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Anpassung des Einkommen­steuer­tarifs

Steuerreform 2015/16

Eine wichtige Neuerung bringt die Steuerreform 2015/16 auch in der Besteuerung des Einkommens. Die Tarifstufen sowie die jeweiligen Steuersätze des Einkommensteuergesetzes sollen angepasst werden. Für die Arbeitnehmer ist eine Erleichterung bei der Erstellung ihrer Steuererklärung geplant.

Einkommensteuertarif

Kernstück der Steuerreform ist die Anpassung des Steuertarifs gem § 33 Einkommensteuergesetz. Dies betrifft einerseits die Anzahl der Tarifstufen und andererseits die Höhe des jeweiligen Steuersatzes. Die bisherige Unterteilung in drei Progressionsstufen soll künftig auf sechs Stufen ausgeweitet werden. Zudem sind in den einzelnen Steuerklassen angepasste Steuersätze vorgesehen. Der aktuelle Eingangssteuersatz idHv von 36,5% wird dabei auf 25% gesenkt. Der Spitzensteuersatz wird von 50% auf 55% angehoben und kommt künftig ab einem Einkommen von mehr als EUR 1.000.000 zur Anwendung.

Im Detail ergibt sich folgendes Tarifsystem:

Einkommen Berechnungsformel Grenzsteuersatz
bis EUR 11.000   0%
über EUR 11.000 bis EUR 18.000 (Einkommen – 11.000) x 1.7507.000 25%
über EUR 18.000 bis EUR 31.000 (Einkommen – 18.000) x 4.550 + 1.75013.000 35%
über EUR 31.000 bis EUR 60.000 (Einkommen – 31.000) x 12.180 + 6.30029.000 42%
über EUR 60.000 bis EUR 90.000 (Einkommen – 60.000) x 14.400 + 18.48030.000 48%
über EUR 90.000 bis EUR 1.000.000 (Einkommen – 90.000) x 455.000 + 32.880910.000 50%
über EUR 1.000.000 (Einkommen – 1.000.000) x 0,55 + 487.880 55%

 

Automatische Arbeitnehmerveranlagung

Eine Entlastung für alle steuerpflichtigen Arbeitnehmer soll die automatische Berücksichtigung bestimmter Sonderausgaben im Veranlagungsverfahren bringen. Die betreffenden Ausgaben müssen künftig nicht mehr durch den Steuerpflichtigen selbst in der Arbeitnehmerveranlagung geltend gemacht werden, sondern sie kommen durch den automatisierten Informationsaustausch jedenfalls steuermindernd zum Ansatz. Künftig sind die jeweiligen Organisationen verpflichtet, relevante Informationen direkt an die Finanzverwaltung weiterzuleiten. Damit wird sichergestellt, dass die Daten automatisch in die Arbeitnehmerveranlagung aufgenommen werden. Folgende Ausgaben sind von der Automatisierung erfasst:

  • Beiträge an Kirchen und gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaften
  • Spenden iSd § 18 Abs 1 Z 7 EStG
  • Beiträge für eine freiwillige Weiterversicherung, einschließlich des Nachkaufs von Versicherungszeiten in der gesetzlichen Pensionsversicherung und vergleichbare Beiträge an Versorgungs- und Unterstützungseinrichtungen der Kammern der selbständig Erwerbstätigen.

Überdies soll eine antragslose Veranlagung vom Finanzamt vorgenommen werden, wenn bis 30. Juni keine Arbeitnehmerveranlagung eingereicht wurde, nach den Informationen des Finanzamtes nur lohnsteuerpflichtige Einkünfte vorliegen, eine Steuergutschrift resultiert und dem Finanzamt ein Girokonto des Steuerpflichtigen bekannt ist.

Fazit

Die Erhöhung der Tarifstufen in Verbindung mit der Senkung der Steuersätze bewirkt für die meisten Steuerpflichtigen eine deutliche Entlastung in der Einkommensteuer. Insbesondere für Steuerpflichtige mit geringem Einkommen wirkt sich das neue Tarifsystem vorteilhaft aus. Beachtet werden müssen bei dieser Rechnung jedoch die außertourliche Anhebung der sozialversicherungsrechtlichen Höchstbeitragsgrundlage sowie diverse andere Gegenfinanzierungsmaßnahmen (wie zB die Anhebung der Sachbezugswerte iZm der Zurverfügungstellung eines Firmen PKW). Für eine Analyse Ihrer konkreten Situation empfiehlt sich der „Entlastungsrechner“ des BMF.

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