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Herausforderung bei der Arbeit im Forensic

Karin Mair

Frau Mair, wo liegen die Herausforderungen, mit denen man in Ihrem Bereich zu kämpfen hat?
Man darf im Forensic keinen 9-5 Job erwarten. Es muss einem liegen, in zeitkritischen Projekten zu arbeiten, die sehr multidisziplinär aufgestellt sind und bei denen man mit vielen verschiedenen Charakteren zu tun hat. Wer denkt, die Arbeit hier ist so wie bei „CSI“, der irrt. Wir haben es hier mit einem hochkomplexen Handwerk zu tun und arbeiten wie Restauratoren an strukturierten und unstrukturierten Daten, die für unsere Fälle nötig sind um bspw. festzustellen, was passiert ist. Unsere Klienten kommen dabei auch schon mal am Freitagnachmittag mit einem kurzfristigen Projekt auf uns zu und dann gilt es flexibel zu sein und professionell zu reagieren. Hohe Frustrationstoleranz und absolute Genauigkeit sind tägliche Herausforderungen auf allen Levels.  Planung von Auslastung und Projekten ist sehr komplex bis unmöglich. Bei Auslandsprojekten, die über längere Zeit laufen kommen manchmal Kollisionen mit dem Privatleben vor.

Wie wird mit Konfliktsituationen umgegangen?
Offenheit ist eine verpflichtende Teamregel, das Team muss auch in Stresssituationen professionell  reagieren – das ist die Erwartungshaltung vom Kunden und auch intern.  Daher ist es umso wichtiger, Konflikte sofort offen und wertschätzend anzusprechen. Meist sind es fachliche Meinungsverschiedenheiten, die sich im Gespräch leicht und schnell klären lassen. Bei persönlichen Problemen erwarte ich von Mitarbeitern Ehrlichkeit und direktes Ansprechen der Themen und betroffenen Personen. Damit muss man auch als Führungskraft umgehen können. Man kann es in einem Forensic Team nur „aushalten“, wenn man sich wirklich wohlfühlt und auch das sehe ich als meine Aufgabe als Führungskraft.

Wie gestaltet sich das Thema Arbeitszeit? Wie geht man damit um?
Grundsätzlich sind meine Mitarbeiter pauschaliert, jeder kann sich seine  Zeit einteilen, solange sich dies auch in der  Leistung /Qualität der Projekte widerspiegelt. Es wird darauf geachtet, dass meine Mitarbeiter Urlaub wirklich konsumieren. In Phasen mit vielen Projekten, die gleichzeitig laufen, ist das natürlich nicht immer für alle möglich. Forensic bedeutet viel Arbeit und auch Überstunden in kritischen Phasen sind eher die Regel als die Ausnahme, -dazu muss man der Typ sein.

Wenn wir schon davon sprechen: Teamplayer mit Köpfchen bedeutet für Sie?
Teamarbeit bedeutet bei uns nicht: „Tolle, ein Anderer machts.“ Es geht in unserem Fall wirklich darum, die richtigen Leute einzusetzen sowie die eigenen Grenzen zu akzeptieren und sich bei komplexen Fragestellungen zu unterstützen. Beispielsweise leitet einer meiner jüngsten Mitarbeiter mit 23 Jahren aktuell ein Projekt, weil er fachlich der beste in der Materie ist. Diese geistige  Offenheit muss man zulassen und fördern – diese besonderen Fähigkeiten werden auch wertgeschätzt. Das erwartet man auch von einem Teamplayer mit Köpfchen.

Was erwarten Sie von einem Mitarbeiter sonst?
Meine Mitarbeiter verfügen über eine extrem hohe Frustrationstoleranz, die einfach nötig ist. Die Arbeit hier im Forensic ist schwierig und obwohl viele Fälle in den Medien sind, kann man mit niemanden außerhalb des Teams darüber sprechen. Man kann seiner Familie nicht sagen, wohin man zu Terminen fliegt. Es geht um Strafverfolgungen etc. und hier bedarf es einem gewissen Selbstwertgefühl, Team- und Kritikfähigkeit sowie die Liebe zum Detail. Wer tausende Datensätze zu einem Fall prüft, muss sich bei  uns auf das Wesentliche fokussieren können. Genau das erwarte ich von einem Mitarbeiter.

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