Steuertipps zum Jahresende

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Wie Sie Steuern sparen & was Sie absetzen können

Steuertipps zum Jahresende und wesentliche Änderungen für 2020

Steuertipps zum Jahresende 2019

Nutzung des Zufluss-Abfluss-Prinzips beim Einnahmen-Ausgaben-Rechner

Mit gewissen Einschränkungen ist es möglich, durch Verschiebung bzw. Vorziehen der Zahlung von Einnahmen oder Betriebsausgaben, den Gewinn zu „gestalten“; zum Beispiel Vorziehen von Lieferantenzahlungen, Vorauszahlung von Sozialversicherungsbeiträgen in Höhe der zu erwartenden Nachzahlung, Honorarvorauszahlung an den Steuerberater, entsprechendes Timing bei der Übermittlung von Ausgangsrechnungen an Kunden um Einnahmen noch ins laufende Jahr vorzuziehen oder ins Folgejahr zu verschieben.

Investitionen noch vor dem Jahreswechsel

Für Anlagevermögen, das noch vor dem Jahresende angeschafft und auch in Betrieb genommen wird, ist eine steuerliche Halbjahres-Abschreibung möglich. Wirtschaftsgüter mit einem Anschaffungswert von nicht mehr als 400 Euro (GWG) können sofort abgeschrieben werden; dieser Grenzbetrag erhöht sich ab dem Jahr 2020 auf 800 Euro.

Überprüfung von Abschreibungserfordernissen

In Vorbereitung auf die Bilanzierung sollte das Anlagevermögen kritisch auf mögliche Abschreibungserfordernisse durchgesehen werden. Dies betrifft sowohl die Werthaltigkeit als auch das Vorhandensein der Wirtschaftsgüter. Bei nicht mehr vorhandenen Wirtschaftsgütern ist der Restbuchwert auszubuchen.

Keine Gewinnverwirklichung bei halbfertigen Arbeiten und Erzeugnissen

Bei halbfertigen Arbeiten und Erzeugnissen unterbleibt eine Gewinnrealisierung zum Bilanzstichtag. Unfertige und fertige Erzeugnisse, Waren und noch nicht abrechenbare Leistungen sind in der Bilanz mit den Herstellungskosten anzusetzen. Darauf erhaltene Anzahlungen sind nicht ertragswirksam, sondern als Passivposten in der Bilanz zu erfassen.

Bewertung von Forderungen und Rückstellungen

Bestehende Forderungen sind zum Bilanzstichtag zu bewerten. Steuerlich anerkannt sind nur Einzelwertberichtigungen (keine pauschalen Wertberichtigungen) sowie unter bestimmten Voraussetzungen eine gruppenweise Bewertung (zB nach einzelnen Risikoklassen und Länderratings). Unverzinsliche Forderungen sind abzuzinsen. Für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften sind entsprechende Rückstellungen zu bilden.

Nutzung des Gewinnfreibetrages

Für natürliche Personen mit betrieblichen Einkünften, die mittels Bilanzierung oder Einnahmen-Ausgaben-Rechnung erfasst werden, steht ein Gewinnfreibetrag (GFB) zu. Der GFB beträgt 13% des Gewinns bis 175.000 Euro; für Gewinne, die diesen Betrag übersteigen, beträgt der GFB 7% des Gewinns bis 350.000 Euro; für darüber hinausgehende Gewinne beträgt der GFB 4,5% des Gewinns bis 580.000 Euro; für Gewinn darüber steht kein GFB mehr zu.

Bis zu einem Gewinn von 30.000 Euro steht der GFB automatisch zu (Grundfreibetrag); für Gewinne über 30.000 Euro steht der GFB nur dann zu, wenn bis zum Jahresende Investitionen in begünstigte(s) Sachanlagevermögen und/oder Wertpapiere getätigt werden (investitionsbedingter Gewinnfreibetrag).

Begünstigt sind abnutzbare körperliche Wirtschaftsgüter mit einer Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren (ausgeschlossen sind jedoch u.a. gebrauchte Wirtschaftsgüter, PKW/Kombi, GWG) sowie bestimmte begünstigte Wertpapiere, die dem Anlagevermögen mindestens vier Jahre gewidmet werden.

