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Chancengleichheit als Ausnahmezustand

Gundi Wentner und Elisa Aichinger im Interview zur Deloitte Studie „Frauen und Führung“

Die Ergebnisse der aktuellen Deloitte Umfrage zum Thema Frauen und Führung zeigen, dass in diesem Bereich Theorie und Praxis noch weit auseinanderliegen. 93 % der befragten Unternehmen sehen es als Wettbewerbsvorteil, Frauen in Führungsteams zu haben. Doch nur ein Fünftel dieser Unternehmen bietet auch tatsächliche Chancengleichheit. Gundi Wentner, Partnerin und Elisa Aichinger, Senior Managerin bei Deloitte Österreich analysieren in einem kurzen Interview die Ergebnisse.

Der Großteil der Unternehmen wünscht sich mehr Frauen in der Führungsebene, doch nur wenige werden diesem Anspruch gerecht. Warum klaffen Theorie und Praxis hier so weit auseinander?

Elisa Aichinger: „Ein wesentlicher Punkt ist das Fehlen von konkreten Zielsetzungen. 84 % der Befragten sind davon überzeugt, dass es notwendig ist, messbare Ziele zu formulieren, um den Frauenanteil zu erhöhen. Doch nur etwas mehr als die Hälfte haben dies auch tatsächlich getan. Das zeigt leider einmal mehr, dass sich in vielen Unternehmen die Gleichstellung auf Lippenbekenntnisse beschränkt. Trotz aller guten Vorsätze ist Chancengleichheit in vier Fünftel der Betriebe nicht gegeben.“

Wie steht es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Gundi Wentner: „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie schlechte Rahmenbedingungen im Bereich der Kinderbetreuung und bei den Angeboten von Ganztagsschulen sind tatsächlich ein häufig genannter Grund, der die Karriere von Frauen bremst. Denn Kinderbetreuung ist in Österreich nach wie vor Frauensache. Diese bedauerliche Realität wird auch von unserer Umfrage bestätigt.

Durch konservative Rollenbilder finden sich Frauen zudem oft in der Teilzeitfalle. Ein Faktor, den Mehr als die Hälfte der Befragten an Chancengleichheit anknüpft: Gleiche Karrieremöglichkeiten setzen eine Vollzeitbeschäftigung voraus.“

Liegt die Verantwortung somit bei der Gesellschaft?

Gundi Wentner: „Karrierehürden für Frauen werden häufig eher auf gesellschaftlicher und individueller Ebene gesehen. Das greift aber zu kurz. Gerade Unternehmen müssen ihre Verantwortung beim Thema Gleichstellung von Mann und Frau wahrnehmen. Die Einflussmöglichkeiten der Wirtschaft sind beträchtlich.“

Wie geht es mit dem Thema „Frauen und Führung“ weiter?

Elisa Aichinger: „Auf der Pro-Seite ist zu vermerken, dass zumindest die Mehrheit der befragten Unternehmen den Nachholbedarf erkannt hat und plant zu handeln. Die Erhöhung des Frauenanteils steht bei 60 % der heimischen Unternehmen auf der Agenda. Besonders große Unternehmen streben einen höheren Frauenanteil an, sie haben die Nutzen diverser Teams bereits erkannt. Jetzt ist die breite Unternehmerschaft gefragt hier nachzuziehen.“

Die Ergebnisse unserer Studie zu „Frauen und Führung“ können Sie hier nachlesen
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