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Interview mit Mag. Michael Chalupka

Direktor der Diakonie Österreich

"Grundlegend für einen Pflichtschulabschluss in Österreich ist ein guter und auf jeden einzelnen Flüchtling angepasster Deutschunterricht sowie eine Basisbildung in den sogenannten „Hauptfächern“."

Unter dem Leitspruch „Perspektiven schaffen“ setzt der Deloitte Future Fund neben der Schaffung von Arbeitsplätzen für anerkannte Flüchtlinge auch einen starken Fokus auf Bildung. In welcher Form wird dies durch den Deloitte Future Fund zusammen mit der Diakonie umgesetzt?

Deloitte Österreich unterstützt das BACH Bildungszentrum der Diakonie, wo jugendliche Flüchtlinge Basisbildung in Deutsch, Mathematik und Englisch erfahren, und darauf aufbauend Kurse zum Nachholen des Pflichtschulabschlusses absolvieren können. Hier liegt der Schlüssel zu jedem weiteren Schritt in eine weiterführende Berufsausbildung oder auch Berufstätigkeit in Österreich. Außerdem unterstützt Deloitte Österreich das Integrationshaus Imst der Diakonie. Das gemeinsame Projekt „lokale Integration durch Bildung“ zielt darauf ab, in einem konkreten regionalen Kontext eine Gruppe von Menschen mit Fluchterfahrung zu begleiten. Es geht darum, diese Menschen durch speziell konzipierte Bildungsmaßnahmen in ihrer sprachlichen, gesellschaftlichen und beruflichen Integration zu fördern, damit sie später in ihrer Community als BegleiterInnen und „role models“ für andere wirken können.

Welche Ziele werden in Bezug auf die Ausbildung von jungen Flüchtlingen gesetzt?

Grundlegend für einen Pflichtschulabschluss in Österreich ist ein guter und auf jeden einzelnen Flüchtling angepasster Deutschunterricht sowie eine Basisbildung in den sogenannten „Hauptfächern“. Außerdem müssen sich Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchthintergrund in einem für sie fremden Bildungssystem bzw. Arbeitsmarkt orientieren. Wenn ein Bildungsprojekt für junge Flüchtlinge wirksam sein soll, muss es sich diese Ziele setzen.

Wie können junge Flüchtlinge am besten unterstützt werden?

Der erste Schritt ist die Erlangung von Deutschkenntnissen. Außerdem kam es bei vielen jungen Flüchtlingen schon in der Vergangenheit häufig zu Brüchen in der Bildungsbiographie. Die Schulbildung konnte oft nur mangelhaft erfolgen, oder fehlt in einigen Fällen zur Gänze. Das heißt, die Betroffenen müssen schulische Inhalte nachholen und brauchen dabei möglichst individuelle Unterstützung.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie?

Aktuell kann leider nur ein Bruchteil der jugendlichen Flüchtlinge nach Ende der Schulpflicht in Österreich eine Ausbildung absolvieren. Insgesamt sind es nach aktuellen IFES-Studien nur 14 Prozent, die eine Lehre oder eine Ausbildung abschließen. Nur 31 Prozent können derzeit eine Schule besuchen. Der große Rest, der beispielsweise keinen Basisbildungskurs wie bei BACH besuchen kann, verbringt seine Zeit mit Warten aufs Erwachsenwerden. Denn leider übersteigt der Bedarf an den beschriebenen grundlegenden Bildungsmöglichkeiten für junge Flüchtlinge in Österreich bei weitem das Angebot. Einen Ausbau solcher Angebote fordert die Diakonie seit Langem. Finanzielle Unterstützungen seitens Unternehmen zum Ausbau der Kurse sind deshalb besonders wichtig.

Wie können sich Unternehmen wie Deloitte und auch deren Mitarbeiter gut einbringen? 

Durch finanzielle Unterstützung können Bildungsangebot und Personalressourcen ausgebaut werden. Somit fördern Unternehmen wie Deloitte Österreich die Integration von Personen mit Fluchthintergrund. Darüber hinaus können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Form von Freiwilligentätigkeit engagieren; gemeinsam mit den Jugendlichen lernen, beim Erlernen und Verstehen unserer Kultur unterstützen und so die Basis für eine erfolgreiche Integration schaffen.

Warum sind solche Projekte für die Flüchtlingsintegration so wichtig?

Junge Menschen mit Fluchthintergrund bringen in den meisten Fällen ein großes Potenzial mit. Bei guter Unterstützung können sie rasch die deutsche Sprache lernen und in einen Beruf einsteigen. Von Anfang an muss es das Hauptziel sein, dass diese jungen Menschen ihr Leben selbst in die Hand nehmen können. Nur so kann Integration erfolgreich sein.

Pressefoto (Credits Luiza Puiu) downloaden
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