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Das Jahressteuergesetz 2018

Um die Zahl der Novellierungen des Steuerrechts zu reduzieren und damit mehr Klarheit für alle Beteiligten zu schaffen, wurde die Jahressteuergesetzgebung initiiert. Das Jahressteuer-gesetz 2018, das am 4. Juli 2018 im Nationalrat verabschiedet wurde, beinhaltet steuerliche Erleichterungen für Familien, die Abschaffung diverser Gebühren und Maßnahmen zur Be-kämpfung der Steuervermeidung. In Folge werden die wesentlichsten Eckpunkte im Überblick dargestellt.

Familienbonus

Der „Familienbonus Plus“ ist ein Steuerabsetzbetrag. Dieser reduziert die Steuerlast direkt, nämlich um bis zu 1.500 Euro pro Kind und Jahr. Der Familienbonus wird an den Bezug von Familienbeihilfe gekoppelt, daher kann dieser auch für Kinder nach dem 18. Geburtstag bezogen werden, dann aber nur reduziert in der Höhe von 500 Euro pro Jahr. Im Gegenzug entfallen der Kinderfreibetrag und die steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten bis zum 10. Lebensjahr.

Der Familienbonus kann ab 2019 beansprucht werden. Wahlweise wird dieser über die laufende Lohnverrechnung ausbezahlt oder erstmalig bei der Steuererklärung 2019 beantragt. Weiters wird die Möglichkeit bestehen, diesen zwischen den (Ehe)partnern je zur Hälfte aufzuteilen. Der Familienbonus in der gesetzlich vorgesehenen Höhe steht nur für Kinder im Inland zu. Für Kinder im EU/EWR-Raum bzw. der Schweiz wird der Familienbonus an das Preisniveau des Wohnsitzstaates angepasst. Für Kinder in Drittstaaten gibt es keinen Familienbonus. Um auch geringverdienende Alleinerzieher und Alleinverdiener nachhaltig zu entlasten, erhalten diese künftig einen so genannten Kindermehrbetrag in Höhe von max. 250 Euro pro Kind und Jahr.

Änderungen des Umsatzsteuergesetzes

Aufgrund der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes und in Hinblick auf den unionsrechtlich vorgegebenen Rahmen kommt es zur Ausweitung der Istbesteuerung auf alle freiberuflichen Tätigkeiten unabhängig von der Rechtsform. Des Weiteren wird bei der Margenbesteuerung die vereinfachte Ermittlung der Marge bei Reiseleistungen entfallen, da diese nicht im Einklang mit der Rechtsprechung des EuGH steht. Ab 2019 kommt es zur Leistungsortänderung bei bestimmten elektronisch erbrachten sonstigen Leistungen, Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen innerhalb der EU. Liegen EU-Umsätze von weniger als 10.000 Euro vor, so bleibt der Leistungsort im Inland. Dies bringt Erleichterungen für KMUs, die nur gelegentlich solche Leistungen an Nichtunternehmer in der EU erbringen.

Horizontal Monitoring - Das Ende der Betriebsprüfung?

Als Alternative zur klassischen Betriebsprüfung wird eine freiwillige begleitende Kontrolle (Horizontal Monitoring) für Unternehmen mit mehr als 40 Millionen Euro Umsatzerlösen eingeführt. Die Anregung kam von der niederländischen Finanzverwaltung, die vor über zehn Jahren unter der Bezeichnung Horizontal Monitoring neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und der niederländischen Finanzverwaltung entwickelte. Bei Unternehmern, die die Teilnahme an diesem Verfahren beantragen und die notwendigen Voraussetzungen erfüllen, ersetzt ein vom Unternehmer selbst entwickeltes und durch einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer überprüftes internes Steuerkontrollsystem in Verbindung mit einer erweiterten Offenlegungspflicht und einem laufenden Kontakt mit der Abgabenbehörde die nachträgliche Außenprüfung.

Erweiterung des Advance Ruling

Ab 2019 wird das kostenpflichtige Advance Ruling (Auskunftsbescheid über die abgabenrechtliche Beurteilung zukünftiger Sachverhalte) auch für Internationales Steuerrecht, Missbrauch und ab 2020 auch für den Bereich der Umsatzsteuer möglich sein. Dies war bisher nur für Fragen in Zusammenhang mit Umgründungen, Unternehmensgruppen und Verrechnungspreisen möglich.

Einführung einer Hinzurechnungsbesteuerung

In Hinblick auf die Vorgaben der europäischen Richtlinie zur Vermeidung von internationalen Steuervermeidungspraktiken wird eine Hinzurechnungsbesteuerung für niedrig besteuerte Passiveinkünfte einer ausländischen Körperschaft eingeführt. Noch nicht ausgeschüttete, niedrig besteuerte Passiveinkünfte einer ausländischen Körperschaft oder Betriebstätte werden in Zukunft unmittelbar der österreichischen beherrschenden Körperschaft als Gewinne zugerechnet. Zu den betroffenen Passiveinkünften zählen beispielsweise Zinsen, Lizenzgebühren, Dividenden, Einkünfte aus Tätigkeiten von Versicherungen und Banken sowie Einkünfte aus Abrechnungsunternehmen.

Sonstige Änderungen

  • Für Grundeigentümer, die ihren Grund und Boden für Infrastrukturprojekte zur Verfügung stellen (müssen), wird eine Abzugsteuer in der Höhe von zehn Prozent der Entschädigungssumme eingeführt. Mit dieser Abzugsteuer ist die Einkommensteuer grundsätzlich abgegolten.
  • Für die oben erwähnten Infrastrukturprojekte werden auch die zugrundeliegenden Bestands- und Dienstbarkeitsverträge von den Rechtsgeschäftsgebühren befreit.
  • Die Gebühr für die Bürgschaftserklärungen in Zusammenhang mit Mietverträgen wird künftig entfallen.
  • Der Ratenzahlungszeitraum bei der Wegzugsbesteuerung wird auf fünf Jahre verkürzt.
  • Das Abzugsverbot für Zinsen und Lizenzgebühren bei Niedrigbesteuerung des Empfängers aufgrund einer Steuerermäßigung oder -rückerstattung kann nachträglich rückgängig gemacht werden, wenn innerhalb von fünf Wirtschaftsjahren nach dem Anfallen dieser Aufwendungen tatsächlich keine Steuerermäßigung oder -rückerstattung in Anspruch genommen wurde. Diese Frist wird auf neun Jahre verlängert.

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