Wird eine Betriebsausgabenpauschalierung in Anspruch genommen, steht nur der Grundfreibetrag zu.

Verlustabzüge

Verluste aus kapitalistischen Mitunternehmerbeteiligungen sind seit 2016 bei natürlichen Personen nicht mehr ausgleichsfähig, insoweit dadurch ein negatives steuerliches Kapitalkonto entsteht oder sich erhöht. Derartige Verluste sind nur mehr als Wartetastenverluste für künftige Gewinne (oder Einlagen) aus derselben Einkunftsquelle vortragsfähig. Ein Gesellschafter ist als kapitalistischer Mitunternehmer anzusehen, wenn er Dritten gegenüber nicht oder eingeschränkt haftet (insb. Kommanditist, atypisch stiller Gesellschafter) und keine ausgeprägte Mitunternehmerinitiative entfaltet (zB nicht oder weniger als 10 Wochenstunden in der Geschäftsführung tätig ist).

Vortragsfähige Verluste von natürlichen Personen sind zu 100% mit dem Gesamtbetrag der Einkünfte verrechenbar. Ab dem Jahr 2016 können Verluste von Einnahmen-Ausgaben-Rechnern zeitlich unbegrenzt vorgetragen werden (bis 2015 nur drei Jahre).

Nutzung der Einkommensteuer-Progressionsstufen

Das steuerpflichtige Einkommen bildet die Bemessungsgrundlage für die Steuerberechnung. Auf das Einkommen wird der Einkommensteuertarif angewendet. Der Tarif ist progressiv gestaltet. Dies bedeutet, dass das Einkommen gleichsam in einzelne Teile zu zerlegen und mit ansteigenden Steuersätzen, beginnend mit 0% für die ersten 11.000 Euro bis zu 55% für über 1.000.000 Euro hinausgehende Einkommensteile, zu besteuern ist.

Bei der Planung der jährlichen Gewinne bzw. des steuerpflichtigen Einkommens sollten „Ausreißer“ nach oben in höhere Progressionsstufen möglichst vermieden werden; dadurch reduziert sich nämlich die durchschnittliche Steuerbelastung bezogen auf einen Mehrjahreszeitraum.

Durch die 100%-ige Verlustverrechnung (siehe Vorabsatz) können die Vorteile der Steuerfreiheit von Einkommensteilen bis 11.000 Euro bzw. der niedrigeren Progressionsstufen des Einkommensteuertarifs nicht voll genutzt werden, dadurch gehen dann auch Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen ins Leere. In derartigen Situationen kann es daher geboten sein, das steuerpflichtige Einkommen bis zum Jahresende zu erhöhen (zB durch Vorziehen von Einnahmen oder Hinausschieben von Ausgaben beim Einnahmen-Ausgaben-Rechner oder Verschiebung von Investitionen ins nächste Jahr).

Spenden aus dem Betriebsvermögen

Spenden an begünstigte Spendenempfänger sind bis zu 10% des Gewinns des laufenden Wirtschaftsjahres absetzbar. Die begünstigten Spendenempfänger müssen in einer dafür vorgesehenen BMF-Liste eingetragen sein (ausgenommen freiwillige Feuerwehren und Landesfeuerwehrverbände); diese Liste ist auf der Homepage des BMF abrufbar. Daneben sind Geld- und Sachspenden in Katastrophenfällen steuerlich ohne Betragsbegrenzung als Betriebsausgaben abzusetzen, wenn sie mit einem Werbeeffekt verbunden sind.

Umsatzsteuer - Kleinunternehmerregelung

Die Kleinunternehmergrenze liegt derzeit bei 30.000 Euro (netto, ohne Umsatzsteuer) pro Jahr; maßgeblich sind die vereinnahmten Entgelte. Seit 2017 sind bestimmt steuerfreie Umsätze (wie zB aus ärztlicher Tätigkeit) bei der Ermittlung der Kleinunternehmergrenze nicht mehr zu berücksichtigen. Ein einmaliges Überschreiten der Kleinunternehmergrenze in fünf Jahren um bis zu 15% ist möglich. Die Nutzung der Kleinunternehmerregelung ist insbesondere dann von Vorteil, wenn keine größeren Vorsteuerbeträge aus bezogenen Leistungen angefallen sind bzw. künftig anfallen und Ihre Kunden nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind.

