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Interim Manage­ment in Öster­reich – mehr Mut ist nötig!

„Der Interim Management Markt in Deutschland setzt sein Wachstum 2015 fort“, berichtet der DDIM (Deutscher Dachverband für Interim Management Deutschland). In Österreich ist die Entwicklung noch verhaltener – leider.

Mehr Mut wäre wünschenswert und für die Zukunft angesichts des sich verändernden Arbeitsmarktes sicher notwendig! Reorganisationen, Start-ups, Mergers & Acquisitions, Sanierungs- und Restrukturierungsprojekte aber auch „einfache“ Personalengpässe bedürfen oft Experten, die ein Unternehmen vorübergehend professionell (beg-)leiten. Was in anderen europäischen Ländern wie Dänemark, den BeNeLux, UK, Nordeuropa und auch bereits in Deutschland weit verbreitet ist, ist in Österreich noch eher Neuland.

Österreich – das Land der Fixanstellung

Management Positionen werden in Österreich immer noch traditionell „fix“ besetzt, gegen Interim Management existieren in Österreich teilweise Vorbehalte und Vorurteile. „Nachdem bis dato Interimsmanager in Österreich vor allem in Sanierungs- bzw. Restrukturierungsfällen eingesetzt wurden, so eilt dieser Ruf etwas voraus und lenkt automatisch zum Gedanken hin, dass es dem Unternehmen schlecht geht, wenn ein Interimsmanager zum Einsatz kommt.“ erläutert Margareta Holz, Partnerin Deloitte Österreich. Zusätzlich geben potentielle Auftraggeber an, dass sie die Kosten für einen Interimsmanager schwer überblicken können. Viele zweifeln auch daran, dass ein Interimsmanager tatsächlich eine Aufgabe „aus dem Stand heraus“ bewältigen kann. Hier ist entweder viel Vorschussvertrauen gefragt und / oder eine tragfähige Zusammenarbeit mit einem seriösen Provider empfehlenswert.

Von der Vakanz zum Interimsmanagement

Die fünf klassischen Anlassfälle für Interim Management sind: 1) Überbrückung eines Kapazitätsengpasses durch z.B. plötzlichen Ausfall einer Führungskraft, Neu- bzw. Nachbesetzungen, Auslastungshochs 2) Veränderungsprozesse in Unternehmen, wie Change Management, Generationenübergang in Familienunternehmen, Reorganisationen 3) Sanierungen, Restrukturierungen 4) Unternehmensentwicklung, Business Development, M&A 5) Besonders herausfordernde Projekte, für die man für einen bestimmten Zeitraum einen externen Experten ins Unternehmen holen muss.

Die Entscheidung, einen Interimsmanager zu bestellen wird zumeist auf Geschäftsführungs- oder Eigentümerebene getroffen, je nach Unternehmensgröße und -kultur mit oder ohne Einbindung der Personalabteilung. „Tendenziell läßt sich feststellen, dass v.a. Industrie- und Produktionsunternehmen dem Thema Interim Management aufgeschlossen gegenüberstehen und der Großteil der Anfragen, die wir erhalten, von eben solchen Unternehmen kommt“ sagt Birgit Witzelsberger, Senior Consultant bei Deloitte. Auch Familienbetriebe in Österreich haben bereits positive Erfahrungen mit Interim Management gemacht, z.B. wenn die geregelte Übergabe des Unternehmens an die jüngere Generation Thema ist oder bei plötzlich auftretenden Personalengpässen. Im Finanz- und Bankenbereich kennt man Interimsmanager v.a. als Restrukturierungs- oder Sanierungsexperten. Branchenunabhängig sind Interimsmanager in Bereichen wie Finanzen, Rechnungswesen, Controlling oder interimistische kaufmännische Leitung eines Unternehmens tätig. Grundsätzlich kann Interim Management für jedes Unternehmen in jeder Branche ein gewinnbringendes Instrument bei oben genannten Anlassfällen sein. 

