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EU-Datenschutzgrundverordnung: Nur jedes zweite österreichische Unternehmen ist ausreichend vorbereitet

Deloitte identifiziert Ressourcenaufwand und bürokratische Hürden als wesentliche Herausforderungen

Eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt: Österreichs Unternehmen sind über die kommende EU-Datenschutzgrundverordnung informiert, bei der Hälfte mangelt es aber an entsprechender Vorbereitung. Eine deutliche Mehrheit fühlt sich zudem mit Herausforderungen wie Aufklärung der Fachbereiche oder erhöhtem Bürokratie- und Ressourcenaufwand konfrontiert. Die Rolle des Datenschutzbeauftragten gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Wien, 25. Jänner 2018 – Im Rahmen einer Umfrage von Deloitte Österreich wurden kürzlich 251 österreichische Unternehmen zur kommenden EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) befragt. Demnach hat nahezu jedes befragte Unternehmen bereits von der Verordnung gehört und weiß, dass diese im Mai 2018 zur Anwendung kommt. Über die Anforderungen sind sich knapp zwei Drittel im Klaren, 31 % fühlen sich zumindest oberflächlich informiert. In punkto drohende Sanktionen und Strafen sind 70 % der Befragten auf dem neuesten Stand.

„Die Praxis zeigt, dass die heimischen Projektverantwortlichen selbst weitgehend gut informiert sind. Nachholbedarf gibt es aber bei der restlichen Belegschaft: Viele Mitarbeiter sind noch nicht geschult. Datenschutzrechtliche Einschätzungen fallen ihnen dementsprechend schwer“, erklärt Andreas Niederbacher, Datenschutzexperte bei Deloitte Österreich. „Gerade bei potenziellen Strafmaßnahmen herrscht Verunsicherung darüber, ob und wie diese überhaupt zutreffen. Hier müssen noch viele Details geklärt werden.“

Hälfte der Befragten unzureichend vorbereitet
Trotz des relativ hohen Informationsgrades ist nur knapp über die Hälfte der befragten Unternehmen gut auf die EU-DSGVO vorbereitet. 39 % sprechen lediglich von einer mittelmäßigen Vorbereitung im eigenen Unternehmen. 10 % der Umfrageteilnehmer geben an, sich kaum bis gar nicht vorbereitet zu fühlen.

„Dieses Ergebnis ist wenig überraschend. Die Unternehmen haben sich in der Vergangenheit kaum mit Datenschutz befasst und müssen nun kurzfristig entsprechende Maßnahmen setzen“, analysiert Andreas Niederbacher. „Grundlegende Änderungen bei Technologie und Strukturen brauchen aber Zeit und können oftmals nur langfristig in Angriff genommen werden.“

Bürokratie- und Ressourcenaufwand als große Hürden
Laut Umfrage stellt die Implementierung der EU-DSGVO für mehr als acht von zehn Unternehmen (85 %) eine Herausforderung dar. Neben der Einbindung und Aufklärung der Fachbereiche werden auch der Bürokratie- und Ressourcenaufwand als größte Hürden empfunden.

„Die Verordnung ist sehr komplex und betrifft alle Unternehmensbereiche. Unter Zeitdruck müssen Dokumentationen erstellt, Mitarbeiter geschult und Prozesse eingeführt oder adaptiert werden. Vielen Unternehmen fehlt es aber schlichtweg an Kapazitäten für eine organisationsweite Umsetzung“, betont Niederbacher.

So geben auch nur 40 % an, ausreichend personelle und finanzielle Mittel für Datenschutz zur Verfügung zu haben. Mehr als die Hälfte erkennt hier teilweise Mängel.

Schlüsselposition Datenschutzbeauftragter
In 62 % der befragten Unternehmen gibt es einen Datenschutzbeauftragten, bei 86 % ist das Thema im Topmanagement angesiedelt. „Datenschutzprojekte werden vor allem aufgrund der vielen drohenden Sanktionen oft als Aufgabe der Geschäftsführung gesehen. Die Spezialistenrolle ist dennoch, insbesondere bei der Adressierung der Anforderungen, nicht zu unterschätzen. Auch für kleinere Unternehmen wird diese Schnittstellenposition immer wichtiger“, so Andreas Niederbacher abschließend.
 

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