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Österreich im globalen Standort­wettbewerb

Deloitte Radar 2019

Benchmarking ist ein Ausdruck von Ambition. Die Besten einer Disziplin machen in Summe vieles richtig und dienen somit als Richtschnur für die Weiterentwicklung der Mitstreiter. Im globalen Wettbewerb der Wirtschafts-standorte behaupten sich einige Länder seit Jahren im Spitzenfeld gleich mehrerer Rankings – auch wenn diese Gruppe immer enger zusammenrückt. Österreich reiht sich weiterhin nur im Verfolgerfeld ein. Es ist an der Zeit aufzuschließen.

Eine Reihe von renommierten inter-nationalen Organisationen erstellt jährlich Rankings der attraktivsten Wirtschaftsstandorte. Die thematischen Gewichtungen sind unterschiedlich, aber die Rankings basieren stets auf einem Mix aus verfügbaren volkswirtschaftlichen Kennzahlen und eigens dafür durch-geführten Meinungsumfragen. Die Ergebnisse der einzelnen Indizes haben definitiv ihre Bruchstellen: Änderungen in der Erhebungs- oder Berechnungs-methode, Detailunterschiede zwischen den meist lokalen Datenquellen sowie die Subjektivität der Befragten. Durch eine mehrjährige Betrachtung lassen sich jedoch klare Trends und Handlungsfelder ableiten. Deloitte analysiert die Stärken und Schwächen des Standortes Österreich bereits seit sechs Jahren anhand mehrjähriger Indexentwicklungen und Erfahrungen aus der Beratungspraxis.

Die Mehrjahresbetrachtung zeigt: In den Top 10 der besten Wirtschaftsstandorte waren in der letzten Dekade in unter-schiedlicher Reihenfolge die USA, die skandinavischen Länder, die Schweiz, Deutschland, die Niederlande, das Vereinigte Königreich (UK) sowie Hong Kong und Singapur vertreten.

Mitbewerber entwickelten sich besser

Österreich hat in diesen Standortvergleichen über die Zeit einige Ränge verloren. Während zu Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 noch durchwegs Platzierungen in den Top 15 erzielt werden konnten, haben sich in den vergangenen zehn Jahren einige europäische und internationale Volkwirtschaften besser positioniert. Österreich pendelte sich über die letzten Jahre rund um Platz 20 ein, zwischendurch auch dahinter. Lediglich in diversen Rankings betreffend Lebensqualität – World Happiness Index, OECD Better Life Index – konnten durchwegs bessere Platzierungen erreicht werden.

Vergangenes Jahr wurde Österreich im Global Competitiveness Index vom World Economic Forum (WEF) auf Rang 22 gereiht. Die Verschlechterung um vier Plätze ist zu einem großen Teil auf die erfolgte Umstellung im Studiendesign zurückzuführen. Das WEF hat sein Ranking modernisiert und von bisher 114 Indikatoren auf 98 reduziert, von denen 64 neu sind. Wenn man die Ergebnisse auf vergleichbare Indikatoren im Vorjahr zurückrechnet, würde Österreich laut WIFO nur einen Platz verlieren – wobei einzelne Platzierungen von Zehntelprozentpunkten abhängen. Über die teils verbesserungswürdige Performance Österreichs soll dies freilich dennoch nicht hinwegtäuschen. Im World Competitiveness Index des IMD konnte Österreich im Mai 2018 dank guter Wirtschaftsdaten und wirtschaftsliberaler Absichtserklärungen der neuen Bundesregierung deutlich besser abschneiden als noch ein Jahr davor (Verbesserung von Rang 25 auf 18). In einer mehrjährigen Betrachtung ist dies die beste Bewertung seit sieben Jahren, wenngleich es davor auch in diesem Ranking schon für die Top 15 gereicht hatte.

Das Spitzenfeld rückt näher zusammen

Bei einem Vergleich der Scores zeigt sich eine Verdichtung unter den topplatzierten Ländern. Während im Global Competitiveness Index 2008-2009 die Top 10 mit einem Score von 87,9 % des Spitzenreiters zu erreichen waren, hatte im GCI 2018 die Volkswirtschaft auf Rang 10 einen Score von 89,9 % der führenden Nation. Noch deutlicher fällt dieses Zusammenrücken beim World Competitveness Index des IMD aus. Der Wettbewerb im Standort-ranking wird somit enger und selbst kleinste Unterschiede in der Bewertung einzelner Indikatoren bewirken Veränderungen in der Platzierung. Umso mehr bedarf es einer Kraftanstrengung, um als Standort an der Spitze mitspielen zu können.

Topstandort bei der Lebensqualität

In einem Bereich ist Österreich seit Jahren Spitze: Geht es um einen Vergleich der Lebensqualität, dann ist Österreich neben Skandinavien, der Schweiz, den Niederlanden und einigen Ländern aus Übersee (Kanada, Neuseeland, Australien) weiterhin vorne dabei. Im World Happiness Index des Sustainable Development Solutions Network der Vereinten Nationen wird das subjektive Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit in insgesamt 156 Ländern verglichen. Österreich belegt dort Rang 12, innerhalb Europas reicht es sogar für Rang 8.

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