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Österreich im globalen Standort­wettbewerb

Deloitte Radar 2018

Wirtschaftsstandorte stehen in permanentem Wettbewerb. Unsere globalisierte Weltwirtschaft agiert kurzfristiger als je zuvor. Die Digitalisierung beschleunigt diesen Trend. Investitionsentscheidungen von international agierenden Unternehmen und Kapitalgebern basieren auf Fakten und deren Analyse. Ländervergleiche erfolgen in Form von Rankings. Österreich liegt in diesen nun schon seit einem Jahrzehnt deutlich hinter dem Spitzenfeld.

Österreichs wirtschaftlicher Erfolg basiert zu einem erheblichen Teil auf der Exportkraft seiner Unternehmen – mehr als die  Hälfte des Wohlstands hängt davon ab. Die Vielzahl an Hidden Champions und Weltmarktführern unter Österreichs Unternehmen sind ein Beispiel für die potenzielle Wettbewerbsfähigkeit.

In letzter Zeit lassen die globalen Umbrüche  und Unsicherheiten vermehrt die Warnlichter in den Cockpits der Entscheidungsträger aufleuchten: Wie wird sich die geänderte Steuer- und Handelspolitik der USA auswirken? Wie entwickelt sich China? Wird der Welthandel protektionistischer und der internationale Steuerwettbewerb härter? Was bedeuten der bevorstehende Brexit und die angespannten Beziehungen zu Russland für die exportorientierte Wirtschaft? Wie handlungsfähig wird Europa in Zukunft sein?

Passende Rahmenbedingungen sind die Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit. Über die richtigen Maßnahmen zur Schaffung des richtigen Umfelds wird oft leidenschaftlich diskutiert und gestritten – leider sehr oft emotional und ideologisch, statt faktenbasiert. Daher ist es wichtig, immer wieder einen sachlichen Blick auf das Thema zu werfen. Standortrankings helfen dabei durch länderübergreifende Vergleiche.

Jene Menschen, die in Unternehmen und staatlichen Institutionen Entscheidungen treffen, vergleichen Standortdaten, erstellen Stärken-Schwächen-Profile und treffen schlussendlich Entscheidungen, die für Länder und Regionen auf Jahre hinaus Folgewirkungen haben. Die Analysen etablierter Institutionen sind dafür wichtige Grundlagen.

Österreich im europäischen Mittelfeld

Deloitte vergleicht seit fünf Jahren im Rahmen des Deloitte Radar anerkannte Indizes, volkswirtschaftliche Daten und  ergänzt diese durch eigene Studien sowie Einschätzungen aus der Beratungspraxis. Diese Meta-Perspektive ermöglicht einen integrierten Blick auf die Position Österreichs im internationalen Wettbewerb.

Eine Entwicklung hat sich dabei wiederholt gezeigt: Es gibt eine ganze Reihe von  vergleichbaren Staaten, die seit Jahren  deutlich besser abschneiden als Österreich. Die skandinavischen Länder, die Schweiz, Deutschland, die Niederlande und Großbritannien in Europa, die USA und Kanada in Übersee – sie alle liegen laufend unter den Top 10 Nationen, wohingegen Österreich über mehrere Jahre kontinuier- lich Positionen eingebüßt hat. In den beiden zentralen Rankings (Global Competitiveness Index und World Competitiveness Index) liegt Österreich aktuell auf den Plätzen 18 und 25.

Konzentriert man den Blick auf das europäische Umfeld (EU, Schweiz, Norwegen und Island), so findet sich Österreich auf den Plätzen 9 und 13 – also auch bloß im Mittelfeld. Gleichzeitig liegt Österreich nach dem Pro-Kopf-Einkommen laut Statista auf Rang 6 in Europa. Es besteht die Gefahr, dass Österreich zu sehr von der Substanz lebt und wichtige Zukunftsentscheidungen bisher nicht ausreichend getroffen wurden.

Als wesentliche Treiber im Standortwettbewerb gelten die Bereiche Innovation und Digitalisierung. Deshalb hat Deloitte im Vergleichsranking auch drei spezifische internationale Rankings in die Analyse einbezogen: Den Global Innovation Index, den Network Readiness Index sowie das IMD World Digital Competitiveness Ranking. In den ersten beiden liegt Österreich an 20. Stelle, im IMD Ranking an 16. Stelle. Es zeigt sich somit in den Zukunftsfeldern ein ähnliches Bild: Mittelmaß.

In der Gesamtbetrachtung aller hier zugrunde gelegten Rankings ergibt sich nur eine Seitwärtsbewegung. Gab es im Deloitte Radar 2017 zarte Anzeichen einer Verbesserung, so hat sich seit damals im Durchschnitt keine Verbesserung für den Standort Österreich ergeben.

Für die Wirtschaftstreibenden und die arbeitende Bevölkerung ist auch die Lebensqualität ein wesentlicher Standortfaktor. Aus diesem Grund wurde zusätzlich der Better Life Index der OECD in die Bewertung aufgenommen. Hier liegt Österreich, trotz seiner allgemein anerkannten hohen Lebensqualität aktuell nur auf Rang 17 und musste damit im Vergleich zum Vorjahr zwei Plätze einbüßen.

An Europas Besten orientieren

Aus Zukunftssicht sollte sich Österreich mit den Besten in Europa messen (Schweiz, Schweden, Norwegen, Dänemark, Niederlande, Deutschland) und mittelfristig einen Platz unter den Top 3 bis Top 5 Europas anstreben. Damit würden sich die Parameter „realer Wohlstand“ und „erwartete Zukunftsfähigkeit“ annähern. Die entsprechenden Konzepte dafür liegen nach Jahren der Standortdebatte vor.

Das in den Rankings ausgedrückte Vertrauen in einen Wirtschaftsstandort lässt sich jedoch nur mit Taten und Reformen steigern.

Um Österreich wieder ins europäische Spitzenfeld zu bringen, braucht es neben Visionen vor allem Struktur in Form entsprechender Rahmenbedingungen sowie eine erfolgsorientierte und aufgeschlossene Kultur.

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