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Analysen

Der Blick von außen: Österreich im internationalen Wettbewerb

Deloitte Radar 2021

Wie positioniert sich Österreich im Wettbewerb der Standorte? Das ist nur eine der zentralen Fragen, der sich Österreich als Volkswirtschaft derzeit stellt. Seriöse Standortvergleiche und Langzeitbeobachtungen geben Aufschluss darüber, wie attraktiv ein Wirtschaftsstandort am Weltmarkt ist. Österreich ist grundsätzlich erfolgreich aufgestellt, schlägt sich aber teilweise immer noch unter seinem Wert.

Rankings sind oft mit Vorsicht zu genießen – gerade wenn sie reine Momentaufnahmen darstellen. In der derzeitigen Krisensituation werden etwa zum Stand der Impfungen, Testungen oder Wirtschaftshilfen laufend Rankings erstellt und bewertet, die aber wenige Wochen später bereits überholt und kaum mehr relevant sind.

Der regelmäßige internationale Vergleich mit anderen Standorten ist jedoch entscheidend, denn unsere Volkswirtschaft ist engmaschig in den europäischen sowie globalen Wirtschaftskreislauf eingebunden. Erfolg und Misserfolg hängen zu einem großen Maß von Österreichs Attraktivität auf den Weltmärkten ab. Seriöse Standortvergleiche bilden die Basis für Investitionen von Unternehmen und die politische Gestaltung von Rahmenbedingungen. Der Deloitte Radar setzt daher auf kontinuierliche Langzeitbeobachtungen der Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Österreich.

Österreich schlägt sich unter seinem Wert

Basierend auf einem Vergleich der wichtigsten internationalen Rankings zeichneten die Deloitte Standortanalysen in den letzten Jahren ein recht deutliches Bild. Österreich ist grundsätzlich erfolgreich, schlägt sich aber teilweise immer noch unter seinem Wert. So hat sich zwar die heimische Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich im Jahr 2020 weiter verbessert – im Ranking der Schweizer Wirtschaftshochschule IMD liegt Österreich nunmehr auf Platz 16 im Vergleich zu Platz 19 im Vorjahr und hat somit Deutschland (Platz 17) überholt.

Motor dieser Entwicklung sind insbesondere die Effizienz der Klein- und Mittelbetriebe (KMU), die hohe Produktivität durch gut ausgebildete und motivierte Arbeitskräfte sowie die Innovationskraft in vielen Bereichen der Industrie.

Dennoch liegt Österreich im IMD-Ranking im direkten Europa-Vergleich nur auf Platz 9 und somit lediglich im Mittelfeld der Industrienationen. Vergleichbare Länder wie Dänemark, Norwegen, die Schweiz oder die Niederlande schneiden konstant besser ab.

Klare Handlungsempfehlungen

Die Rankings sind aufgrund der Corona-Krise aktuell nur eingeschränkt verfügbar, der Langzeitvergleich ergibt für Österreich aber dennoch klare Handlungsempfehlungen.

Der Fokus sollte demnach auf einer Verringerung der Steuerlast und einer Entbürokratisierung der Verwaltung liegen. Das Bildungssystem sollte modernisiert werden und Innovation, Start-up-Kultur sowie Unternehmergeist mehr Bedeutung erhalten. Schlussendlich wird die Digitalisierung aller Bereiche als „Game Changer“ im Standortwettbewerb herausgestrichen.

Diese Punkte werden seit Jahren als zentrale Stellschrauben identifiziert, an denen gedreht werden müsste. Dennoch ist in der Vergangenheit zu wenig passiert. In der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg brennt die schnelle Umsetzung entsprechender Maßnahmen den Unternehmen daher umso mehr unter den Nägeln.

Diese Handlungsempfehlungen in Kombination mit einem effizienten Impfmanagement der österreichischen Bundesregierung sowie zielgerichteten und treffsicheren Hilfsmaßnahmen zur Abfederung der negativen Corona-Folgen werden dafür entscheidend sein, wie rasch und vor allem wie erfolgreich Österreich aus der Krise herauskommt und sich im internationalen Wettbewerb behaupten kann.

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