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Social Progress Index 2015

Österreich bei sozialem Fortschritt unter den Top-15 der Welt

Integratives Wachstum muss sich auf wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt gleichermaßen konzentrieren. Dies ist die zentrale Erkenntnis des Social Progress Index (SPI) von Deloitte und Experten der Harvard Business School – der einzige Ländervergleich, der ausschließlich auf sozialen und ökologischen Maßzahlen beruht. Die Welt insgesamt schneidet beim Fortschritt schlecht ab. Norwegen belegt den ersten Platz vor Schweden und der Schweiz. Kanada ist die beste Nation unter den G-7 und Brasilien führt die BRICS an. Die gute Nachricht: Während Österreich bei den Rankings der Wirtschaftsstandorte kaum noch unter den Top 20 rangiert, liegt es im „sozialen Ranking“ auf Platz 13.

Der beste Weg, um die Lebensqualität der Menschen weltweit in armen und reichen Ländern zu verbessern, ist, in sozialen Fortschritt zu investieren.

Wien, 5. August 2015. Dies zeigt der Social Progress Index 2015 (SPI), der 133 Länder anhand von über 50 sozialen und ökologischen Faktoren misst. Fasst man die Ergebnisse aller Nationen zusammen, stechen Ernährung und medizinische Grundversorgung sowie der Zugang zu grundlegender Bildung positiv hervor. Zu diesen Kategorien zählen Faktoren wie Hunger, Kindersterblichkeit und Einschulungsraten, die auch ein Kernbestandteil der 'Millennial Development Goals' der Vereinten Nationen sind. Der Zugang zu weiterführender Bildung, Toleranz und Inklusion, Persönlichkeitsrechten sowie die Nachhaltigkeit von Umwelt und Ökosystemen hingegen fallen weltweit gesehen negativ auf. Der globale Durchschnitt des SPI liegt bei 61 von 100 Punkten und somit auf dem Niveau von Kuba und Kasachstan.

Gesellschaftlicher Fortschritt hängt nicht allein von der Wirtschaft ab

Die Ergebnisse des SPI 2015 zeigen, dass viele Aspekte des gesellschaftlichen Fortschritts sich durch steigendes Einkommen verbessern. Wohlhabende Länder wie der Spitzenreiter Norwegen erzielen durchwegs bessere gesellschaftliche Ergebnisse als Länder mit niedrigem Einkommen. Das BIP ist jedoch längst nicht der einzige Faktor, der sich auf gesellschaftlichen Fortschritt auswirkt. Costa Rica (Platz 28) mit seinem BIP von 13.431 US-Dollar erreicht ein viel höheres Level gesellschaftlichen Fortschritts als Italien und Südkorea, deren BIP doppelt so hoch ist (34.167 bzw. 32.708 US-Dollar). Auffällig ist, dass die USA mit einem BIP von 51.340 US-Dollar pro Kopf in vielen vom SPI gemessenen Bereichen schlecht abschneiden. Im Bereich „Gesundheit und Wohlbefinden“ liegen die USA beispielsweise hinter Kanada (6) und Großbritannien (11), die beide ein geringeres BIP pro Kopf aufweisen als die USA. Besonders die Golfstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Saudi Arabien zählen zu den Verlieren, die trotz hohem BIP beim gesellschaftlichen Fortschritt deutlich unter Ihren Möglichkeiten bleiben.

Österreich: Schwächen bei Bildung und bei Toleranz gegenüber Immigranten

Beim BIP pro Kopf liegt Österreich von allen 133 untersuchten Ländern zwar auf Rang neun, im SPI jedoch auf Platz 13. In zwei der drei Hauptkategorien des SPI, „menschliche Grundbedürfnisse“ (4) und „Grundlagen des Wohlergehens“ (9), schafft es Österreich wenig überraschend unter die ersten zehn Nationen. In diesen Kategorien werden beispielsweise der Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen oder die Verfügbarkeit von leistbarem Wohnraum berücksichtigt, aber ebenso werden der Zugang zu Bildung, die Lebenserwartung oder die Emission von Treibhausgasen erhoben. In der dritten Hauptkategorie „Chancen und Möglichkeiten“ schneidet Österreich deutlich schlechter ab als vergleichbare Volkswirtschaften und liegt auf Platz 18. Gründe dafür sind die mangelnde Toleranz gegenüber Migranten, die geringe Einschreibungsquote in weiterführenden Schulen und die Tatsache, dass Frauen in Österreich im Durchschnitt weniger Jahre in Ausbildungseinrichtungen verbringen als Männer.

Bernhard Gröhs, Managing Partner von Deloitte Österreich, stellt den direkten Zusammenhang des SPI mit den Ergebnissen des im heurigen Frühjahr veröffentlichten Deloitte Radars her: „Wenn gesellschaftlicher Fortschritt bei Bildung, Integration und Toleranz auf der Stelle tritt, wirkt sich dies auch wirtschaftlich aus. Es braucht einen breiten Schulterschluss von Politik, Wirtschaft, Meinungsbildnern und der Bevölkerung. Gesellschaftlicher Fortschritt und ein wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort sind zwei Seiten derselben Medaille.“

Der Social Progress Index

Der Social Progress Index 2015 ist eine Ergänzung des BIPs und anderer ökonomischer Indikatoren, dessen Ziel es ist, die Leistung der Länder nicht nur ökonomisch, sondern ganzheitlich zu beurteilen. Der Index wurde 2013 erstmals von einem Expertenteam unter der Leitung von Harvard Business School-Professor Michael E. Porter mit Beteiligung von Deloitte konzipiert und bietet weltweit den umfassendsten Rahmen, um sozialen Fortschritt zu messen. Es ist der erste Index, der sozialen Fortschritt unabhängig vom BIP misst. Der SPI zeigt, ob Bürger Zugang zu einer großen Bandbreite von Fortschrittsmaßnahmen haben wie z.B. Grundversorgung, Chancen und Möglichkeiten, Gesundheitspflege, Bildung, Unterkunft, eine gute Polizei, Rechte und Freiheit von Diskriminierung. Der Index zielt darauf ab, Stärken und Schwächen der gesellschaftlichen Entwicklung aufzudecken und Verbesserungspotenziale zu identifizieren.

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