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Deloitte Studie zu flex­iblem Arbei­ten

Gleitzeit mit Kernzeit ist häufigstes Arbeitszeitmodell in Österreich. Vertrauen und Vorbildfunktion der Vorgesetzten ist entscheidend. Flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten sind in Österreich auf dem Vormarsch, auch wenn ein Großteil der Mitarbeiter derzeit noch im Büro arbeitet (84 %). Es fehlt aber in den meisten Fällen noch an klaren Spielregeln, Vertrauen und Ergebnisorientierung, wie eine kürzlich durchgeführte Deloitte-Umfrage unter rund 250 österreichischen Führungskräften zeigt. Spielräume bei der Telearbeit werden nur dann genutzt, wenn die Chefetage dies auch vorlebt.

Wien, 28. Juli 2015. Im Rahmen der jüngsten Umfrage zu Arbeitszeitmodellen und flexiblem Arbeiten hat Deloitte rund 250 HR- und Unternehmensleiter in der Industrie, im Dienstleistungs- und öffentlichen Sektor sowie in der Finanzbranche in Österreich befragt. Vorteile und Nutzen mobiler Tätigkeiten sind mittlerweile bekannt und mehrfach belegt: Erstens erhöht die freie Wahl des passenden Arbeitsortes für die jeweilige Tätigkeit die Produktivität von Mitarbeitern. Zweitens können Unternehmen auf regional größere Arbeitsmärkte zurückgreifen, da Wegzeiten nicht mehr zwingend täglich anfallen. Und drittens kann Telearbeit bei Teilzeitkräften zu einem höheren Arbeitszeitausmaß beitragen, wodurch vorhandene Potenziale von Mitarbeitern besser genützt werden können. Klare Erwartungen, gegenseitiges Vertrauen und ein Fokus auf die Ergebnisse anstelle von Anwesenheit sind entscheidend für den Erfolg flexibler Arbeitsmodelle.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • Mit 63 % ist Gleitzeit mit Kernzeit das gängigste Arbeitszeitmodell, an zweiter Stelle (27 %) folgt Gleitzeit ohne Kernzeit, gefolgt von Vertrauensarbeitszeit mit 23 % (siehe auch Infobox Vertrauensarbeitszeit).
  • In 89 % der Firmen sind Auszeiten wie Sabbaticals grundsätzlich möglich. 
  • Werden die Spielräume für flexibles Arbeiten nicht genutzt, ist dies hauptsächlich dem fehlenden Vorbild durch die Führungskräfte geschuldet (59 %).
  • Bereits in 88 % der Unternehmen ist mobiles Arbeiten möglich, 44 % haben dazu einheitliche Regelungen, 44 % lassen den Führungskräften dabei freie Hand in der Handhabung.
  • Für 70 % der Befragten ist die Veränderung der Unternehmenskultur in Richtung Vertrauen und Ergebnisorientierung die größte Herausforderung. 

Flexibles Arbeiten braucht gemeinsame Vereinbarungen

Die Angebote seitens Unternehmen, was zeitlich und örtlich flexibles Arbeiten angeht, sind bereits vielfältig und weit verbreitet. Die mögliche Flexibilität wird aber nur dann genutzt, wenn Unternehmenskultur und Führungskräfte dies erlauben und unterstützen – so geben 59 % die fehlende Vorbildfunktion von Vorgesetzen als häufigsten Grund an, warum Flexibilitätsspielräume von Arbeitszeitmodellen nicht genutzt werden. „Obwohl mobiles Arbeiten in den Unternehmen sehr weit verbreitet ist, gibt es selten gemeinsame Spielregeln, klare Erwartungen oder Unterstützung für die Führungskräfte. Dies führt häufig zu heterogenem Umgang, gefühlter Unfairness, Spannungen unter Mitarbeitern wie Führungskräften sowie negativen Erfahrungen mit Home Office“, erläutert Barbara Kellner, Expertin bei Deloitte Consulting.

Führungskultur in Österreich hinkt hinterher

Wesentliche Voraussetzung für einen funktionierenden Umgang mit flexiblem Arbeiten ist laut Deloitte vor allem eine Unternehmenskultur, die von Vertrauen und Ergebnisorientierung geprägt ist. Nur etwa die Hälfte der Befragten würden ihrem Unternehmen eine derartige Kultur zuschreiben, die andere Hälfte sieht noch immer Kontrolle und Anwesenheitsorientierung als wesentliche Charakteristika der eigenen Organisation. In diesem Sinne sehen auch 70% der Befragten die größte Herausforderung in Bezug auf flexibles Arbeiten nicht in der Erarbeitung von Modellen oder der Einhaltung von rechtlichen Vorschriften, sondern in der Veränderung der Unternehmenskultur und der Unterstützung der Umsetzung durch Führungskräfte und Top Management. „Mobiles Arbeiten macht der einfachen Formel Anwesenheit = Leistung endgültig einen Strich durch die Rechnung“, so Barbara Kellner abschließend.

Was steckt hinter Vertrauensarbeitszeit?

Ein Trend der letzten Jahre ist die Vertrauensarbeitszeit. In knapp einem Viertel der befragten Unternehmen ist dies bereits ein gängiges Arbeitszeitmodell. In der Praxis ist das Verständnis von Vertrauensarbeitszeit allerdings sehr unterschiedlich. Da es keine allgemeingültige Definition bzw. gesetzliche Regelung gibt, wird unter diesem Titel vieles gelebt: echte Vertrauensarbeitszeit ohne Kontrolle von Arbeitszeiten durch den Arbeitgeber genauso wie Gleitzeitmodelle mit großer Flexibilität und vertrauensbasierter Zeiterfassung – aber auch Varianten, bei denen die Grundgedanken von Vertrauensarbeit in der Umsetzung nicht mehr erkennbar sind. In einigen Fällen finden sich unter diesem Titel auch rechtlich nicht gedeckte Modelle.

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