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Vorsicht – Falle Abzugsteuer

Für bestimmte Leistungen ausländischer Dienstleister (z.B. Künstler, Musiker, Personalüberlasser und diverse Berater) ist vom auszuzahlenden Entgelt eine Abzugsteuer einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. Die Erfahrung zeigt, dass mehr und mehr Betriebe von dieser Verpflichtung betroffen sind, jedoch keine Kenntnis davon haben. Spätestens bei einer Prüfung durch das Finanzamt kommt das böse Erwachen, denn der ahnungslose Unternehmer kann nachträglich vom Finanzamt zur Kasse gebeten werden.

Sinn der Abzugsteuer ist es, die inländische Einkommensteuer des ausländischen Dienstleisters abzugelten. Da ausländische Unternehmer für den österreichischen Fiskus schwerer greifbar sind, wird dem österreichischen Auftraggeber der Steuereinbehalt aufgebürdet. Dieser hat die Verpflichtung, die Abzugsteuer von der auszuzahlenden Vergütung an den ausländischen Dienstleister einzubehalten und fristgerecht an das Finanzamt abzuführen.

Bislang wurde die Abfuhr der sogenannten „Ausländersteuer“, wie die Abzugsteuer auch genannt wird, im Rahmen von Betriebsprüfungen durch die Finanzverwaltung überprüft. Aufgrund einer Gesetzesänderung wird diese Abgabe seit dem 1. Jänner 2016 zusätzlich in sogenannten GPLAs (Gemeinsame Prüfung lohnabhängiger Abgaben) als Prüfungsschwerpunkt kontrolliert. Seit Mitte 2016 wird die Abzugsteuer standardmäßig als Prüfungsschwerpunkt festgelegt.

Betroffene Leistungen
Die Verpflichtung zur Abfuhr der Abzugsteuer ist gesetzlich normiert und kommt in der Praxis am häufigsten bei folgenden Fällen vor:

  • Vergütungen an ausländische Vortragende, Architekten, Künstler, Musiker, Sportler, Schriftsteller, Artisten oder Mitwirkende an Unterhaltungsdarbietungen, soweit deren Tätigkeit in Österreich ausgeübt wird
  • Vergütungen an ausländische Aufsichtsratsmitglieder österreichischer Gesellschaften
  • Gestellungsvergütungen an ausländische Arbeitskräfteüberlasser, soweit die Arbeitskräfte in Österreich tätig werden
  • Honorare an ausländische kaufmännische bzw. technische Berater, soweit diese in Österreich tätig werden
  • Lizenzgebühren an ausländische Lizenzgeber, soweit die Rechte in einer inländischen Betriebsstätte verwertet werden oder in ein inländisches öffentliches Buch bzw. Register eingetragen sind

Höhe des Steuerabzuges
Hinsichtlich der Bemessungsgrundlage und der Höhe der Abzugsteuer ist zwischen der Brutto- und Nettobesteuerung zu unterscheiden. Bei der Bruttobesteuerung bildet der volle Vergütungsbetrag (inklusive aller Kostenersätze und Sachbezüge, jedoch ohne Umsatzsteuer) ohne Abzug von Ausgaben die Bemessungsgrundlage. Übernimmt der Auftraggeber auch die Abzugsteuer zugunsten des Auftragnehmers, so ist auch dieser übernommene Betrag als Einnahme hinzuzurechnen. Die Abzugsteuer beträgt grundsätzlich 20 %. In Ausnahmefällen erhöht sich der Steuersatz auf 25 % bzw. 27,5 %.

Bei der Nettobesteuerung ergeben hingegen die Einnahmen abzüglich unmittelbar zusammenhängender Ausgaben die Bemessungsgrundlage. Auch hier ist die vom Auftraggeber gegebenenfalls übernommene Abzugsteuer der Bemessungsgrundlage als Einnahme hinzuzurechnen. Die Anwendung der Nettobesteuerung ist unzulässig, wenn der Empfänger der als Ausgaben geltend gemachten Beträge in Österreich beschränkt steuerpflichtig ist, die Ausgaben beim Empfänger 2.000 EUR übersteigen und die steuerliche Erfassung zur inländischen Besteuerung beim Empfänger nicht ausreichend sichergestellt ist. Bei Anwendung der Nettobesteuerung beträgt der Steuersatz 25 %.

Aufgrund des erhöhten administrativen  Aufwands und des Haftungsrisikos für den Auftraggeber bei Anwendung der Nettobesteuerung sowie der notwendigen Offenlegung der eigenen Kosten des Dienstleisters, ist die Bruttobesteuerung die in der Praxis häufigere Variante.

