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Wie flexibel arbeitet Österreich?

Vertrauensarbeitszeit, Home Office, Desksharing – Deloitte Flexible Working Studie 2019 zeigt, wie verbreitet diese Modelle in Österreich sind.

Deloitte Österreich befragte in Zusammenarbeit mit der Universität Wien und der Universität Graz mehr als 200 Führungskräfte und Personalisten zum Umgang mit dem Thema Flexible Working. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es in Hinblick auf flexibles Arbeiten Widersprüche gibt. Einerseits setzen die Unternehmen großes Vertrauen in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und lassen sie flexibel arbeiten. Andererseits spielt aber die physische Anwesenheit eine große Rolle. Freiraum und Autonomie, die durch flexibles Arbeiten gewonnen werden, werden durch die Forderung nach ständiger Erreichbarkeit und zunehmendes Verschwimmen von Freizeit und Beruf wieder deutlich beeinträchtigt.

Die Key Findings auf einen Blick

 

  • Zunehmende Flexibilität: In 24 % der Unternehmen arbeitet die Mehrheit bereits bei Gleitzeit ohne Kernzeit.
  • Etabliertes Home Office: 97 % der Unternehmen bieten Heimarbeit an, wobei in knapp 40 % Home Office nur wenigen Einzelpersonen vorbehalten bleibt. Die tatsächliche Nutzung durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt.
  • Verschwimmende Grenzen: 65 % erwarten sich von Führungskräften auch in der Freizeit ständige Erreichbarkeit.
  • Zusätzliche Kontrolle: 39 % der Unternehmen setzen bei flexiblem Arbeiten auf mehr Kontrollmaßnahmen.

Kernarbeitszeit rückt immer mehr in den Hintergrund

In Anbetracht der Möglichkeit, den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als attraktiver Arbeitgeber Gleitzeit ohne Kernzeit zu bieten, erachten Unternehmen fixe Kernarbeitszeiten zunehmend als nicht mehr notwendig. „Bereits bei einem Viertel der Unternehmen arbeitet die Mehrheit ohne Kernzeiten. Dadurch wird die Flexibilität vor allem für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter erhöht“, erklärt Barbara Kellner, Managerin bei Deloitte Österreich.

Die steigende Flexibilisierung spiegelt sich auch in dem knappen Drittel der heimischen Unternehmen wider, welche von der Möglichkeit des 12-Stunden-Tages in der Gleitzeit Gebrauch machen. Im Gegensatz dazu ist die medial sehr präsente 30-Stunden-Woche in heimischen Unternehmen sehr selten. Zwei österreichische Unternehmen, welche die 30-Stunden-Woche erfolgreich eingeführt haben, wurden dazu interviewt. Ihre Erfahrungen können Sie in der Studie nachlesen.

Home Office auf dem Vormarsch    

In 97 % der befragten Unternehmen gibt es grundsätzlich die Möglichkeit für Home Office. Nahezu 40% der Unternehmen ermöglichen dies jedoch nur wenigen Einzelpersonen. Die tatsächliche Inanspruchnahme von Home Office hat sich in den letzten Jahren verdoppelt.

Ebenfalls zu beachten ist, dass in 85 % der Unternehmen der physischen Anwesenheit im Büro große Bedeutung zugeschrieben wird. Eine Gleichsetzung von Anwesenheit mit Leistung kann zur Folge haben, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich nicht trauen, die Home Office-Angebote zu nutzen.  

Verschwimmende Grenzen von Arbeit und Freizeit

Nicht nur die physische Anwesenheit, auch die Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeiten ist für viele Unternehmen von Wichtigkeit. So erwarten 65 % der Befragten von ihren Führungskräften in der Freizeit erreichbar zu sein. Bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegt der Anteil bei 25 %. Hier sind Spielregeln und ein Thematisieren von Erwartungen an Nicht-Erreichbarkeit wichtig, um ein „Abschalten“ in der Freizeit zu ermöglichen.

Kontrollen ab- und Vertrauen aufbauen

In der Studie werden zahlreiche Widersprüche von flexiblem Arbeiten ersichtlich: So gibt zwar die Mehrheit der Befragten beispielsweise an, den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu vertrauen, in der Hälfte dieser Unternehmen gibt es bei flexiblem Arbeiten aber trotzdem zusätzliche Kontrollmechanismen. Eine umfassende Betrachtung von flexiblem Arbeiten mit allen Schnittstellen (Leistungsbegriff, Unternehmens- und Führungskultur etc.) sowie die Erarbeitung von klaren, einheitlichen Spielregeln sind wesentliche Erfolgsfaktoren für flexibles Arbeiten.

Sie haben noch Fragen oder möchten es gerne genauer wissen? Für weiterführende Erklärungen stehen unsere Expertinnen und Experten im Bereich Human Capital sehr gerne jederzeit zur Verfügung.

Infografik: Deloitte Flexible Working Studie 2019

Flexible Working 2017

Die Studie von 2017 zum Download finden sie hier

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