Die Kleinunternehmergrenze wird ab dem Jahr 2020 auf 35.000 Euro erhöht.

KFZ-Sachbezug beim Gesellschafter-Geschäftsführer

Ab dem Jahr 2018 ist es erstmals möglich, beim KFZ-Sachbezug eines wesentlich beteiligten Geschäftsführers zwischen der Berechnung des Sachbezugs nach der Sachbezugswerteverordnung oder nach den tatsächlich angefallenen Kosten zu wählen. Voraussetzung für die Ermittlung des Privatanteils ist die Führung eines Fahrtenbuches.

Registrierkasse

Am Jahresende ist ein Jahresbeleg zu erstellen. Dieser Jahresbeleg muss ausgedruckt, mindestens sieben Jahre aufbewahrt und überprüft werden. Der Jahresbeleg ist (wie auch der Startbeleg) mit der App „BMF-Belegcheck“ zu überprüfen. Das Ergebnis der Überprüfung wird unmittelbar am Display des Handys angezeigt und ist mit dem Jahresbeleg gemeinsam aufzubewahren.

Anpassung der Beitragsgrundlage der Sozialversicherung

Eine Anpassung der vorläufigen Beitragsgrundlage der Sozialversicherung nach oben und nach unten ist möglich, wenn glaubhaft gemacht wird, dass die Einkünfte im laufenden Kalenderjahr wesentlich von jenen der vorläufig festgesetzten Beitragsgrundlage abweichen.

Neue Selbständige

Für „neue Selbständige“ besteht eine Pflichtversicherung in der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft, wenn die Versicherungsgrenze von 5.361,72 Euro im Jahr 2019 überschritten wird. Bei Feststellung der Pflichtversicherung erst nach Vorliegen des Einkommensteuerbescheides wird ein 9,3%-iger Strafzuschlag vorgeschrieben; dieser fällt nicht an, wenn das Überschreiten der Versicherungsgrenze binnen acht Wochen ab Ausstellung des maßgeblichen Einkommensteuerbescheides gemeldet wird.

Auswärtige Berufsausbildung

Ausgaben für eine auswärtige Berufsausbildung eines Kindes können mit einem pauschalen Betrag in Höhe von EUR 110 monatlich steuerlich berücksichtigt werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Berufsausübung außerhalb des Wohnortes stattfindet und innerhalb des Einzugsbereiches des Wohnortes (80 km) keine Möglichkeit einer vergleichbaren Ausbildung besteht.

Betriebsveranstaltungen und Sachzuwendungen für Arbeitnehmer

Für die Teilnahme an Betriebsveranstaltungen (zB Weihnachtsfeier, Betriebsausflug) kann je Arbeitnehmer ein Steuerfreibetrag in Höhe von EUR 365 ausgeschöpft werden. Wird aufgrund der Vielzahl an Veranstaltungen der Freibetrag im Kalenderjahr voraussichtlich überschritten, sind Aufzeichnungen darüber zu führen, welcher Mitarbeiter an welchen Veranstaltungen teilnimmt. Pro Kalenderjahr können steuerfreie Sachzuwendungen (zB Vignette, Gutscheine, etc) in Höhe von EUR 186 ausgeschöpft werden. Geldzuwendungen unterliegen stets der Steuerpflicht. Zusätzlich steht ein Jahresbetrag von EUR 186 für Geschenke, die anlässlich eines Dienstjubiläums des Arbeitnehmers oder eines Firmenjubiläum gewährt werden, steuerfrei zur Verfügung.

Familienbonus

Neu ab dem Jahr 2019 ist die Einführung des Familienbonus. Der bisherige Kinderfreibetrag und der Ansatz von Kinderbetreuungskosten werden durch den Familienbonus abgelöst. Pro Jahr und Kind (unter 18 Jahren) kann ein Absetzbetrag idHv EUR 1.500 in Anspruch genommen werden. Nach dem 18. Geburtstag des Kindes steht der Familienbonus Plus idHv EUR 500 pro Jahr zur Verfügung. Dieser kann entweder über die Veranlagung oder über die laufende Lohnverrechnung und zusätzlich über die Veranlagung geltend gemacht werden. Geringverdienende Alleinerziehende bzw Alleinverdienende erhalten einen Kindermehrbetrag idHv EUR 220. Eine Aufteilung zwischen den Elternteilen ist unter gewissen Voraussetzungen möglich.

