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Digitale Transformation

Worauf heimische Unternehmen achten müssen, um digitale Transformationsprojekte erfolgreich umzusetzen.

Werner Kolarik, Partner bei Deloitte Digital, im Gespräch über die Notwendigkeit, neue Möglichkeiten mit Mut und Weitblick ins Auge zu fassen, um den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens langfristig sicherzustellen.

Worauf müssen heimische Unternehmen im Bereich digitale Kompetenz und Innovation achten, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Zunächst ist es aus unserer Erfahrung wichtig, dass die strategische Ausrichtung über die Digitalisierung durch das Top-Management initiiert und entwickelt wird. Die digitale Strategie soll sehr umsetzungsnahe definiert sein und das gesamte Unternehmen miteinbeziehen. Hierbei kann es helfen, die Rolle eines Chief Digital Officers (CDO) auf oberer Führungsebene zu definieren, welche die Planung und Steuerung der digitalen Transformation übernimmt. Zudem ist es wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens in den Prozess der Digitalisierung aktiv involviert werden und deren individuelle digitale Fähigkeiten in diese Richtung weiterentwickelt werden. Auch eine offene Innovationskultur ist erforderlich, um die Entwicklung von Innovationen im Unternehmen zu fördern.

Schöpfen Österreichs Unternehmen das Potenzial der Digitalisierung aus?

Betrachtet man den europäischen Vergleich, dann wird deutlich, dass Österreich in der Digitalisierung nur im Mittelfeld liegt. Im aktuellen DESI-Index (Digital Economy and Society Index) liegt Österreich im Jahr 2019 auf Rang 10 von 28 und hat auch einen Platz im Vergleich zum Vorjahr verloren. Heimischen Unternehmen stehen also noch viele Möglichkeiten offen, die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen. Die Chancen liegen dabei nicht nur in der Automatisierung von Prozessen, sondern auch in der Entwicklung von innovativen Produkten und Kundenbeziehungen.  Auch eine datenbasierte Auswertung von geschäftsrelevanten Informationen durch digitale Anwendungen ist notwendig, um den Anschluss an den Weltmarkt nicht zu verlieren.

Kann der Digitalisierungsgrad in Bezug auf vorhandene Arbeits- und Geschäftsprozesse geprüft werden?

Wir bei Deloitte Digital haben ein etabliertes digitales Reifegradmodell entwickelt, mit dem wir den Digitalisierungsgrad der Arbeits- und Geschäftsprozesse sowie des ganzen Unternehmens bestimmen können. Wichtig ist bei einem solchen Projekt immer, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Beginn an die Chancen der Digitalisierung aufzuzeigen. Zeitaufwendige Routineaufgaben, zeitkritische Prüfroutinen oder umfassende Datenbearbeitungen können durch Digitalisierung vereinfacht werden und damit auch die Arbeitsabläufe verbessern und wertvoller gestalten.

Welche Herausforderungen beobachten Sie seitens der Unternehmen, wenn es darum geht Unternehmensprozesse zu digitalisieren bzw. Veränderungen einzuleiten?

Die Herausforderungen bei der digitalen Transformation sind herkömmlichen organisatorischen Veränderungsprozessen recht ähnlich. Eine Besonderheit stellt aber meist die Anwendung neuer Technologien dar. Die Geschwindigkeit der Veränderung ist dabei höher, die Auswirkung der Technologien auf Unternehmen - bis hin zur möglichen Disruption ganzer Branchen – umfassender. Neben der Ausarbeitung einer digitalen Strategie ist es in der Umsetzung wichtig, rasch konkrete Erfolge erzielen zu können. Dadurch kann ein Business Case frühzeitig unterstützt und Vorteile können rascher erkannt werden. In der digitalen Welt bietet sich ein agiles Umsetzungsmodell an, bei dem in wiederkehrenden Schritten Projekte in 6-8 Wochen bereits erste Erfolge aufweisen können. Neben einem professionellen Change Management ist die rechtzeitige Einbeziehung technologischer Experten und Fachkräfte wichtig. Der aktuelle IT-Fachkräftemangel, der viele Branchen betrifft, stellt dabei eine zentrale Herausforderung dar.

Für welche Unternehmensbereiche ist es aus Ihrer Sicht besonders wichtig, neue Technologien einzusetzen?

Die Digitalisierung hat umfassende Auswirkungen auf alle Unternehmensbereiche, sowohl auf den Führungs- und Steuerungsbereich, die Kernprozesse als auch auf interne Bereiche einer Organisation. Daher können digitale Technologien in Unternehmen sehr umfassend eingesetzt werden. Ein Schwerpunkt liegt jedoch sicherlich im kundenspezifischen Bereich, bei dem entlang der Customer Journey verschiedene digitale Technologien zielgerichtet zur Verbesserung der Kundenerfahrung eingesetzt werden können.

Welche digitalen Zukunftstrends versprechen Ihrer Meinung nach die größten Optimierungspotenziale für Österreichs Unternehmen?

In der nahen Zukunft werden wir zunächst eine zunehmende Automatisierung der Geschäftsprozesse u.a. durch Robotic Process Automation (RPA) und datenbasierter Analytics erleben. Da die Digitalisierung aber auch die Umsetzung neuer innovativer Ideen und Produkte fördert, werden sich in Zukunft mit Sicherheit auch neue Geschäftsfelder und Märkte ergeben. Als vielversprechendste Technologie sehen wir derzeit die Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz (KI). Mit KI können Informationen auf neue Weise erfasst, verarbeitet und interpretiert werden. Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten sehr vielseitig. Ich erwarte, dass sich in diesem Bereich auch die ersten massentauglichen Anwendungen zeitnah etablieren werden – z.B. Spracherkennung und –verarbeitung sowie automatisierte Entscheidungsunterstützung.

Werner Kolarik
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