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Digitalisierung und Innovation

3. Standortfaktor | Deloitte Radar 2021

Im Bereich Digitalisierung und Innovation hinkt der Wirtschaftsstandort Österreich im internationalen Vergleich hinterher. Während die Forschungsförderung einerseits sehr positive Anreize bietet, herrscht bei der Digitalisierung zentraler Verwaltungsbereiche dringender Handlungsbedarf.

Die Corona-Krise rückt eine der größten Baustellen am Standort in den Fokus: Die Digitalisierung aller zentralen Verwaltungsbereiche. Die befragten Führungskräfte haben hier eine klare Meinung: Die Digitalisierung des Bildungssystems wird von 66 % mit „Genügend“ oder „Nicht genügend“ bewertet, die Digitalisierung des Gesundheitssystems von 57 % und die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung von 52 %. Deutlich positiver wird hingegen die Digitalisierung der Unternehmen bewertet: Rund 35 % vergeben dafür ein „Sehr gut“ oder „Gut“ und 45 % zumindest ein „Befriedigend“. Weitere 20 % sehen aber auch in diesem Bereich noch großen Handlungsbedarf.

In Bezug auf Risikokapital und Start-up-Kultur sehen die befragten Unternehmen noch deutlich Luft nach oben: Die Start-up-Kultur wird von 58 % mit „Genügend“ oder „Nicht genügend“ bewertet. Das Risikokapital erhält bloß von 6 % ein „Gut“, die große Mehrheit von 57 % vergibt ein „Genügend“ oder „Nicht genügend“. Dabei wäre gerade der Zugang zu privatem Risikokapital unabdingbar für eine erfolgreiche Innovations- und Start-up-Kultur.

Innovation bedeutet immer auf vergleichsweise sichere Renditen von etablierten Geschäftsmodellen zu verzichten und ein Risiko einzugehen. Dafür braucht es Anreize für Unternehmen sowie Investorinnen und Investoren. Das System der österreichischen Forschungsförderung, insbesondere die steuerliche Forschungsprämie, ist hier ein sehr taugliches und von der Unternehmerlandschaft breit akzeptiertes Mittel: Die Hälfte der Befragten
(50 %) findet dieses Modell „Sehr gut“ oder „Gut“. Damit verfügt Österreich über einen wichtigen Standortvorteil. Und auch die F&E-Quote wird relativ gut beurteilt: 28 % bewerten sie mit „Sehr gut“ oder „Gut“ und 47 % mit „Befriedigend“.

Das Dauerthema Breitbandausbau bewerten die Unternehmen sehr unterschiedlich: Der Anteil der Unzufriedenen (32 % „Genügend“ oder
„Nicht genügend“) ist im Vergleich zum Vorjahr allerdings deutlich gestiegen (2020: 23 %).

Die Treiber der modernen Wirtschaft des 21. Jahrhunderts sind immaterielle Wirtschaftsgüter wie Patente, nicht patentierbares Know-how oder Marken. Darauf basieren auch die Geschäftsmodelle der weltweiten Wachstumsunternehmen. Damit Österreich bei diesem globalen Trendteilnehmen kann, müssen entsprechende Anreize gesetzt werden.

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