Perspektiven

Klimawandel, Schweizer Wirtschaft, Digitalisierung

Der CEO steht Rede und Antwort

Wir haben Reto Savoia, CEO von Deloitte Schweiz, 16 Fragen gestellt. Welche Lehren zieht er aus der Coronakrise? Wie steht er zur Nachhaltigkeit? Glaubt er an den Sinn von Frauenquoten? Und wie kann die Schweiz ihre wirtschaftliche Spitzenposition behalten? Klicken Sie auf einen der fünf Themenbereiche, tauchen Sie ein und erfahren Sie mehr über Retos Gedanken und Ideen.

Unser Geschäft und unserer Performance

Sehr gut, trotz dem unstabilen wirtschaftlichen Umfeld. Im letzten Geschäftsjahr, per 31. Mai 2020, haben wir ein Wachstum von fünf Prozent erzielt und erstmals über eine halbe Milliarde Franken Umsatz erwirtschaftet. Damit haben wir eine Schweizer Erfolgsgeschichte fortgeführt, die vor über einem Jahrzehnt begann. Und wir sind breit aufgestellt: Alle unsere Geschäftsbereiche haben zu diesem starken Ergebnis beigetragen. Wir sind auch in allen wichtigen Branchen gut vertreten. Wir arbeiten für fast alle Unternehmen des SMI und für eine wachsende Zahl mittelgrosser Organisationen.

Die anhaltend gute Performance zeigt die Widerstandsfähigkeit unseres Unternehmens, die Qualität unserer Dienstleistungen und die Relevanz für unsere Kundschaft. Wir sind in der Lage, unsere Kunden bei fast allen Herausforderungen wirksam zu unterstützen, so auch während der langwierigen Corona-Pandemie.

Das Beratungsgeschäft, das bei uns fast 80% des Umsatzes ausmacht, ist von Natur aus flexibel und daran gewöhnt, sich an die Veränderungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfelds anzupassen. Ich bin überzeugt, dass wir jederzeit ein sehr attraktives Dienstleistungsangebot haben und unser multidisziplinärer Ansatz der beste im Markt ist. Wir sind das grösste Beratungsunternehmen in der Schweiz und Marktführer bei den für unsere Kunden wichtigsten Themen. Dazu zählen die technologiegetriebene Unternehmenstransformation, Cyberrisiken, Future of Work, Cloud-Dienstleistungen, Nachhaltigkeit sowie globale Veränderungen im Bereich der Steuern und anderer Regulierungen.

In den letzten fünf Jahren haben wir mehr als 600 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und erhebliche Investitionen in neue Formen der Dienstleistungserbringung, in Geschäftsmodelle, Technologien und nicht zuletzt in unsere Mitarbeitenden vorgenommen. Denn unser Ziel ist klar: Wir wollen unseren Wachstumskurs auf dem Schweizer Markt fortsetzen.

Die Wirtschaftsprüfung schafft Vertrauen und stellt die unabhängige Prüfung von Finanzinformationen sicher. Dies ist eine Aufgabe mit Tragweite für die ganze Wirtschaft und Gesellschaft, die wir mit der grösstmöglichen Sorgfalt ausüben. Mit Blick auf die Zukunft müssen die Rollen und Aufgaben der Unternehmensprüfung für die verschiedenen Anspruchsgruppen, vor allem Verwaltungsrat, Investoren und Behörden, geklärt werden. Wir beteiligen uns aktiv an den Diskussionen um die zukünftige Ausgestaltung der Wirtschaftsprüfung.

Gemäss den aktuellen gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben erstellt der Wirtschaftsprüfer ein Gutachten über die Richtigkeit und Übereinstimmung der Jahresabschlüsse mit den geltenden Regeln. Dabei überprüft er mit aller gebotenen Sorgfalt und unter Beizug modernster Datenanalysen, ob die finanzielle Lage akkurat dargestellt ist. Im Rahmen unseres Prüfungsauftrags und, wo gewünscht, mit zusätzlichen vertieften Abklärungen können wir den Anspruchsgruppen Gewissheit schaffen und wichtiges Vertrauen aufbauen oder festigen.

Unser Geschäftsbereich Audit & Assurance in der Schweiz verzeichnet ein robustes Wachstum. Um dieses fortzusetzen, arbeiten wir am Audit der Zukunft: wir bieten intelligente und aufschlussreiche Prüfungen an, um so den sich rasch wandelnden Bedürfnissen der Gesellschaft und der Investoren gerecht zu werden. Die Wirtschaftsprüfung ist ein zentraler Bestandteil unseres Unternehmens und wichtiger Pfeiler unserer positiven Reputation. Dank unseren rigorosen internen Bestimmungen in Bezug auf Unabhängigkeit und Qualität sehen wir weiterhin Wachstumspotenzial. Deloitte verfügt über ein etabliertes Portfolio aus mittleren bis grossen schweizerischen und internationalen Firmenkunden und eine breite Branchenpräsenz.

