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Staat und Unternehmen

1. Standortfaktor | Deloitte Radar 2021

Der Wirtschaftseinbruch durch COVID-19 setzt Österreich mehr zu als vielen anderen Industrieländern. Hindernisse wie die Einkommensbesteuerung und die Bürokratie sorgen für zusätzliche Belastungen.

Der Wirtschaftseinbruch 2020 hat Österreich mit einem BIP-Minus von 6,6 % stärker getroffen als andere vergleichbare Industrieländer. Auch das für 2021 prognostizierte Wachstum liegt klar unter dem europäischen Durchschnitt. Das spiegelt sich auch in der vorliegenden Studie wider: Die Hälfte der Befragten
(50 %) bewertet das Wirtschaftswachstum zum Erhebungszeitpunkt mit „Genügend“ oder „Nicht genügend“, 38 % vergeben die Note „Befriedigend“.

Weniger relevant scheint hingegen im Moment die hohe Staatsverschuldung zu sein: 29 % sehen diese als eher unproblematisch und bewerten die Situation mit „Sehr gut“ oder „Gut“, die Mehrheit von 47 % mit „Befriedigend“.

Eines der größten Hindernisse für den Standort liegt in den Augen der Befragten bei der Einkommensbesteuerung (57 % „Genügend“ oder „Nicht genügend“). Vor dem Hintergrund des globalen Wettbewerbes wird eine steuerliche Entlastung des Faktors Arbeit jedoch unabdingbar sein. Die Signalwirkung der Einkommensteuer ist hier nicht zu unterschätzen: Ein hoher Spitzensteuersatz von 55 % schreckt genau jene ab, die über Unternehmensansiedelungen zu entscheiden haben. So kommt es zu einem für die gesamte Volkswirtschaft nachteiligen Ergebnis bei einem verhältnismäßig sehr geringen Steuermehraufkommen.

Auch die Bürokratie (69 % „Genügend“ oder „Nicht genügend“) wird als Handlungsfeld gesehen. Die Verwaltung generell wird mehrheitlich mit „Befriedigend“ beurteilt, hier sehen die Unternehmen ebenfalls noch Luft nach oben. Von der Bürokratie wünschen sich die Unternehmen einerseits eine Vermeidung widersprüchlicher Interpretationen von gesetzlichen Regelungen seitens der Behörden, andererseits eine höhere Geschwindigkeit bei Verwaltungsprozessen. Für letztere ist eine durchgehende Digitalisierung unumgänglich. Die Finanzverwaltung ist mit dem System Finanz-Online im internationalen Vergleich sehr gut positioniert, wünschenswert wäre ein derartiges Niveau auch im Bereich anderer Verwaltungsmaterien. Österreichs Pandemie-Management wird eher kritisch beurteilt, vor allem im Vergleich zur Umfrage des Vorjahres: 17 % der Befragten beurteilten es mit „Nicht genügend“, 33 % mit „Genügend“, 35 % mit „Befriedigend“ und nur 15 % mit „Gut“. Vergleicht man diese Einschätzung mit anderen europäischen Ländern, so zeigt sich ein einheitliches Bild. Die aktuelle Ausnahmesituation bringt weltweit Politik und Verwaltung an ihre Grenzen. Umso wichtiger ist daher der Fokus auf die schnelle Umsetzung der Impfkampagne.

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