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Analysen

Analyse des Fachkräftemarkts

Am Puls: Deloitte Unternehmensmonitor 2019

Obwohl der österreichische Arbeitsmarkt sich aktuell grundsätzlich positiv entwickelt, wird im öffentlichen Diskurs immer wieder über einen bereits chronischen Fachkräftemangel berichtet. Qualifikation, Chancengleichheit und eine seriöse Migrationspolitik werden seitens der Wirtschaft und von Expertinnen und Experten als dringend notwendig gesehen, um diesem Trend entgegen zu wirken.

Berufsverläufe sind immer stärker durch Beschleunigung, Flexibilisierung und Mobilität gekennzeichnet, aber auch durch Entgrenzung und Instabilität. Fachwissen droht angesichts einer solchen Arbeitsmarktdynamik an Wert zu verlieren. Überfachliche Kompetenzen wie Selbständigkeit, Selbstorganisation, Koordination und Kommunikationsfähigkeit gewinnen hingegen stark an Bedeutung.

Das bestätigen auch die Umfrageergebnisse:

Auf die Frage, welche fachlichen und überfachlichen Kompetenzen in den nächsten Jahren verstärkt benötigt werden, nennen nur 15 % der Unternehmen konkrete Fachkompetenzen – darunter meist technische Fähigkeiten, Führungskompetenzen und Fertigkeiten im Kontext der Digitalisierung. Weit mehr als die Hälfte der Unternehmen führt hingegen ausschließlich überfachliche Kompetenzen an.

Einige dieser überfachlichen Kompetenzen sind in allen Branchen gefragt. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollten allesamt zuverlässig, einsatz- und lernbereit sowie teamfähig sein. In den wachsenden Dienstleistungsbranchen nehmen aber zunehmend auch kommunikatives und organisatorisches Geschick eine zentrale Stellung ein. Überdies werden die Unternehmen in den nächsten Jahren verstärkt nach belastbaren, verantwortungsbewussten, flexiblen und führungsstarken Personen suchen.

Überraschend ist, dass rund jedes vierte Unternehmen in den nächsten Jahren überhaupt keine Fachkräfte verstärkt sucht. Zu den Treibern künftiger Entwicklungen am Fachkräftemarkt sind diese Unternehmen, die tendenziell im Produktionsbereich und im Handel angesiedelt sind, allerdings nicht zu rechnen.

Insgesamt zeigt sich aber ein sehr optimistisches Bild:

In allen Branchen sind über 80 % der Unternehmen zuversichtlich, den eigenen Fachkräftebedarf in den nächsten Jahren decken zu können. Besonders hoch ist die Zuversicht in Teilen des Dienstleistungsbereichs. Auffällig ist der starke Fokus auf endogene Unternehmenspotenziale: Der größte Teil der befragten Unternehmen möchte die benötigten Kompetenzen durch unternehmensinterne Aus- und Weiterbildung aufbauen. Externe Suchstrategien – also die Deckung des Bedarfes durch das Arbeitsmarktangebot – nehmen demgegenüber einen geringeren Stellenwert ein.

Fazit

Damit wird die Herausforderung der zunehmenden Fokussierung auf überfachliche Kompetenzen deutlich. Die nach wie vor benötigten Fachkompetenzen müssen zunehmend betriebsintern ausgebildet und erworben werden. Gleichzeitig kann immer weniger damit gerechnet werden, dass diese am externen Arbeitsmarkt verfügbar sind.

Die generalisierende Klage über den breitflächigen Fachkräftemangel in Österreich greift nach Analyse der Umfrageergebnisse zu kurz. Wohl aber sind eine spürbare Zunahme der Nachfrage nach überfachlichen Kompetenzen sowie Schwierigkeiten in der Arbeitskräftenachfrage aufgrund regionaler Abwanderung feststellbar. Hier sollte neben bildungspolitischen Maßnahmen auch mit Regionalentwicklung entgegengewirkt werden.

Infografik zum Fachkräftemarkt

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