie, IT-Landschaften und IT-Sicherheit für selbst- oder fremdbetriebene Dienste erhalten einen immer höheren Stellenwert und auch die Anforderungen im (technologiebezogenen) operationellen Risikomanagement steigen weiter an.

Der seit 2018 bestehende Fokus der Aufsichtsbehörde wird deshalb auch 2022 weitergeführt und liegt auf den Themen IT-Outsourcing, Fit & Proper-Anforderungen zu digitalen Geschäftsmodellen, Sicherstellung eines gleichwertigen Verbraucherschutzes, Monitoring und Entwicklung von Kryptoassets und Intensivierung der Überwachung von Cyber-Risiken. Zu diesem Zweck soll die „Digitalisierungsstudie 2021“ der FMA weiter ausgebaut und aufbauend auf dem für Self-Assessments vorgesehenen „Cyber Maturity Level Assessment“ der FMA ein Pilot für künftige „Cyber Security Exercises“ durchgeführt werden, um die Widerstandsfähigkeit von Finanzinstituten zu prüfen und zu verbessern.

Ergänzend sind in 2022 diverse Rahmenwerke zum IT/Informationsrisikomanagement, Kontinuitäts- und Krisenmanagement („DORA“) sowie hinsichtlich der Regulierung von Märkten in Kryptoassets („MiCA“) in finaler Form zu erwarten, welche die europäische Initiative zum „Digital Finance Package“ weiter vorantreiben sollen.

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Cyber Risk

Kollektiver Verbraucherschutz

Durch die COVID-19 Pandemie und das anhaltende Niedrigzinsumfeld kam es zu einer wesentlichen Veränderung im Anlageverhalten vieler Verbraucher. Speziell risikobehaftete, da ausgesprochen volatile, Anlageformen sowie digitale Finanzangebote haben einen Aufschwung erlebt. Hinsichtlich dieser Entwicklungen erachtet die FMA den auf Transparenz und vollständiger Information basierenden kollektiven Verbraucherschutz als notwendiger denn je. Die aufsichtsrechtlichen Schwerpunkte in dieser Hinsicht bilden deshalb Product Oversight und Governance, das risikoorientierte Market-Monitoring, zielgruppengerechte Kommunikation, sowie die Überprüfung der integrierten Vertriebsaufsicht bei Banken. Zusätzlich plant die FMA, Erkenntnisse aus der Verhaltensökonomie in die Wohlverhaltensanforderungen einfließen zu lassen und in Form eines Best Practices Schreiben an die Branche zu kommunizieren.

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Regulatory Risk

Neue Geschäftsmodelle

Die Europäische Kommission hat ihm Rahmen ihrer „Digital Finance Strategie“ die zunehmende Fragmentierung von Wertschöpfungsketten, die Bündelung unterschiedlicher sektoraler Finanzdienstleistungen auf (Online-)Plattformen, sowie Risiken durch große Unternehmensgruppen als besonders aufsichtsrechtrelevant eingestuft. In diesem Zusammenhang wurden zwei wesentliche Regulierungsinitiativen präsentiert, nämlich die „Markets in Crypto Assets Regulation“ (MiCAR), sowie das „Distributed Ledger Technology (DLT) Pilot Regime“. Trotz dieser Initiativen wird die Unterscheidung zwischen regulierten und unregulierten Tätigkeiten auch in Zukunft eine Herausforderung bleiben. Die im Jahr 2020 von der FMA eingeführte Regulatory Sandbox wird dahingehend weiterhin eine relevante Rolle spielen, um zu evaluieren, inwiefern ein innovatives Geschäftsmodell unter Berücksichtigung der aufsichtsrechtlichen Vorschriften umgesetzt werden kann und darf. Des Weiteren wird die FMA ihr Aufsichtsregime hinsichtlich der Schwarmfinanzierungs-VO auf Crowdfunding-Tätigkeiten ausweiten.

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