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Neues zum Thema Liebhaberei

Tätigkeiten, die ein Steuerpflichtiger ohne die Absicht Gewinne zu erzielen ausübt, werden im Steuerrecht als Liebhaberei bezeichnet. Das ist dann der Fall, wenn die Tätigkeit innerhalb eines bestimmten Zeitraums keinen positiven Gesamterfolg erwarten lässt.

Verluste aus Liebhabereitätigkeiten werden steuerlich nicht berücksichtigt, ebenso sind ausnahmsweise entstandene Gewinne daraus nicht steuerpflichtig.

Die Liebhabereirichtlinien 2012 (LRL) wurden nach längerer Zeit aktualisiert und insbesondere gesetzliche Änderungen seit dem Jahr 2012 eingearbeitet.

COVID-19-Pandemie als Unwägbarkeit

Unwägbarkeiten sind unvorhersehbare Ereignisse. Verluste, die aufgrund solcher Unwägbarkeiten ver-ursacht werden, führen nicht zu einer neuerlichen Liebhabereibeurteilung, wenn davor eine Gewinner-zielungsabsicht darstellbar war. Es wird klargestellt, dass die COVID-19-Pandemie als Unwägbarkeit anzusehen ist und damit auch nicht der ursprünglichen Planung zugrunde gelegt werden kann (Rz 19 LRL).

Details zu Prognoserechnungen

Um den Gesamtüberschuss einer Tätigkeit (insbesondere Vermietungstätigkeiten) gegenüber der Finanzverwaltung plausibel darzustellen, sind Prognoserechnungen für den Betrachtungszeitraum notwendig. In den Rz 65a bis 65m LRL wurden ausführliche Details zu Prognoserechnungen eingearbeitet. So wird beispielsweise angeführt, in Prognoserechnungen für Vermietungen das Mietausfalls- und Leerstehungsrisiko mit einem Wert zwischen 2% und 5% des Jahresrohertrages (Mieteinnahmen) angesetzt werden kann. Instandhaltungs- und Reparaturkosten sind pro m2 Nutzfläche mit € 7,50 bis € 25 p.a. in Abhängigkeit vom Alter des Gebäudes zu berücksichtigen.

Aufgabe des nachhängigen Betriebsvermögens

In Ausnahmefällen führt eine vorübergehende Fortsetzung einer an sich aussichtslosen Tätigkeit nicht zu einem Wandel zur Liebhaberei, wenn die Einstellung der Tätigkeit beabsichtigt ist und die Fortsetzung der Tätigkeit im Hinblick auf einen bestmöglichen Veräußerungserlös als wirtschaftlich vernünftige Reaktion angesehen werden kann (Rz 34 LRL). Wird ein bestehender Betrieb nicht mehr nach wirtschaftlichen Grundsätzen geführt, und kann der Betrieb daher nicht mehr als Einkunftsquelle angesehen werden, ist das dieser Tätigkeit gewidmete Vermögen als Privatvermögen zu qualifizieren. In einem solchen Fall liegt daher eine Betriebsaufgabe nach § 24 EStG vor. Bisher wurde dieses Vermögen als sogenanntes „nachhängiges Betriebsvermögen“, dessen stille Reserven erst bei späterer Veräußerung oder Privatentnahme steuerlich zu erfassen waren, behandelt.

Weiterwirkende Aufwendungen

Ändert sich eine Tätigkeit von einer Liebhabereitätigkeit zu einer steuerliche relevanten Einkunftsquelle, sind bestimmte Aufwendungen aus der Liebhabereiphase, die nach Vornahme der Veränderung wirksam bleiben, weiter zu berücksichtigen (Rz 101a LRL). So können nach Änderung der Bewirtschaftung noch offene Fünfzehntelbeträge geltend gemacht werden. Herstellungsaufwendungen sind verteilt über die Restnutzungsdauer zu berücksichtigen.

Wie Sie sehen, kann die Frage, ob eine steuerpflichtige Einkunftsquelle vorliegt oder nicht, nur nach genauer Betrachtung beantwortet werden. Die Liebhabereirichtlinien sind in der Praxis ein maßgeblicher Leitfaden für die Beurteilung.

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