Meldung und Abfuhr
Die Verpflichtung zur Durchführung des Steuerabzugs trifft den inländischen Vertragspartner (Auftraggeber), der die Vergütung ausbezahlt. Dieser Vertragspartner haftet für die Richtigkeit der Berechnung und die vollständige Abfuhr. Die Abzugsteuer ist bis spätestens am 15. Tag des folgenden Kalendermonats mittels Formular der Finanzverwaltung zu melden und abzuführen. Es ist somit sinnvoll, Rechnungen von Künstlern und Personalgestellern (geleastes Personal) frühzeitig zu verarbeiten, um die Melde- und Zahlungsfrist zu wahren und ärgerliche Säumniszuschläge zu vermeiden.

Haftung des Auftraggebers
Obwohl der leistende Unternehmer Schuldner der Abzugsteuer ist, treffen die Verpflichtung zum Steuerabzug und die Haftung denjenigen, der die Vergütung ausbezahlt. Dabei ist es unerheblich, ob die Vergütung direkt an den Künstler oder in seinem Auftrag einem Dritten (z.B. dem Management) zufließt.

Befreiung vom Steuerabzug
Von der Verpflichtung zum Einbehalt von Abzugsteuer gibt es Befreiungsmöglichkeiten, die allerdings ganz unterschiedlich ausgestaltet sind. Beim ausländischen Personalüberlasser (Personalleasing) kann der Einbehalt der Abzugsteuer nur unterbleiben, wenn dieser dem Auftraggeber einen gültigen Befreiungsbescheid“ des Finanzamtes Bruck-Eisenstadt-Oberwart vorlegt.

Bei kaufmännischer oder technischer Beratung ist eine Befreiung in der Regel bereits durch das Vorliegen des Formulars „ZS-QU1 bzw ZS-QU2“, auf dem vom ausländischen Finanzamt die Ansässigkeit bestätigt wird, gegeben. Verfügt der ausländische Leistungserbringer über eine österreichische Betriebsstätte und weist eine steuerliche Erfassung in Österreich nach, ist der Einbehalt einer Abzugsteuer ebenfalls nicht notwendig.

Liegt die angeführte Ansässigkeitsbescheinigung nicht vor und beträgt der Vergütungsbetrag nicht mehr als 10.000 EUR/Jahr, so kann bei Vorliegen einer schriftlichen Erklärung des ausländischen Dienstleisters unter Angabe folgender Informationen auf den Einbehalt der Abzugsteuer verzichtet werden (sogenanntes vereinfachtes Dokumentationsverfahren):

  • Vor- und Familiennamen bzw Firmennamen
  • Anschrift aller unterhaltenen Wohnsitze sowie des Mittelpunkts der Lebensinteressen
  • Erklärung, dass in Österreich kein Wohnsitz vorliegt
  • Angabe des Gründungsstaates und die Anschrift des Ortes der tatsächlichen Geschäftsleitung (bei juristischen Personen)
  • Erklärung, dass keine Verpflichtung zur Weitergabe der Einkünfte an andere Personen besteht
  • Art und Höhe der bezogenen Einkünfte. Für Künstler und Musiker ist grundsätzlich keine Entlastung von der Abzugsteuer möglich.

Sofern bei einer nachträglichen Einkommensteuerveranlagung des ausländischen Künstlers aber keine österreichische Steuerleistung anfallen würde, kann der Steuerabzug unterlassen werden. Die Voraussetzungen dafür sind:

  • Das ausbezahlte Honorar beträgt neben Kostenersätzen maximal 1.000 EUR vom selben Veranstalter.
  • Der ausländische Künstler erklärt schriftlich, dass die der österreichischen Besteuerung unterliegenden Einkünfte im Kalenderjahr 2.000 EUR nicht übersteigen.
  • Der Veranstalter nimmt diese Erklärung sowie einen Identitätsnachweis in Kopie unter Angabe des Wohnortes zu seinen Unterlagen.

Diese Vereinfachungsmaßnahme ist nicht anwendbar, wenn der beschränkt Steuerpflichtige eine für den Veranstalter erkennbar unrichtige Erklärung abgibt.

Fazit
Achten Sie darauf, dass Sie Ihren Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Abzugsteuer fristgerecht nachkommen und bei Bedarf frühzeitig fachliche Unterstützung suchen, um bösen Überraschungen vorzubeugen. Die Abzugsteuer ist derzeit nahezu bei jeder Prüfung durch die Finanzverwaltung ein fixer Prüfungsschwerpunkt. Wenn Sie Ihren oben angeführten Verpflichtungen nicht nachkommen, kann dies finanzstrafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Nicht zu unterschätzen ist jedenfalls die finanzielle Belastung, welche droht, wenn das österreichische Unternehmen zur Haftung für nicht einbehaltene Abzugsteuer samt Säumniszuschlägen herangezogen wird und diese Beträge nicht mehr vom ausländischen Dienstleister zurückfordern kann.

In jedem Falle können wir Sie dazu gerne umfassend beraten.

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