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Auslän­dische Quellen­steuern bei Privat­anlegern

Häufig wundern sich heimische Privatanleger über die hohe Quellensteuerbelastung ihrer Kapitalerträge im Ausland. Die Belastung mit ausländischer Quellensteuer bedeutet jedoch nicht, dass im Inland keine weitere Steuer zu entrichten ist. Die Einkünfte aus Kapitalvermögen sind beim inländischen Privatanleger in Österreich ebenfalls steuerpflichtig.

Doppelbesteuerung

Werden ausländische Einkünfte aus Kapitalvermögen von einem inländischen Privatanleger erzielt, treffen Besteuerungsansprüche verschiedener Staaten aufeinander. Um eine daraus resultierende mögliche Doppelbesteuerungssituation zu vermeiden, hat Österreich mit zahlreichen Staaten bilaterale Verträge, die sogenannten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen. In den meisten DBA ist für die Quellenbesteuerung von Dividenden durch den Herkunftsstaat ein 15% Quellensteuersatz vereinbart. Österreich verpflichtet sich damit, bis zu 15% ausländische Quellensteuer auf die inländische Einkommensteuerbelastung anzurechnen. Bei einem inländischen Depot wird der tatsächlich entrichtete Quellensteuersatz (bis zu maximal 15%) durch eine entsprechend reduzierte Kapitalertragsteuer (KESt) automatisch von der Bank angerechnet. Der bei Dividenden abgezogene KESt-Satz beträgt dann beispielsweise nicht 27,5% sondern bis zu 12,5%, weil bis zu 15% ausländische Quellensteuern auf die inländische Steuerbelastung angerechnet werden (Auslands-KESt-Verordnung). Im Fall eines Auslandsdepots sind die Kapitalerträge in der Einkommensteuererklärung zu erfassen und unter Anrechnung der ausländischen Quellensteuern bis zum im entsprechenden DBA angeführten Prozentsatz (maximal 15%) mit dem Sondereinkommensteuersatz von insgesamt 27,5% zu besteuern. Im Fall einer Veranlagungsoption ist der progressive Tarifsteuersatz anwendbar.

Für Zinsen wird seltener Quellensteuer eingehoben, diese werden ohne Anrechnung der Quellensteuerbelastung von der auszahlenden Stelle (inländische Bank) mit der inländischen KESt in Höhe von 27,5% belastet.

Mit einigen Staaten (wie etwa Brasilien, Thailand oder China) hat Österreich ein DBA mit einem sogenannten Matching Credit abgeschlossen hat. Hier wird die anzurechnende Quellensteuer auf Dividenden und/oder Zinsen im DBA mit einem fixen Prozentsatz festgelegt, unabhängig davon, ob die Steuer tatsächlich eingehoben wurde. Die Anrechnung erfolgt in diesen Fällen über die Steuererklärung.

Im Fall von Tax Sparing Credit Vereinbarungen (wie etwa mit Vietnam, Nepal oder Marokko) gibt es hingegen von Land zu Land unterschiedliche Sondermaßnahmen hinsichtlich der Steuererleichterung. Somit müssen die betroffenen Investitionsmöglichkeiten zunächst erhoben werden. Auch ist im Großteil der Fälle im DBA lediglich ein Verweis auf die jeweils innerstaatliche Steuerbelastung des Quellenstaats zu finden. Die inländische Steuerbehörde müßte in den meisten Fällen beim Quellenstaat die Höhe der anrechenbaren Steuerbelastung anfragen, was im Ergebnis mit praktischen Hindernissen verbunden ist.

Bei der Veräußerung von Wertpapieren kommt es praktisch nie zu einer Quellenbesteuerung im Ausland. In Österreich muss nach dem Datum des entgeltlichen Erwerbs (meist Kauf) dennoch unterschieden werden, ob es sich um sogenannten Alt- oder Neubestand handelt. Für Aktien und (Immo-) Fondsanteile, die nach dem 31.12.2010 bzw. für alle anderen Finanzanlagen wie Anleihen oder Derivate, die nach dem 1.4.20112 entgeltlich erworben wurden (Neubestand), ist der Veräußerungsgewinn(-verlust) grundsätzlich mit 27,5% steuerpflichtig. Bei Depotführung im Inland wird die Besteuerung des Kapitalgewinns durch KESt-Abzug erledigt. Bei Depotführung im Ausland muss der Privatanleger den steuerpflichtigen Gewinn (Verlust) selbst errechnen, (was in der Praxis durchaus umfangreich und komplex werden kann), und in der Steuererklärung anführen. Eine Anleitung, wie Kapitalerträge in der Beilage E1-kv zur Einkommensteuererklärung anzuführen sind, wurde in unserem Beitrag 1/2016 erläutert.