Kinderbetreuungszuschuss

Dienstgeber können ihren Mitarbeitern unter gewissen Voraussetzungen einen steuerfreien Zuschuss zur Kinderbetreuung bis maximal EUR 1.000 gewähren. Der Zuschuss muss direkt an die Kinderbetreuungseinrichtung geleistet werden.

Krankheitskosten

Krankheits- und Pflegekosten sind unter Umständen als außergewöhnliche Belastungen steuerlich absetzbar, sofern sie den Selbstbehalt übersteigen. Dieser beträgt zwischen 6% und 12%, abhängig von der Höhe des Einkommens. Auch Zahnarztkosten zählen zu Krankheitskosten. Außerdem kann für bestimmte Krankheiten aufgrund einer notwendigen Diätverpflegung ein monatlicher Pauschalbetrag geltend gemacht werden (zB Zuckerkrankheit, Tuberkulose, Gallen-, Leber- oder Nierenleiden etc). Bei Bezug von Pflegegeld wird dieses auf die anfallenden Kosten angerechnet und die übersteigenden Kosten können ohne Selbstbehalt angesetzt werden.

Liquiditätsmaßnahmen

Die Einkommensteuer- oder Körperschaftsteuervorauszahlungen für 2020 können allenfalls auf Basis einer Prognoserechnung angepasst bzw herabgesetzt werden. Im Ausland angefallene Vorsteuern oder nicht DBA-konform einbehaltene Quellensteuern sollten zeitnahe rückgefordert werden.

Personenversicherung und Wohnraumschaffung

Ausgaben für Personenversicherungen (private Kranken- und Unfallversicherung, etc) sind im Jahr 2019 steuerlich abzugsfähig, sofern der zugrundeliegende Vertrag vor dem 1.1.2016 abgeschlossen wurde. Ebenso betrifft die Neuregelung Ausgaben im Zusammenhang mit Wohnraumschaffung und -sanierung. Auch in diesen Fällen sind Ausgaben steuerlich nur verwertbar, wenn der Vertrag bereits vor dem Jahr 2016 geschlossen oder mit der Bauausführung bzw Sanierung vor dem 1.1.2016 begonnen wurde.

Rollung Lohnsteuer

Vor Jahresende kann grundsätzlich auch noch eine Aufrollung der Lohnsteuer im Rahmen der Lohnverrechnung erfolgen, um bislang noch nicht geltend gemachte Positionen zu berücksichtigen.

Neu ab 2020 ist die gesetzliche Regelung in § 77 Abs 4a EStG, wonach in einem Kalenderjahr nicht mehr als ein Sechstel der zugeflossenen laufenden Bezüge als sonstige Bezüge mit den festen Steuersätzen besteuert werden dürfen. Hierfür wurde eine verpflichtende Aufrollungsbestimmung geschaffen. Demnach muss das Jahressechstel nicht nur im Zeitpunkt des Zuflusses eines sonstigen Bezuges, sondern zusätzlich auch spätestens zum Jahresende oder bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses neu berechnet werden. Wenn nun im letzten Auszahlungsmonat eines laufenden Bezuges rückwirkend ein Sechstelüberhang entsteht, ist – außer in Fällen der Elternkarenz – eine Aufrollung der Vormonate zwingend durchzuführen. Der Jahressechstel-Überhang ist sodann nachträglich zum laufenden Tarif zu versteuern. Die Aufrollverpflichtung besteht jedoch nur für Fälle, in denen „zu viel“ begünstigt abgerechnet wurde (beispielsweise bei starken Bezugsschwankungen oder unterjähriger Auszahlung von Prämien – Stichwort „Sechsteloptimierung“). Sofern sich im Monat des letzten laufenden Bezuges jedoch ein höheres Jahressechstel ergibt, ist die Aufrollung für eine rückwirkende Begünstigung nach der neuen Bestimmung nicht zulässig. Die alte Bestimmung des § 77 Abs 4 EStG gilt jedoch noch weiter. Demnach kann – wie auch schon bisher – im Auszahlungsmonat eines sonstigen Bezuges noch aufgerollt werden. Durch Auszahlung eines sonstigen Bezuges im Monat Dezember kann somit ein rückwirkend erhöhtes Jahressechstel noch ausgeschöpft werden.

