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Lasst die Startup-Szene wachsen

Gastkommentar zum Startup-Paket 2016

Autorin: Barbara Edelmann, Partnerin bei Deloitte Österreich

Das Startup-Paket der Bundesregierung ist beschlossene Sache und in aller Munde. Das Volumen ist auf den ersten Blick durchaus beachtlich – 185 Millionen Euro auf drei Jahre sollen dabei helfen, innovative Business-Ideen zum Fliegen zu bringen. Aber wird das Paket wirklich die österreichische Startup-Szene beflügeln?

Bei genauer Betrachtung der bisher bekannten Punkte gibt es zwar berechtigten Grund zur Hoffnung, vorschnelle Euphorie ist aber unangebracht.

Entlastungen und Förderungen versus bürokratische Hürden
Ein wichtiger Bestandteil des Pakets ist die Lohnnebenkostenentlastung für Startups. Die ersten drei Mitarbeiter sollen für drei Jahre von den Lohnnebenkosten entlastet werden. Dies ist absolut zu begrüßen – Liquidität ist die knappste Ressource junger Unternehmen. Die Krux wird allerdings in der praktischen Umsetzung liegen. Was passiert, wenn man sich von einem Mitarbeiter bereits nach der Probezeit wieder trennt? Wurde dann die Begünstigung für „Mitarbeiter Nr. 1“ schon konsumiert? Auch das Abschmelzen über drei Jahre – 100 % Entlastung im ersten Jahr, zwei Drittel im zweiten Jahr und ein Drittel im dritten Jahr – sowie die Ausgestaltung als Förderung durch das AWS, die Förderbank des Bundes, anstelle einer direkten Entlastung sind aufwändig und bilden eine mögliche Hürde. Muss ein Mehr an Bürokratie da wirklich sein, geht das nicht einfacher?

Eine generelle Senkung der Lohnnebenkosten für alle Unternehmen in Österreich wäre dringend erforderlich, um den Faktor Arbeit zu entlasten. Das sollte so unbürokratisch wie möglich passieren und sich auch nicht auf Startups beschränken.

Auch im Bereich der Förderungen ist einiges geplant. Kumulierte Investitionen von maximal 250.000,- Euro pro Jahr sollen zu 20 % über das AWS gefördert werden. Damit wird eine schon lange bestehende Forderung der Startup-Szene umgesetzt, wenngleich etwas bescheidener als erhofft. Erfolgsversprechend ist diese Maßnahme aber allemal. Das Vereinigte Königreich hat erfolgreich vorgemacht, wie derartige Initiativen greifen können, wenngleich man dort auf Steuerentlastungen gesetzt hat.

Ob es tatsächlich Aufgabe der öffentlichen Hand ist, privates Wagniskapital zu fördern, bleibt aber heiß umstritten. Selbiges gilt für die Aufstockung von Fördergarantien sowie die Förderung von Business Angel- und Frühphasen-Finanzierungen. Angesichts einer beachtlichen Abgabenquote von prognostiziert 43,8 % in 2016, die deutlich über dem EU-Schnitt von 39,9 % liegt, drängt sich die Frage auf, ob eine generelle Reduktion der Abgabenlast unternehmerische Initiativen nicht ebenso unterstützen würde – ohne aufwändiges Förderwesen.

Der Abbau administrativer Hürden für Gründer ist ein lang gehegter Wunsch. Die Umsetzung des angekündigten One-Stop-Shops steckt jedoch seit Jahren fest. Hier braucht es dringend eine klare Kompetenzverteilung und neuen Schwung seitens der öffentlichen Hand.

(Zu) Ambitionierte Ziele
Die österreichische Bundesregierung hat sich die Messlatte sehr hoch gelegt. Die Zielsetzung von 50.000 neuen Gründungen bis 2020 ist zumindest sehr ambitioniert. Der Vergleich macht sicher: Tel Aviv gilt weithin als ein großes Vorbild für österreichische Akteure der Startup-Szene und verzeichnet jährlich „nur“ 400 Startups mit skalierbaren Geschäftsmodellen. Ob es in Österreich gelingt, eine ungleich größere Zahl an erfolgsversprechenden Startups ins Leben zu rufen, ist schon sehr fraglich. Auch wenn ein ambitioniertes Ziel per se im besten Fall auch zu einer self-fulfilling prophecy werden kann.

Mancherorts wurde sogar schon geträumt, dass nach dem Brexit junge Unternehmer aus UK eine neue Heimat suchen und in Österreich finden könnten. Die britische Regierung wird nun aber besonders bemüht sein, Innovationskraft im Land zu halten und den Finanzplatz London zu schützen. Es ist davon auszugehen, dass künftig erst recht besonders attraktive Rahmenbedingungen für Startups geschaffen werden. Der Wegfall „lästiger“ EU-Regelungen zu verbotenen Beihilfen könnte da gerade recht kommen – überzogene österreichische Hoffnungen sind wohl verfrüht.

Nichtsdestotrotz ist es sehr erfreulich, dass die Bundesregierung die Relevanz der Startups für den Wirtschaftsstandort Österreich erkannt hat. Der wirtschaftliche Boost, der gerade von jungen, innovativen und unkonventionellen Unternehmen ausgehen kann, ist dringend notwendig. Es muss ja nicht gleich das Level von London oder Tel Aviv sein. Die zarten Startup-Pflänzchen gibt es in Österreich bereits, sie müssen nun gehegt und gepflegt werden, um auch wirklich wachsen und gedeihen zu können. 

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