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Chancen bei der Unternehmensübergabe

Heute schon an morgen denken: Deloitte Styria-Director Christian Buchsteiner ist Financial Advisory-Experte und berät Unternehmen bei Übergaben- und Nachfolgethemen. Im Interview berichtet er von Chancen und Zielen, aber auch von Fehlern und Stolpersteinen in der Praxis.

Laut einer aktuellen Statistik stehen in nächsten zehn Jahren etwa 41.700 KMUs und rund 10.000 Ein-Personen-Unternehmen vor der Herausforderung eine Unternehmensnachfolgerin oder -nachfolger zu finden, um das eigene Lebenswerk auch nach Pensionsantritt nachhaltig zu sichern. Christian Buchsteiner, Director bei Deloitte Österreich, teilt seine Erfahrung wie eine Unternehmensnachfolge gelingen kann.

Dein Bereich bei Deloitte nennt sich Financial Advisory. Bitte erzähl uns was sich dahinter verbirgt.

Deloitte ist nicht nur einer der größten Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Österreich, sondern hat sich zum Ziel gesetzt, seine Klienten durch hochqualifizierte Beratung auf dem Weg zum wirtschaftlichen Erfolg umfassend zu begleiten. In meinem Team beschäftigen wir uns zum Beispiel mit dem Kauf und Verkauf von Unternehmen und helfen bei der Finanzierung solcher Transaktionen. Am Standort in Graz sind wir dabei insbesondere auf Familienunternehmen und KMUs spezialisiert.

Welche Erfahrung bringst du mit, die dir helfen deine Klienten bestmöglich zu betreuen?

Meine ersten beruflichen Erfahrungen habe ich in der Automobilbranche im Einkauf eines OEM gesammelt. Danach habe ich bei einem großen Medienhaus als M&A Manager das Geschäft der organischen und anorganischen Unternehmensentwicklung gelernt und zahlreiche Neugründungen und Unternehmensübernahmen– und übergaben begleitet. Seit knapp 4 Jahren bin ich jetzt bei Deloitte und bringe als Berater diese Erfahrungen und mein Netzwerk ein.

Wie siehst du das Thema Unternehmensnachfolge?

Die aktuellen Zahlen, wonach in den nächsten Jahren 51.700 Unternehmensübergaben anstehen, sprechen für die hohe Bedeutung dieses Themas. Ich durfte unlängst im Rahmen einer WKO Veranstaltungsreihe zu Unternehmensübergaben die unternehmerischen Chancen bei Unternehmenstranskationen hervorheben. Als einen ganz zentralen Punkt sehe ich dabei eine professionele Vorbereitung für eine solche Übergabe. Besonders spannend für mich als Berater ist, dass jede Übergabe individuell ist und mein Team und ich ein maßgeschneidertes Konzept erarbeiten dürfen.

Wo siehst du die Herausforderungen in der Unternehmensnachfolge?

Zum einen ist es wichtig sich die Art der Übergabe zu überlegen, also ob es eine Übergabe an Familienmitglieder oder Mitarbeiter geben soll oder ob ein neuer Eigentümer gesucht wird. Dann stellt sich die Frage, wie rasch eine solche Übergabe erfolgen soll. Je mehr Zeit für die Vorbereitung bleibt, desto besser wird in der Regel die Übergabe erfolgen. Schließlich ist das Problem zu lösen, wie die Kontakte und das Wissen des Übergebers im Unternehmen gehalten werden können. Oft stellt nämlich genau dieses Wissen und dieses Netzwerk den zentralen Wert des Unternehmens dar. Nicht vergessen darf man zudem die persönlichen und familiären Rahmenbedingungen. Dabei ist insbesondere sicherzustellen, dass der Übergeber sich mit dem Loslassen auseinandergesetzt hat und sich auch damit „angefreundet“ hat.

Welche Chancen siehst du für den Übergeber eines Unternehmens in einem gut vorbereiteten Übergabeprozess?

Ziel ist es, das Unternehmen des Übergebers in gute Hände zu legen. Idealerweise ist der Fortbestand des Unternehmens nachhaltig gesichert und der Übergeber kann sich beruhigt zur Ruhe setzen. Vielen Unternehmern ist zudem wichtig, dass die Mitarbeiter gut versorgt sind. Auch das kann in vielen Fällen abgesichert werden.

Wie profitiert ein Übernehmer aus einem gut geführten Nachfolgeprozess?

Grundsätzlich gilt, dass ein professioneller Nachfolgeprozess auch zu einem höheren Unternehmenswert führen soll und der Übergeber von einem höheren Verkaufspreis profitieren kann, sofern keine Schenkung im Familienkreis angedacht ist. Je mehr Wissen im Unternehmen behalten werden kann, desto leichter wird es der Übernehmer haben, das Unternehmens nachhaltig erfolgreich weiterzuführen. Eine Übernahme ist aus meiner Sicht immer nur dann erfolgreich, wenn die anschließende Integration gelingt. Im KMU Kontext bedeutet das, dass der Übernehmer sich in der neuen Rolle als Unternehmer und Arbeitgeber zurechtfindet und an die Erfolge des Vorgängers möglichst nahtlos anschließen kann.

Oft ist der Kaufpreis ein Hindernis bei einem Nachfolgeprozess außerhalb der Familie. Welche Lösungsansätze fallen dir dazu ein?

Wie bei jedem Kauf, kommt es darauf an, dass Angebot und Nachfrage zusammenpassen. In diesem Fall ist ein attraktiver Kaufpreis für ein Unternehmen leichter zu argumentieren, wenn das Unternehmen in gutem Zustand ist und auf die Übergabe vorbereitet wurde. Zum Thema Kaufpreiszahlungen gibt es grundsätzlich verschiedene Ansätze. Dies kann von einem fixen, unmittelbar zu zahlenden Kaufpreis bis hin zu erfolgsabhängigen variablen Kaufpreisen – auch über einen längeren Zeitraum – gehen. Der am Ende tatsächlich zu zahlende Kaufpreis ist daher stark anlassbezogen. Entscheidende Faktoren zur Feststellung des idealen Kaufpreismechanismus sind dabei unter anderem die grundsätzliche Abhängigkeit des Geschäftserfolgs vom Übergeber, die Schwierigkeit der Übergabe der Kunden, der Verbleib der wesentlichen Mitarbeiter, …. Hier muss man aber individuelle Lösungen finden.

Worauf legst du bei der Unternehmensübergabe im Familienbund in der Beratung wert?

Hier geht es in erster Linie darum, den Familienverbund, oft durch Mediation und zahlreiche Gespräche, auf die Transaktion vorzubereiten. Danach sollte das Unternehmen auf die Übergabe vorbereitet werden und so aufgestellt sein, dass der jungen Generation kein Rucksack voller Lasten sondern eine echte Chance auf wirtschaftlichen Erfolg weitergegeben wird. In so einem Fall unterstützen wir oft etliche Monate und suchen den Ausgleich zwischen der älteren und jüngeren Generation.

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