Wertpapierdeckung bei Pensionsrückstellungen

Pensionsrückstellungen müssen auf ausreichende Wertpapierdeckung geprüft werden. Um einen Strafzuschlag zu vermeiden, müssen zum Bilanzstichtag bestimmte Wertpapiere im Nennbetrag von mindestens 50% der steuerlichen Pensionsrückstellung des Vorjahres vorhanden sein. Bei einer Unterdeckung wird ein Strafzuschlag auf den steuerlichen Gewinn in Höhe von 30% des Unterdeckungsbetrages festgesetzt.

Werbungskosten

Werbungskosten wie zB Fortbildungskosten oder Ausgaben für Fachliteratur sollten noch Ende 2019 bezahlt werden, damit sie in diesem Jahr verwertet werden können.

Wichtige Fristen und Verjährung

Soll für 2019 noch eine steuerliche Unternehmensgruppe begründet oder erweitert werden, so ist der Gruppenantrag noch nachweislich vor Ende des Kalenderjahres zu unterfertigen und innerhalb eines Monats beim Finanzamt einzureichen. Mit 31.12.2019 endet grundsätzlich die 7-jährige Aufbewahrungspflicht für Geschäftsunterlagen des Jahres 2012 (UStG: bei Gebäuden bis zu 22 Jahre). Ebenso tritt die absolute Verjährung für Abgaben des Jahres 2009 ein.

Zukunftsvorsorge

Dienstgeber können ihren Arbeitnehmern unter gewissen Voraussetzungen steuerfreie Zuwendungen für die Zukunftsvorsorge bis maximal EUR 300 pro Jahr zuwenden. Darunter fallen zB Kranken-, Unfall- oder Lebensversicherungen.

Verpflichtende elektronische Zustellung behördlicher Schriftstücke

Ab dem 1.1.2020 sind Unternehmen verpflichtet an der elektronischen Zustellung teilzunehmen um behördliche Schriftstücke elektronisch empfangen zu können. Private hingegen sind nicht verpflichtet an der elektronischen Zustellung teilzunehmen, es steht ihnen aber frei mit Gerichten und Verwaltungsbehörden des Bundes elektronisch zu kommunizieren.

Unternehmen haben daher sicherzustellen, dass sie zum Empfang von elektronischen Schriftstücken „bereit“ sind. Die Zustellung behördlicher Schriftstücke erfolgt dann grundsätzlich über das Unternehmensserviceportal (USP) über die Plattform „MeinPostkorb“.

Da bereits erste elektronische Zustellungen ab 1.12.2019 vorgenommen werden, sollten die neuen Vorschriften dringend berücksichtigt werden, um zu vermeiden, dass elektronische Zustellungen unbeachtet bleiben und rechtskräftig werden.

Wesentliche Neuerungen aus dem Steuerreformgesetz 2020 und Abgabenänderungsgesetz 2020

Betriebsausgabenpauschalierung für Kleinunternehmer ab 2020

Für Jahre ab 2020 gibt es für Kleinunternehmer (Umsatz bis 35.000 Euro bzw. 40.000 Euro, sofern die Umsatzgrenze im Vorjahr nicht überschritten wurde) im Rahmen der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung eine neue Pauschalierungsmöglichkeit für Steuerpflichtige, die Einkünfte aus selbständiger Arbeit oder gewerbliche Einkünfte erzielen (gilt nicht für Gesellschafter-Geschäftsführer). Die pauschalen Betriebsausgaben können mit 45% bzw. bei Dienstleistungsbetrieben mit 20% von den Betriebseinnahmen abgezogen werden; daneben sind nur noch die bezahlten Beiträge zur Pflichtversicherung abziehbar. Der GFB-Grundfreibetrag steht auch bei dieser Pauschalierung zu.

Sozialversicherungsbonus iVm Erhöhung des Verkehrsabsetzbetrages

Die bisherige Höchstgrenze für die Rückerstattung von Sozialversicherungsbeiträgen (Negativsteuer) erhöht sich von bisher EUR 400 (EUR 500 bei Anspruch auf ein Pendlerpauschale) um bis zu EUR 300. Die Erhöhung der Negativsteuer ist davon abhängig, ob und in welcher Höhe der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag wirkt.

