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Erhöhung der Forschungs­prämie auf 12 % auf der Agenda

29.04.2015

Eine der Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes im Zuge der Steuerreform 2015/16 ist die Erhöhung der Forschungsprämie von derzeit 10 auf 12 % ab dem Jahr 2016. Wir möchten dies zum Anlass nehmen, Ihnen diese spezielle Förderung nochmals nahe zu bringen.

In der Praxis sehen sich nämlich Unternehmen häufig nicht als „Forscher“, da ihnen nicht bewusst ist, dass die Forschungsprämie nicht nur für Grundlagenforschung beantragt werden kann, sondern auch für angewandte Forschung und experimentelle Entwicklung. Aber auch bei Unternehmen, welche die Prämie bereits in Anspruch nehmen, findet sich noch oft Potential zur Optimierung.

Forschung & Entwicklung

Die Definition der förderwürdigen Projekte folgt grundsätzlich dem OECD Frascati Manual. Für die Prämienbegünstigung ist es demnach erforderlich, dass Forschung und experimentelle Entwicklung auf systematische Weise und mittels wissenschaftlicher Methoden in einem inländischen Betrieb bzw einer inländischen Betriebstätte durchgeführt werden. Das Ziel muss dabei auf die Vermehrung des aktuellen Wissenstandes oder die Schaffung neuer Anwendungen gerichtet sein, wobei jeweils die konkrete Branche als Maßstab gilt. Beispielhaft für die Prämienberechtigung können die Entwicklung bzw wesentliche Weiterentwicklung von Produkten, Systemen, Herstellverfahren, die Konstruktion von Prototypen, der Aufbau von Pilot- und Versuchsanlagen, jedoch auch die Entwicklung neuartiger Dienstleistungen genannt werden.

Ausmaß der Forschungsprämie

Als Forschungsprämie werden derzeit 10% (zukünftig 12%) der Bemessungsgrundlage als Cash-Prämie auf das Abgabenkonto überwiesen. Als qualifizierende Aufwendungen kommen grundsätzlich Personalaufwand, unmittelbare Aufwendungen (einschließlich zugekaufte Leistungen, die isoliert betrachtet keine F&E Tätigkeiten darstellen), Finanzierungsaufwendungen und Gemeinkosten in Betracht. Große Zusatzpotenziale zeigen sich erfahrungsgemäß im Bereich von Investitionen, da diese im Jahr der Anschaffung mit den Anschaffungskosten (anteilig) in die Bemessungsgrundlage aufgenommen werden können, wenn sie nachhaltig für Forschung und Entwicklung eingesetzt werden (mindestens 50% der Nutzungsdauer; bei mehr als 10 jähriger Nutzungsdauer mindestens 10 Jahre). Die Bemessungsgrundlage der Forschungsprämie aus eigenbetrieblicher Forschung und Entwicklung unterliegt keiner betraglichen Obergrenze.

Auftragsforschung

Auch für Aufwendungen aus an andere Unternehmen bzw Forschungseinrichtungen innerhalb der EU/des EWR ausgelagerte Forschungsaufträge kann die Forschungsprämie beantragt werden. Hierbei ist die Bemessungsgrundlage jedoch mit EUR 1.000.000 pro Jahr begrenzt (Prämie von EUR 100.000, zukünftig EUR 120.000). Der Auftragnehmer darf dabei nicht unter beherrschendem Einfluss des Auftraggebers stehen und nicht Mitglied der gleichen steuerlichen Unternehmensgruppe gem § 9 KStG sein. Zudem hat der Auftraggeber inländischen Auftragnehmern bis zum Jahresende mitzuteilen, dass die Prämie geltend machen möchte, um eine doppelte Geltendmachung zu verhindern.

Verfahren

Die Forschungsprämie ist bis spätestens zur Rechtskraft des betreffenden Körperschaftsteuerbescheides beim Finanzamt zu beantragen. Zusätzlich ist über Finanz-Online ein Antrag auf Erstellung eines Jahresgutachtens durch die FFG zu stellen. In diesem Antrag sind bis zu 20 Forschungsprojekte/-schwerpunkte nach deren Ziel, Methode und Neuheit mit jeweils maximal 3.000 Zeichen (ca eineinhalb A4-Seiten) zu beschreiben. Die FFG beurteilt die Förderwürdigkeit grundsätzlich ohne weitere Rückfragen aufgrund dieser kurz gehaltenen Darstellung, weshalb eine sorgfältige Formulierung über Erfolg oder Misserfolg des Antrages entscheidet. Das Finanzamt hat das Gutachten der FFG bei seiner Entscheidung in freier Beweiswürdigung zu berücksichtigen. Aus diesem Grund ist es zu empfehlen, einem negativen FFG-Jahresgutachten mit einer umfassenden und detaillierteren Darlegung des Sachverhaltes und dessen Würdigung entgegenzutreten.

Zusätzliche Möglichkeiten

Neben dem Jahresgutachten kann auch eine Forschungsbestätigung über ein mehrere Jahre dauerndes Projekt (kostenpflichtig, maximale Gültigkeit vier Jahre) oder ein Feststellungsbescheid über die Höhe der Bemessungsgrundlage eingeholt werden. Hierdurch kann die Erfüllung der Förderkriterien und/oder die Höhe der Bemessungsgrundlage außer Frage gestellt werden.

Fazit

Die Forschungsprämie stellt als ergebnisunabhängige Cash-Prämie in Höhe von 10% die wohl attraktivste Fördermaßnahme für Forschung und Entwicklung in Österreich dar, da sie im Vergleich zu nicht steuerlichen Förderungen ohne großen bürokratischen Aufwand beantragt und erlangt werden kann. Die Anhebung der der Forschungsprämie von 10 auf 12% im Zuge der Steuerreform 2015/16 ist daher uneingeschränkt zu begrüßen. Bei der Antragstellung sollte insbesondere der Formulierung der Projektbeschreibungen für die FFG besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

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