Rückerstattung

Im Ausland wird jedoch oft ein höherer als im DBA vereinbarter Quellensteuersatz eingehoben. Da Österreich die ausländische Quellensteuer nur bis zum vereinbarten Prozentsatz anrechnet, bleibt ein darüberhinausgehender Anteil unberücksichtigt. Dieser Anteil kann grundsätzlich im Ausland auf Basis des DBA mit einem Rückerstattungsantrag rückgefordert werden. Die Fristen für die Rückerstattung betragen oftmals drei Jahre, die Formulare können üblicherweise auf den Websites der Finanzministerien der Länder abgerufen werden. Die ausgefüllten Formulare müssen samt den vorgesehenen Beilagen (zb. Abrechnungsbelege, aus denen die relevanten Informationen hervorgehen) zuerst zum Wohnsitzfinanzamt zur Ansässigkeitsbestätigung gesendet werden. Anschließend werden die bestätigten Unterlagen an die ausländische Finanzverwaltung gesendet. In der Praxis sind Rückerstattungsanträge in Ländern wie Deutschland oder der Schweiz (wegen der gleichen Sprache) meist erfolgreich, in zahlreichen anderen Ländern scheitert eine theoretische Möglichkeit durch praktische Hindernisse (zb. Formulare/Kommunikation in jeweiliger Amtssprache).

EU-Zinsbesteuerung und Informationsaustausch

Bei Depots und Konten, die Österreicher im Ausland halten, ist neben der korrekten Anrechnung von ausländischen Quellensteuern auf die in 2016 noch aktuelle EU-Zinsenrichtlinie (Richtlinie 2003/48/EG des Rates vom 3. Juni 2003 im Bereich der Besteuerung von Zinserträgen) zu achten. Zinserträge auf EU-Auslandskonten werden an das heimische Wohnsitzfinanzamt gemeldet, um eine Versteuerung derselben im Ansässigkeitsstaat sicherzustellen. Die Zinsmeldungen werden künftig durch die Umsetzung des Common Reporting Standards (CRS) in die jeweiligen nationalen Gesetzgebungen (in Österreich durch das Gemeinsamer Meldestandard-Gesetz) ersetzt werden. Unter dem CRS Regime sind die zukünftigen jährlichen Meldungen wesentlich umfangreicher, so sind neben den Daten zur Identifikation der meldepflichtigen Personen die Kontensalden, die Gesamtbruttobeträge der Zinsen, Dividenden und anderer Einkünfte, sowie die Gesamtbruttoerlöse aus der Veräußerung oder dem Rückkauf von Finanzvermögen auf Verwahrkonten, und auch die Gesamtbruttoerträge der Zinsen auf Einlagenkonten vom Meldeumfang umfasst.

Neben den EU-Mitgliedsstaaten sind auch zahlreiche OECD Staaten am Informationsaustausch beteiligt. Mit welchen Nicht-EU-Ländern Österreich tatsächlich in einen Informationsaustausch treten wird, kann künftig einer vom Bundesministerium für Finanzen im Verordnungsweg veröffentlichten Liste entnommen werden.

Fazit: Die Quellenbesteuerung im Ausland schließt bei unbeschränkter Steuerpflicht im Inland die Besteuerung im Inland nicht aus. Österreich hat mit zahlreichen Staaten Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen und auf Basis dieser Rechtsgrundlage können Quellensteuern bis zu einem im DBA festgelegten Prozentsatz in Österreich auf die inländische Steuer angerechnet werden. Ein darüber hinausgehender Teil an Quellensteuer ist gegebenenfalls rückerstattbar. Mit der Umsetzung des automatischen Informationsaustauschs wird ein umfangreicher und internationaler Schritt im Kampf gegen Steuerunehrlichkeit gesetzt. 

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