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Analysen

Analyse des regulatorischen Umfelds

Am Puls: Deloitte Unternehmensmonitor 2019

Intelligente Regulierung schafft Sicherheit, Klarheit und Verbindlichkeit für alle Marktteilnehmerinnen und -teilnehmer. Das hat sowohl Vorteile für Unternehmen als auch für Konsumentinnen und Konsumenten. Zu viel Regulierung bewirkt aber genau das Gegenteil: Unsicherheit sowie Marktverzerrungen entstehen, Innovationen und unternehmerische Kreativität bleiben auf der Strecke. In den letzten Jahren wurde viel über Deregulierung diskutiert, konkrete Maßnahmen wurden bislang aber nur vereinzelt getroffen. Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden die befragten Führungskräfte gebeten, verschiedene Reformmöglichkeiten im Bereich des regulatorischen Umfelds zu priorisieren.

Vier Dimensionen des regulatorischen Umfelds österreichischer Unternehmen wurden analysiert:

  • Steuerentlastung: Die Senkung der Abgabenquote
  • Dienstleistungsstaat: Vereinfachte Abläufe für Unternehmen, insbesondere im Betriebsanlagenrecht
  • Governance-Reformen: Harmonisierung von Gesetzen und Behörden im Umfeld der Gewerbeordnung
  • Gemeinwohl: Verschiebungen der Abgabenstruktur durch aufkommensneutrale Steuerreformen mit gesamtgesellschaftlichem Nutzen

Änderungen im Bereich der beiden ersten Dimensionen werden für die Unternehmen unmittelbar spürbar – durch eine Verminderung der Steuerlast oder des Verwaltungsaufwandes. Die Unternehmen können so eigene Investitionsstrategien durch freiwerdende finanzielle und personelle Ressourcen umsetzen. Die beiden letzten Dimensionen gehören hingegen zur staatlichen oder gesellschaftlichen Metaebene und wirken deshalb nur mittelbar auf die Betriebe. Gleichzeitig sind dies notwendige Regulierungserfordernisse. Harmonisierte Gesetze und Behörden mögen für das einzelne Unternehmen keinen direkt spürbaren Vorteil erbringen – gleichwohl ist eine effiziente, gerechte und nachhaltige Business-Governance des Staates sowie ein funktionierendes soziales und ökologisches System im Interesse aller Unternehmen.

Wirtschaftlicher Eigennutz und wirtschaftliches Gemeinwohl sind zwei Kategorien, die sich ergänzen und gleichzeitig in einem Spannungsverhältnis zueinanderstehen. Sie wurden daher in der Befragung einander direkt gegenübergestellt.

Fazit

Die Unternehmen beurteilten alle vorgelegten Reformvorschläge überwiegend als wichtig. Zu den Top-Prioritäten zählen direkt spürbare Maßnahmen wie die Senkung der Lohnnebenkosten (94 %), die Vereinfachung der Lohnverrechnung (91 %), steuerliche Investitionsbegünstigungen (90 %), die Abschaffung der Besteuerung nicht entnommener Gewinne (90 %) sowie das digitale One-Stop-Unternehmensportal für Behördenwege und Genehmigungsverfahren (90 %).

Im Falle indirekt spürbarer Regulierungsmaßnahmen wie der Harmonisierung von Behörden oder aufkommensneutralen Steuerreformen liegt das Zustimmungsniveau mit 65 % bis 79 % etwas niedriger. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen könnten jedoch einer Wertschöpfungsabgabe oder einer ökologischen Steuerreform zustimmen, wenn diese mit verminderten Lohnneben-kosten einhergingen. Die Verminderung der Lohnkosten hat für eine deutliche Mehrheit der Unternehmen eine so hohe Priorität, dass dafür selbst Steuererhöhungen in anderen Bereichen in Kauf genommen werden.

Die Abgabensenkung spielt für die Unternehmen dennoch eine herausragende Rolle, da Investitionen anstehen, die finanziert werden müssen. Im Bereich der Dienstleistungsbranchen – mit Ausnahme des Gastgewerbes und des Handels – werden eher expansive Investitionsstrategien verfolgt, die den Fortschritt ankurbeln. Das Gastgewerbe, der Handel und der Bereich Verkehr und Logistik – also tendenziell eher Niedriglohnbranchen – verfolgen stärker bewahrende Investitionsstrategien, die auf die Sicherung des Erreichten fokussieren.

In Summe zeigt sich in Österreich ein wacher Unternehmergeist: Je nach Branche wollen zwischen 68 % und 87 % der Unternehmen freiwerdende Mittel in expansive Projekte investieren. Im Falle der bewahrenden Investitionsstrategien liegt das Zustimmungsniveau mit 50 % bis 72 % etwas niedriger.

Infografik zum regulatorischen Umfeld

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