Im Zentrum steht seit längerem die digitale Transformation, wobei wir unsere Kunden mit entsprechender Expertise von der Strategieentwicklung bis zur Implementierung unterstützen.

Die digitale Transformation aus gesamtheitlicher unternehmerischer Sicht bedeutet einerseits Identifikation und Nutzung der sich bietenden Chancen, etwa im Bereich der Innovation, der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen wie auch von Kosten- und Prozessoptimierungen. Andererseits bewirkt sie einen neuen Umgang mit finanziellen, rechtlichen, Cyber-, Umwelt- und vielen anderen Risiken. Im Zuge der Corona-Pandemie haben die Unternehmen noch viel systematischer als bisher begonnen, praktisch alle Geschäftsabläufe kritisch zu hinterfragen. Dabei helfen unsere Consultants an vorderster Front.

Wir werden nach der Pandemie, wenn die umfangreichen Hilfspakete für Firmen und Mitarbeitende auslaufen, noch stärker als bisher sehen, wie Firmenstrukturen und -prozesse, Wertschöpfungs- und Lieferketten, Dienstleistungspaletten, der Einsatz von Technologie und vieles mehr fundamental ändern werden.

Die Unternehmen haben ein Ziel: Sie wollen gestärkt aus der Krise herauskommen und Resilienz aufbauen für alle denkbaren künftigen Entwicklungen – dies als Basis, um nachhaltiges Wachstum zu generieren, von dem am Ende Kunden und Mitarbeitende gleichermassen profitieren wie Staat und Gesellschaft.

Meine Ziele und Führungsgrundsätze als CEO

Ich will auf dem Erfolg der letzten Jahre aufbauen und wichtige Entwicklungen vorantreiben. Dabei werden wir gezielt Investitionen in neue Technologien, Geschäftssparten und Partnerschaften tätigen.

Wir werden insbesondere weiter in unsere Mitarbeitenden investieren. Mir ist auch an einer grossen Vielfalt gelegen. «Diversity» ist bei uns kein Schlagwort! Unsere Mitarbeitenden sollen sich wohl fühlen und beste Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit vorfinden. Entsprechend verstärken wir unsere Anstrengungen zu «Diversity & Inclusion» durch gezielte Initiativen, etwa zur weiteren Erhöhung des Frauenanteils unter den Führungskräften. Wir sind stolz auf unsere internationale Firmenkultur, unsere ethnische Vielfalt und unsere Aufgeschlossenheit gegenüber allen Fragen mit Bezug auf Geschlecht, Generation, persönlichen Hintergrund, Religion, Fähigkeiten, sexuelle Orientierung oder ethnische Zugehörigkeit.

Zuoberst stehen für mich Freiheit und unternehmerische Eigenverantwortung: Alle Mitarbeitenden sollten neugierig, teamorientiert und mutig sein. Sie sollen jederzeit auch bestehende Strukturen infrage stellen und neue Ideen einbringen können. Es dürfen Fehler gemacht werden, wobei es wichtig ist, dass man dann auch die Verantwortung dafür übernimmt. Eine transparente Kommunikation ist für mich unerlässlich: Unsere Mitarbeitenden können auch mit schwierigen Themen umgehen und schätzen eine offene, ehrliche und zeitnahe Kommunikation. Das hat sich gerade auch während der Pandemie bestens bewährt. Ich möchte alle Mitarbeitenden dabei unterstützen, ihre Talente bei uns weiterzuentwickeln, denn unser Unternehmen verfügt über einen enormen Schatz aus Expertise, Berufs- und Lebenserfahrung. Schliesslich lege ich Wert auf flache Hierarchien, und ich möchte meine Mitarbeitenden befähigen, auch hohe Ziele zu erreichen und ihre Ambitionen zu verwirklichen.

Unternehmenskultur und Gleichberechtigung

Deloitte ist meines Erachtens unternehmerischer, dynamischer, innovativer und technologisch stärker als unsere Mitbewerber. Wir investieren sehr viel in eine Arbeitsumgebung, die es unseren Mitarbeitenden erlaubt, sich voll zu  entfalten und ihre Persönlichkeit, Ideen und Perspektiven einzubringen. Wir sind eine in der Schweiz stark verankerte und in jeder Hinsicht sehr internationale Firma, die sich auf die Unterstützung von grossen und mittleren Unternehmen konzentriert.