Der bisherige Verkehrsabsetzbetrag iHv EUR 400 (EUR 690 für Geringverdiener bei Anspruch auf ein Pendlerpauschale) erhöht sich um EUR 300 (Zuschlag), wenn das Einkommen im Kalenderjahr weniger als EUR 15.500 beträgt. Für Einkommen zwischen EUR 15.500 und EUR 21.500 vermindert sich dieser Betrag gleichmäßig einschleifend auf Null.

Anhebung des Pensionistenabsetzbetrages, SV-Rückerstattung für Pensionisten

Der Pensionistenabsetzbetrag erhöht sich von bisher EUR 400 auf EUR 600, treffen die Voraussetzungen für einen erhöhten Pensionistenabsetzbetrag zu, erhöht sich dieser Betrag von EUR 764 auf EUR 964. Gleichzeitig wird die Höchstgrenze für die Rückerstattung von Sozialversicherungsbeiträgen (Negativsteuer) für Pensionisten von EUR 110 auf EUR 300 angehoben.

Detailliertere Aufzeichnungspflichten für elektronische Plattformen

Für Plattformen die Lieferungen von Gegenständen an Nichtunternehmer unterstützen ergeben sich durch das AbgÄG 2020 ab 1.1.2020 neue verschärfte Auszeichnungspflichten und uU eine Haftungsverpflichtung für nicht abgeführte Umsatzsteuer.

Elektronische Plattformen haben die Umsätze derart aufzuzeichnen, dass die Abgabenbehörde feststellen kann, ob die Steuer korrekt berücksichtigt wurde. Darüber hinaus sind diese Aufzeichnungen unaufgefordert bis zum 31.01. des Folgejahres elektronisch an die Abgabenbehörde zu übermitteln (wenn die Umsätze < 1 Mio.).

Hat die Plattform sich nicht ausreichend vergewissert, dass der Steuerpflichtige seinen steuerlichen Pflichten nachkommt, haftet er für die Umsatzsteuer. Wann eine Plattform „ausreichend sorgfältig“ gehandelt hat soll durch eine Verordnung definiert werden.

Reduzierung des Umsatzsteuersatzes auf eBooks

Derzeit unterliegen elektronische Publikationen wie etwa eBooks oder ePaper dem Regelsteuersatz von 20 %, dieser wird den gedruckten Publikationen angepasst und unterliegt dann ab 1.1.2020 dem ermäßigten Steuersatz von 10 %.

Keine Bagatellgrenze für Einfuhren aus Drittländern

Die bisherige Bagatellgrenze (Umsatzsteuerbefreiung) für die für die Einfuhr von Kleinsendungen unter einem Wert von EUR 22 entfällt.

Senkung der Sozialversicherungsbeiträge für Selbständige

Für selbständig Erwerbstätige wird der Krankenversicherungsbeitrag für nach GSVG bzw BSVG Pflichtversicherte von derzeit 7,65 % auf 6,8 % gesenkt. Die Differenz von 0,85 % wird von der öffentlichen Hand übernommen.

Änderungen in der Umsatzsteuer (Quick Fixes)

Ab 1.1.2020 treten die sogenannten „Quick Fixes“ in Kraft. Die Quick Fixes sind kurzfristige Maßnahmen für ein gemeinsames Mehrwertsteuersystem auf europäischer Ebene. Neben Änderungen im Hinblick auf die Bedeutung der UID-Nummer, die Beurteilung von Reihenlieferungen im Falle des Transports durch den mittleren Unternehmer (Erwerber) und Vereinheitlichung der Vereinfachungsregelung für Konsignationslager wurden auch gemeinsame Vorschriften hinsichtlich der Transportnachweise für die Inanspruchnahme der Steuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen geschaffen.

Sonstige steuerliche Neuerungen ab 2020

Im Fall einer unternehmerischen Nutzung steht der Vorsteuerabzug für E-Bikes zu. Die Angabe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (UID) des Abnehmers und die Abgabe einer Zusammenfassenden Meldung (ZM) sind (neben den bisherigen Voraussetzungen) materiell-rechtliche Voraussetzung für die Steuerfreiheit von innergemeinschaftlichen Lieferungen.

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