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Mehr Digitalisierung, Flexibilität und Innovation für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich

Mag. Clemens Klinglmair, Director bei Deloitte Steyr in Oberösterreich, im Interview.

Worauf müssen oberösterreichische Unternehmen im Bereich Digitale Kompetenz und Innovation achten, um zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben?

Viele Geschäftsmodelle drehen sich aktuell komplett um. Was jahrzehntelang erfolgreich funktioniert hat, wird durch die digitale Revolution innerhalb kürzester Zeit über den Haufen geworfen. Die Unternehmen müssen also umdenken: Arbeits- und Geschäftsprozesse werden digitalisiert, vernetzt und automatisiert. Der Mitbewerb von morgen sitzt vielleicht am anderen Ende der Welt oder ist schlichtweg eine Plattform, die Unternehmen mit Konsumentinnen und Konsumenten auf eine völlig neue Art und Weise zusammenbringt. Gefragt sind daher oftmals völlig neue Lösungen, neue Berufsbilder und neue Kooperationen. Vor allem aber auch Flexibilität. Wie hat schon Charles Darwin in seiner Evolutionstheorie festgestellt: „Es ist nicht die stärkste Spezies die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern eher diejenige, die am ehesten bereit ist sich zu verändern“ – diese Aussage ist im Zeitalter des digitalen Darwinismus aktueller denn je.

Sind oberösterreichische Unternehmen im Hinblick auf Digitalisierung am Puls der Zeit? Schöpfen sie das Potenzial der Digitalisierung aus?

Ja und nein. Auf der einen Seite sind viele Unternehmen unglaublich innovativ und es hat sich eine tolle Kreativszene im digitalen Bereich entwickelt. Auf der anderen Seite ist das Thema Digitalisierung in der breiten Masse der KMU noch nicht wirklich angekommen und eher ein Reizwort, mit welchem diese nichts anfangen können. Hier ist dringend ein Umdenken gefragt!

Was trägt generell zur Stärkung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit Oberösterreichs bei?

Neben vielen anderen Themen fallen mir hier vor allem die Bereiche Bildung und Infrastruktur ein. Im Bereich der Bildung sind neue Ausbildungskonzepte mit stärkeren IT-Schwerpunkten und einer Sensibilisierung für technische Berufe gefragt. In diesem Zusammenhang wäre auch eine Aufwertung der Lehre von großer Wichtigkeit. Darüber hinaus ist aber ein gesamtgesellschaftliches Umdenken zu einem Bekenntnis zum lebenslangen Lernen gefragt. Im Bereich der Infrastruktur gehört der Ausbau des Breitbandinternets dringend vorangetrieben. Ich denke hier vor allem auch an die ländliche Region, wo dieser Ausbau die Grundvoraussetzung für eine dezentralisierte und vernetzte Wirtschaft darstellt.

Steyr zählt zu den wichtigsten Standorten im Automotive Sektor in Österreich. Mit welchen Änderungen in der Automobilzulieferindustrie sollten oberösterreichische Unternehmen rechnen? 

Kaum ein Bereich entwickelt sich aktuell so dynamisch wie der Automotive Sektor. Neben grundlegenden Fragen wie jener nach dem Antrieb der Zukunft stehen wir natürlich vor allem im Betrieb selbst vor einer Revolution: Die Möglichkeiten, aber auch die Akzeptanz für autonomes Fahren, sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Dadurch verschieben sich mittelfristig nicht nur ganze Berufsbilder, sondern auch die Geschäftsmodelle insgesamt werden sich wesentlich verändern. Durchschnittlich verwenden wir unsere Autos weniger als eine Stunde pro Tag. Das bedeutet, zu über 95% stehen die Autos herum und produzieren Fixkosten wie parken oder Wertverlust. Wenn sich hier neue Sharing-Konzepte durchsetzen, wird sich der Markt insgesamt massiv verändern. Zukünftig werden also vor allem auch neuartige Geschäftsmodelle über Plattformen in den Vordergrund rücken.

Wie wichtig ist für Sie persönlicher Kontakt und die Nähe zu Ihren Klientinnen und Klienten?

Der persönliche Kontakt ist in Wahrheit das Um und Auf. Nur wer seine Klientinnen und Klienten wirklich kennt und deren Geschäftsmodelle und Wünsche versteht, kann diese auch erfolgreich beraten. Auf die persönliche Beziehung unseres gesamten Teams zu unseren Kundinnen und Kunden legen wir daher allergrößten Wert. Wichtig ist uns in diesem Zusammenhang vor allem auch eine sehr bodenständige und verständliche Beratung.

Welche Rolle spielt dabei die Niederlassung von Deloitte in Steyr?

Bei aller Digitalisierung ist die räumliche Nähe zu den Kundinnen und Kunden unverändert ein großer Faktor. Unser Standort in Steyr ist hier neben Linz ein weiterer ganz wichtiger Baustein, um den starken oberösterreichischen Zentralraum perfekt servicieren zu können. Es macht großen Spaß, ausgehend von einer starken KMU-Beratung, auch internationale Netzwerke nutzen zu können. Spannend sind aber vor allem auch die interdisziplinären Netzwerke innerhalb von Deloitte Österreich, zum Beispiel zu Themen wie Cyber Security oder Human Ressources. Entscheidend ist eines: Wir kennen vor Ort die regionalen Besonderheiten und legen großen Wert auf ein starkes lokales Netzwerk.

Mag. Clemens Klinglmair
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