Diversity und Inclusion sind für uns strategische Prioritäten. Ohne die Gedankenvielfalt und die Kreativität unserer Mitarbeitenden wären wir nicht in der Lage, die komplexen Probleme unserer Kunden zu lösen. Nur so kommen wir zu wirksamen Lösungen. Wenn ich von Diversity spreche, geht es mir nicht «nur» um den Anteil der Frauen in Führungspositionen oder die Anzahl an Nationalitäten, die bei uns arbeiten. Es geht um die gezielte Förderung eines offenen, leistungsfördernden Umfelds, das es allen Mitarbeitenden erlaubt, ihre Stärken voll einzubringen. Wir fördern unsere inklusive Unternehmenskultur und Zusammenarbeit auch durch das Belohnen eines Führungsverhaltens, das es allen Mitarbeitenden erlaubt, erfolgreich zu sein.

Wir unterstützen seit längerem die Schaffung einer inklusiven Arbeitsumgebung, in der alle erfolgreich sein können. Ein Beispiel dafür ist die Implementierung klarer Standards für Rekrutierungen und Beförderungen. Weiter setzen wir auf Sponsoring und Allianzen zwischen den Mitarbeitenden über verschiedene Stufen hinweg: So sind beispielsweise alle Mitglieder der Geschäftsleitung Sponsoren einer weiblichen Führungskraft, die schon etwas weiter fortgeschritten ist auf dem Karrierepfad. Zudem bieten wir diverse Programme zur Vernetzung und Weiterbildung von Frauen in unserem Unternehmen an. Und ist es uns ein Anliegen, inklusives Verhalten unserer Führungskräfte zu unterstützen. So bieten wir Weiterbildungsprogramme zu «Inclusive Leadership» und «Unconscious Biases» an – für Männer und Frauen.

Wie wir alle wissen, kann es sehr herausfordernd sein, Elternschaft und Karriere zu vereinbaren. Wir unterstützen daher unsere Mitarbeitenden vor und nach der Geburt eines Kindes: so zum Beispiel mit einem grosszügigen Mutterschaftsurlaub und Coaching für werdende Eltern und deren Vorgesetzte. Die Massnahmen zeigen Wirkung, wobei wir noch lange nicht zufrieden sind: Der Frauenanteil steigt zwar an, aber nach wie vor bewerben sich bei uns mehr Männer, und wir stellen auch noch immer mehr Männer ein – immerhin sind bereits 40 Prozent unserer Mitarbeitenden weiblich. Auch in der Geschäftsleitung haben wir den Frauenanteil in den letzten Jahren substanziell steigern können. Aber auch hier dürfen wir uns nicht ausruhen, sondern müssen das Problem der «gläsernen Decke» ernst nehmen und Frauenkarrieren bis ganz nach oben weiter fördern.

Deloitte engagiert sich aber auch für Frauen ausserhalb der Firma. Bereits vor mehreren Jahren haben wir die Initiative «Women in Cyber» lanciert, mit dem Ziel, ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis im Bereich Cybersicherheit zu erreichen. Seither begeistern wir immer mehr junge Frauen für eine Karriere in diesem Berufsfeld. Auch unterstützen weibliche Führungskräfte von Deloitte Studierende mit unserem Mentoringprogramm «YouNext». Es geht dabei um bei Themen wie Personal Branding, persönliche Entwicklung und dem Einstieg ins Berufsleben.

Die Herausforderungen der Schweizer Wirtschaft

Die Automatisierung ist kein neues Phänomen. Sie hat ihren Ursprung in der industriellen Revolution. Die Schweizer Wirtschaft, Unternehmen und die Arbeitnehmer unterlagen in den letzten 200 Jahren einem steten Wandel. Wir haben dies in unserer grossen Standortstudie «Power Up Switzerland» ausführlich dargelegt. In diesem Zeitraum entstanden und verschwanden ganze Industriezweige und zahlreiche Tätigkeiten. Viele wurden ersetzt, und neue Berufe entstanden. Die laufende Anpassung an die Veränderungen erfordert beträchtliche Anstrengungen: Menschen müssen fähig und auch bereit sein, ihre Stelle zu wechseln sowie in die Aus- und Weiterbildung zu investieren. Die Unternehmen müssen sich als Ganzes wie auch ihre Mitarbeitenden weiterentwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Automatisierung hat der Schweizer Volkswirtschaft aber auch bedeutende Vorteile gebracht: Produktivität, Bruttoinlandprodukt und Wohlstand sind gestiegen. Ausserdem werden mehr und interessantere Stellen und neue Arbeitsformen angeboten. Wir sehen bereits jetzt, dass die jüngste Transformation mit der zunehmenden Verbreitung digitaler Technologien ähnliche Auswirkungen haben wird. Die Pandemie hat diese Entwicklungen weiter beschleunigt. Als Hochpreisland muss die Schweiz die modernen Technologien sogar noch viel schneller einsetzen, und Unternehmen müssen in der Lage sein, die am besten qualifizierten Arbeitskräfte aus aller Welt zu beschäftigen. Die weit verbreitete Arbeit im Home-Office hat übrigens gezeigt, dass auch etablierte Arbeiten «remote», das heisst aus der Ferne getätigt werden können. Vor diesem Hintergrund haben auch Angestellte, die sich im Home-Office eigentlich sehr wohl fühlten, ein Interesse, nach Ende der Pandemie zumindest teilweise ins Büro zurückzukehren, sonst könnten Auslagerungen ins Home-Office Auslagerungen weit über unsere Grenzen hinaus folgen.

