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Deloitte EMEA 360° Boardroom Survey

Österreichs Aufsichtsräte legen zu wenig Wert auf Innovation, Cyber Security und Diversität

Die Aufsichtsräte im EMEA Raum blicken optimistischer in die Zukunft als in der jüngeren Vergangenheit. In Österreich ist die Stimmung aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation noch verhaltener. Der Fokus wird bei österreichischen Aufsichtsräten auf Kostensenkung gelegt, Innovation kommt vor allem im Vergleich zu Deutschland zu kurz. Im Bereich Cyber Security zeigt sich ein ambivalentes Bild. Aufholbedarf gibt es bei der Gleichstellung von Frauen. Zu diesen Ergebnissen kommt der erste Deloitte EMEA Boardroom Survey.

Key Findings

  • Optimismus unter Aufsichtsräten im EMEA Raum im Steigen, in Österreich aber verhalten
  • Innovation ist bei deutschen Aufsichtsräten doppelt so wichtig wie in Österreich
  • Ambivalentes Bild zeigt sich bei Stellenwert von Cyber Security
  • Verpflichtende Geschlechtsspezifische Diversität spielt bei österreichischen Aufsichtsräten geringe Rolle

Wien, 1. Juni 2016. –  Im Rahmen der Studie wurden 271 Aufsichtsräte aus 20 Ländern des EMEA Raumes (Europa, Naher Osten und Südafrika) befragt. Als wesentliches Ergebnis beurteilen Aufsichtsräte im EMEA Raum Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit kurz- bis mittelfristig optimistischer als in der Vergangenheit. Frühere Sorgen bezüglich Kostensenkungen und Kapitalmanagement haben nachgelassen. In Österreich liegt allerdings aufgrund der wirtschaftlichen Situation ein erhöhtes Augenmerk der Aufsichtsräte auf Kostensenkung und operativem Management.

„Das schwache Wachstum in Österreich wirkt sich auf den strategischen Fokus der Aufsichtsräte aus. Das Senken der Kosten und operative Aufgaben dominieren daher und Zukunftsthemen spielen im Vergleich eine untergeordnete Rolle“, erklärt Bernhard Gröhs, Managing Partner von Deloitte Österreich.

Innovation bei deutschen Aufsichtsräten doppelt so wichtig wie in Österreich

EMEA-weit zeigt sich hingegen ein klares Bekenntnis der Aufsichtsräte zu Innovation. Bei 60 % der Befragten hat Innovation einen (sehr) wichtigen Stellenwert im Aufsichtsrat ihrer Organisation. In Österreich stimmen hier nur 48 % überein, in Deutschland sind es mit 81 % fast doppelt so viele. 21 % der österreichischen Studienteilnehmer haben überhaupt keinen Innovationsplan, 13 % sind erst dabei einen zu entwickeln. „Der Deloitte.Radar hat es deutlich gezeigt – die Innovation ist ein Motor zur Trendumkehr in Österreich. Daher müssen sich auch die Aufsichtsräte verstärkt auf Innovationsthemen im Unternehmen fokussieren“, so Bernhard Gröhs.

Ambivalentes Bild bei Cyber Security

Cyber Security nimmt zunehmend einen höheren Stellenwert auf der Aufsichtsratsagenda ein. Aber noch immer geben im EMEA Raum vergleichsweise geringe 48 % der Aufsichtsräte an, ein (sehr) ausgeprägtes Bewusstsein in Bezug auf Cyber Security zu haben. 20 % erklären, dass ein geringes Bewusstsein vorhanden ist. In Österreich sind die Ansichten der Aufsichtsräte in dieser Hinsicht geteilt. 52 % testieren ihrem Aufsichtsrat ein (sehr) hohes, aber 44 % nur ein (sehr) niedriges Bewusstsein bei diesem Thema. Die Verantwortung für Cyber Security wird in Österreich grundsätzlich klar beim Management gesehen. Nur 19 % der Befragten geben an, dass hierfür auch der Aufsichtsrat verantwortlich ist.

„Cyber Security ist eine der wichtigsten zukünftigen Herausforderungen für die Unternehmen. Es ist zu kurz gedacht, die Zuständigkeit dafür nur beim Management zu sehen. Gerade Aufsichtsräte müssen sich ihrer Rolle beider Risikovermeidung widmen“, betont Alexander Ruzicka, Partner bei Deloitte Österreich.

Verpflichtende Geschlechtsspezifische Diversität spielt geringe Rolle

Professionelle Qualifikation und Geschlecht sind im EMEA-Raum die wichtigsten Kriterien für die Zusammensetzung der Aufsichtsräte. Geschlechtsspezifische Diversität spielt aber bei Österreichs Aufsichtsräten noch eine untergeordnete Rolle. Diese wurde nur von 13 % der befragten Aufsichtsräte verpflichtend für die Zusammensetzung des Gremiums eingeführt. Damit liegt Österreich deutlich hinter dem EMEA Wert von 37 %. „Österreichs Unternehmen wären gut beraten, den Anteil von gut ausgebildeten weiblichen Talenten auch in den Aufsichtsräten zu spiegeln“, empfiehlt Gundi Wentner, Partnerin bei Deloitte Österreich. „Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass Diversität im Führungsteam die wirtschaftliche Performance, Innovationskraft und den Unternehmenserfolg steigern.“

Deloitte EMEA 360° Boardroom Survey
Im Rahmen des ersten Deloitte EMEA 360° Boardroom Survey wurden im Zeitraum Februar bis März 2016 insgesamt 271 Aufsichtsratsmitglieder („non-executive directors“) in 20 Ländern der EMEA-Region (Europa, Naher Osten und Südafrika) zum Großteil in persönlichen Gesprächen befragt. 55 % der befragten Unternehmen erwirtschaften einen Jahresumsatz von über EUR 1 Mrd. und 66 % sind börsennotiert. Bei der Auswertung der Studienergebnisse wurden quantitative und qualitative Daten aus diesen Befragungen miteinbezogen.

Die Standpunkte der Aufsichtsräte können teilweise davon beeinflusst sein, ob ihr Unternehmen ein monistisches oder ein dualistisches Führungssystem aufweist. Von den 20 Ländern, die an der Umfrage teilnahmen, weisen 13 eine monistische und drei (Österreich, Deutschland und Polen) eine vorwiegend dualistische Führungsstruktur auf. In den übrigen vier (Frankreich, Italien, Niederlande und Rumänien) stehen beide oder andere Optionen zur Verfügung. Anmerkungen zu solchen Unterschieden sind in der gesamten Studie hervorgehoben. In der Presseaussendung wurden hierzu keine gesonderten Unterscheidungen vorgenommen.

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