Vergütungstransparenz

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Vergütungstransparenz

In Österreich gibt es noch Luft nach oben

Auf ca. 10.000 börsennotierte Unternehmen in Europa wird sich das Maßnahmenpaket der Europäischen Kommission zur Verbesserung der Unternehmensführung auswirken. Laut der Kommission soll das Paket die Aktionäre ermutigen, sich stärker in die Unternehmen einzubringen, in die sie investieren und ihre Investitionen in einer längerfristigen Perspektive zu sehen. Dafür sorgen, soll ein Mitspracherecht bei der Festsetzung von Vergütungen („say on pay“).

Say on pay

Hintergrund des say on pay ist, dass die Entlohnung des Vorstands in den vergangenen Jahren nicht ausreichend auf die Interessen der Aktionäre ausgerichtet gewesen sei. Das Maßnahmenpaket, von dem ein wirksamer Trend hin zu klarer Governance zu erwarten ist, besteht aus drei Teilen:

  • der Überarbeitung der Richtlinie über Aktionärsrechte
  • der Empfehlung der Kommission zur Qualität der Berichterstattung über die Unternehmensführung („Comply or Explain“) sowie
  • der Richtlinie über Einpersonengesellschaften

Für die Verbesserung der Vergütungspolitik und zur Erhöhung der Transparenz sind die ersten beiden Punkte (Überarbeitung der Richtlinie über Aktionärsrechte und Empfehlung der Kommission zu „Comply or Explain“) entscheidend, da ein Zwang zur Transparenz Lippenbekenntnissen vorbeugt und eine große Wirksamkeit mit sich bringt. Das Mitspracherecht bei der Festsetzung von Vergütungen in der überarbeiteten Aktionärsrechterichtlinie bedeutet, dass die Vergütungspolitik in der Hauptversammlung schriftlich dargelegt werden muss, sprich: wer bekommt was, warum und wofür? Langfristige Incentives zählen ebenso dazu wie Benefits und Fristen. Vergütung ist in erster Linie Thema des Aufsichtsrats, deswegen ist auch mit einer Professionalisierung der Aufsichtsräte und Mitglieder im Vergütungsausschuss zu rechnen, da sich diese nach der überarbeiteten Aktionärsrechterichtlinie öffentlich erklären müssen. Dies führt dazu, dass Unternehmen ihre Vergütungspolitik überdenken, regelmäßig prüfen und neu evaluieren müssen.

Die Empfehlung der EU-Kommission zur Qualität der Berichterstattung über die Unternehmensführung („Comply or Explain“) sieht vor, dass Unternehmen, die vom geltenden Corporate-Governance-Kodex abweichen, hierfür künftig auch eine hinreichende Erklärung liefern sollten. Eine Anlageentscheidung auf Basis solider Informationen wäre somit für Anleger einfacher. Eine Deckelung von Managergehältern auf EU-Ebene hingegen ist nicht vorgesehen. Auch eine gesetzlich verpflichtende Angabe der Spreizung zwischen dem durchschnittlichen Gehalt der Belegschaft und dem des Vorstands ist nicht zu erwarten.

Eine durchdachte und verschriftlichte Vergütungspolitik auch für die Ebene unterhalb des Vorstands würde die Vergütungstransparenz in Österreichs Unternehmen merklich erhöhen.

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