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Österreichs Krisenmanagement im internationalen Vergleich

Deloitte Radar 2021

Nach über einem Jahr Pandemie macht sich unter Österreichs Unternehmen verständlicherweise Pandemie-Müdigkeit breit und dämpft die Stimmung der Wirtschaft. Rasche und klare Entscheidungen sehen Unternehmen als wichtigen Erfolgsfaktor in der Krise. Großer Aufholbedarf wird dem Bildungssystem attestiert.

In der Deloitte Umfrage von letztem Sommer zeigte sich eine breite Mehrheit der befragten Führungskräfte mit dem Corona-Management der Bundesregierung von März bis April 2020 sehr zufrieden. Die Phase von Mai bis in den Sommer wurde bereits etwas kritischer beurteilt. Ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie hat sich die Stimmung unter den Unternehmen nicht gebessert. Die allgemeine Pandemie-Müdigkeit dämpft auch die Stimmung der Wirtschaft – eine logische Konsequenz von über 12 Monaten Ausnahmezustand.

Gerade deshalb ist es jetzt wichtig, neue Impulse zu setzen, die Zuversicht schaffen. Denn das Vertrauen der Unternehmen in die Leistungsfähigkeit des Staates ist entscheidend für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft.

Was sich klar gezeigt hat: Rasche politische Entscheidungen, die von einer breiten Mehrheit der politischen Akteure und den Sozialpartnern gemeinsam getragen werden, werden von den Unternehmen als wichtiger Erfolgsfaktor im Krisenmanagement eingeschätzt. 38 % der Befragten vergeben daher auch hinsichtlich der raschen politischen Entscheidungen die Noten „Sehr Gut“ oder „Gut“ und 33 % ein „Befriedigend“. Das sind vor dem Hintergrund der sehr herausfordernden Krise durchaus gute Werte. Auch die Unterstützungsmaßnahmen für die Unternehmen werden grundsätzlich positiv beurteilt.

Auffällig ist die Einschätzung bezüglich der Akzeptanz des Krisenmanagements: Die befragten Führungskräfte beurteilen die Akzeptanz durch die Unternehmen recht positiv (41 % „Sehr gut“ oder „Gut“), schätzen gleichzeitig aber die Akzeptanz bei der Bevölkerung deutlich geringer ein (22 % „Gut“).

Zweifelsohne konnte die österreichische Bundesregierung mit dem größten Hilfspaket in der Geschichte der Zweiten Republik die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Lockdowns deutlich abschwächen. So bewertet auch eine Mehrheit von 59 % der befragten Führungskräfte die finanzielle Unterstützung für Unternehmen mit „Sehr gut“ oder „Gut“. Nur 16 % sind eher unzufrieden („Genügend“ oder „Nicht genügend“). Weniger Zuspruch erhalten Fragen der Rechtssicherheit rund um die Corona-Maßnahmen. 45 % bewerten diese mit „Genügend“ oder „Nicht genügend“, 33 % vergeben ein „Befriedigend“.

Das österreichische Gesundheitssystem ist jedoch nach wie vor unbestritten: Rund 84 % sehen darin eine große Stärke (42 % „Sehr gut“, 42 % „Gut“). Demgegenüber wird die Qualität des Bildungssystems in der Krisensituation nur von 9 % mit „Gut“ bewertet, mit 56 % vergibt über die Hälfte der Befragten lediglich ein „Genügend“ oder „Nicht genügend“. In diesem Bereich herrscht
demnach großer Aufholbedarf.

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