Oft wird ein Interimsmanager zunächst über das persönliche Netzwerk gesucht, oft gleich von Beginn an unter Einbeziehung von Providern. Diese werden von Kunden vor allem dann kontaktiert, wenn „Not am Mann“ ist und können üblicherweise rasch Unterstützung leisten – zunächst passende und geprüfte Profile von Interimsmanagern übermitteln, Gesprächstermine zwischen Kunde und Interimsmanager koordinieren, Vertragsverhandlungen begleiten (oft werden Werkverträge zwischen Kunde und Interimsmanager abgeschlossen) und so zur raschen, interimistischen Besetzung der Vakanz beitragen. Die Mehrzahl der Interimsmanagementmandate dauert zwischen 6 und 12 Monaten. Interimsmanager verrechnen üblicherweise Tagessätze (im 3-stelligen bis unteren 4-stelligen Bereich) bzw. Pauschalen für ihre Leistungen, d.h. die Beschäftigung eines Interimsmanagers hat den Vorteil, dass der Kunde nur tatsächlich geleistete Arbeitsstunden ohne Personalnebenkosten bezahlt,  Aufwendungen für Krankenstände, Urlaube, sonstige Fehlzeiten, Rückstellungen fallen weg. Provider von Interimsmanagern berechnen in den meisten Fällen erst bei erfolgreicher Vermittlung eine Vermittlungspauschale.

Interim Management – die Zukunft?

Aus unserer Deloitte-Studie der Human Capital Trends wissen wir: österreichische Unternehmen sind im Allgemeinen auf die Herausforderungen und Veränderungen der Arbeitswelt nicht beziehungsweise nicht ausreichend vorbereitet: Organisationen sind internationaler, vernetzter, volatiler, die demografische und technologische Entwicklung geht in Riesenschritten voran, herkömmliche Führungs- und Managementmethoden führen nicht mehr zum Ziel. Mehr zu tun reicht nicht aus – ein Umdenken ist notwendig. In einer stärker flexibilisierten Arbeitswelt nehmen auch temporäre Beschäftigungsverhältnisse zu - auch auf Managerebene und Interim Management könnte sich gut als Arbeitsform der Zukunft etablieren. 2013 waren bereits 476.900 Menschen in Österreich selbständig erwerbstätig, Tendenz weiter steigend, etwa 1.000-1.500 davon als Interimsmanager. 

Aus Umfragen ist außerdem bekannt, dass der Erfolg von Interim Management in einem Land von der Akzeptanz und der Konjunkturlage abhängt (DDIM 2013). Daher ist in Ländern mit vergleichsweise starker Konjunktur Interim Management weiter verbreitet. In Österreich sind die Aussichten auf Wirtschaftswachstum vorerst gering, dennoch wird ein vorsichtiger Aufwärtstrend bei den Konjunkturerwartungen wahrgenommen (CFO-Survey) – siehe anschließende Grafik.

Das Angebot an Interimsmanagern in Österreich ist verhältnismäßig groß, bleibt zu hoffen, dass die Nachfrage wächst! Der Erfolg wird u.a. davon abhängen, wie gut es gelingt, Unternehmen zu überzeugen, dass Interim Management in den genannten Anlassfällen zielführender, effizienter und  kostengünstiger ist als ein fix Angestellter oder eine Überbrückung einer Vakanz durch eine gut gemeinte aber schlecht realisierbare „interne Lösung“ und dass Interim Management auch als strategisches Element eingesetzt werden kann und soll. Die Tatsache, dass mittlerweile viele Veränderungsvorhaben in Unternehmen als Projekte definiert und umgesetzt werden, könnte eine weitere Chance für Interim Management darstellen. Die stetige Entwicklung des österreichischen Marktes für Interim Management durch die Gründung eines Dachverbandes (DÖIM), die Entwicklung gemeinsamer Qualitätsstandards, intensivere Berichterstattung in Kombination mit gezielten Ausbildungsmöglichkeiten für das Berufsbild Interimsmanager stellen weitere positive Schritte hinsichtlich der Erhöhung des Reifegrades des Interim Management Marktes dar.

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