Vertrauensarbeitszeit

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Etablierung einer Vertrauenskultur

Die neuen Arbeitswelten bringen massive Auswirkungen auf Führung mit sich: Mehrere Vorgesetzte, virtuelle Teams, unterschiedliche Arbeitszeiten und -orte und das Fehlen eindeutig individuell zurechenbarer Ergebnisse – bisher erfolgreiche, vorwiegend kontrollbasierte Führungsansätze werden zunehmend unwirksam. Unsere Beratungserfahrung sowie die Ergebnisse der Deloitte „Flexible Working“ Studie bestätigen: Vertrauen bzw. die Etablierung einer Vertrauenskultur ist zentral um Smart Working im Unternehmen zur Realität werden zu lassen.

In vielen Unternehmen ist vertrauensbasierte Führung nach wie vor eine der größten Hürden - es fällt schwer, den Widerspruch zwischen Worten und Taten zu überwinden. Ein gutes Beispiel ist die Vertrauensarbeitszeit, deren Einführung von vielen Unternehmen behauptet, jedoch von nur wenigen tatsächlich gelebt wird. Als Begründung werden oft mangelnder Wille und mangelndes Können der Führungskräfte angeführt. Wir meinen, dass sich bei dieser Argumentation die Katze in den Schwanz beißt: Vertrauensbasierte Führung erfordert Vertrauen in die Führung.

Vertrauensbasierte Führung verlangt dadurch zunächst einmal Mut:

  • Mut des Top-Managements, den eigenen Führungskräften zu vertrauen und manch lieb gewonnene Kontrollmöglichkeit loszulassen.
  • Mut der Führungskräfte, sich für die Führungstätigkeit Zeit zu nehmen und Führung nicht an Systeme zu delegieren.
  • Mut, auf herkömmliche Legitimationen von Führung (Kontrolle von Ressourcen, Macht des Beurteilers) zum Teil zu verzichten.
  • Mut, neue Legitimationen entstehen zu lassen: Durch Geben von Orientierung, durch Ermöglichen von Freiräumen, durch Schaffen von Zugängen, durch Zu- und, letztendlich, Vertrauen in MitarbeiterInnen.

Diese Veränderungen lassen sich nicht durch Sonntagsreden herbeihoffen oder durch Regeln verordnen. Notwendig sind vielmehr ein tatsächlich verändertes Führen und die bewusste Auseinandersetzung mit der Rolle von Führung in der Organisation.

Natürlich brauchen Vorgesetzte dabei Unterstützung - und zwar auf drei Ebenen:

  • Durch passende Instrumente (seien es flexible Arbeitszeitmodelle, ergebnisorientierte Performance Management Prozesse oder Multi Source Feedback).
  • Bei der Entwicklung der eigenen, persönlichen Kompetenzen, um diese Instrumente anwenden und in neuen Führungsrollen agieren zu können
  • Durch die Veränderung der Führungskultur, die ein verändertes Selbstverständnis von Führung zulässt.

Keinesfalls bedeutet vertrauensbasierte Führung den Verzicht auf effektive Steuerung - im Gegenteil können ergebnisorientierte Arbeitsumfelder oftmals deutlich wirksamer sein, agileres Handeln zulassen und die dezentrale Intelligenz der Organisation besser nutzen als kontrollbasierte. Wahre Führung beginnt dort, wo das Zählen, Messen und Wiegen aufhört.

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