Wir haben bereits vor einigen Jahren einen Bericht über die digitale Innovationsfähigkeit der Schweiz erstellt, die wir anhand von drei wichtigen Bereichen bewerteten: einer davon umfasst auch die Arbeitskräfte. Wir kamen damals zum positiven Schluss, dass die Schweiz über ein ausgezeichnetes Bildungssystem und hervorragende Universitäten verfügt, für ausländische Arbeitnehmer sehr attraktiv ist und die Schweizer Arbeitsbevölkerung für die Zukunft gut gerüstet ist.

Durch die Pandemie hat sich die Lage verändert und sie dürfte sich mit dem Ende der Hilfsprogramme für Firmen und Mitarbeitende weiter zuspitzen. Für mich ist die Pandemie denn auch ein Weckruf für den Schweizer Arbeitsmarkt! Bestimmte Jobprofile werden noch schneller überflüssig werden, während andere rasch an Bedeutung gewinnen. In der Folge werden auch die sozialen Probleme zunehmen, wenn die Schweiz nichts unternimmt.

Schulen sollten sich bereits in der Grundstufe stärker auf die Kompetenzen in Informatik, Kommunikation und Technologie konzentrieren. Es ist wichtig, bei jungen Menschen – und im speziellen bei den Mädchen – eine grössere Begeisterung für technische Themen und Fähigkeiten zu wecken. Zudem sollten wir die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen verstärken.

Wir dürfen auch den demografischen Wandel und die Alterung der Gesellschaft nicht ausser Acht lassen. Diese Entwicklungen könnten ohne Gegenmassnahmen in 10 bis 15 Jahren in der Schweiz zu einem signifikanten Fachkräftemangel führen. Daher muss die Schweiz weitere Anstrengungen unternehmen, um unzureichend genutztes Arbeitskräftepotenzial, etwa bei Frauen oder älteren Arbeitnehmenden, zu aktivieren oder diese länger zu binden. Unternehmen sollten älteren Arbeitnehmern zum Beispiel attraktive und flexible Arbeitsmodelle anbieten und sie motivieren, länger zu arbeiten. Die Politik ist insofern gefordert, als sie das Rentenalter flexibel gestalten und das Arbeitsrecht endlich dem digitalen Zeitalter anpassen muss.

Die Politik könnte zusätzliche Freihandelsabkommen schliessen und ist gefordert, den langfristigen Zugang zum europäischen Binnenmarkt, dem weitaus grössten Handelspartner der Schweiz, sicherzustellen. Unternehmen sind ihrerseits gefordert, ihre globalen Wertschöpfungs- und Lieferketten, Firmenstrukturen und -prozesse zu optimieren und die Chancen der Digitalisierung konsequent zu nutzen.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht die Wirtschaft auch weiterhin Talente aus Drittstaaten, also von ausserhalb der EU. Um für diese hochqualifizierten Arbeitskräfte attraktiv zu sein, muss die Schweiz verschiedene Rahmenbedingungen verbessern: Dazu gehören etwa die teils schwerfälligen Regelungen für junge Hochtalentierte und Start-ups, für Geschäftsreisen und für internationale Traineeprogramme. Aber auch eine schweizweite Harmonisierung und Digitalisierung der Bewilligungsprozesse sollten wir anpacken.

Die vollen Auswirkungen der Corona-Krise sind noch nicht ersichtlich. Vieles werden wir erst nach Auslaufen der Hilfsprogramme für Firmen und Angestellte sehen. Es gilt, konsequent nach vorne zu schauen und Resilienz sowie Wettbewerbsfähigkeit für ein nachhaltiges Wachstum aufzubauen. In diesem Zusammenhang muss sich jedes Schweizer Unternehmen fragen, wie sein Geschäftsmodell für die Zukunft aussieht, von dem am Ende Kunden und Mitarbeitende gleichermassen profitieren wie Staat und Gesellschaft.

Um ein umfassenderes Bild zu erhalten, hat Deloitte während der Pandemie unter mehr als 400 Führungskräften eine Umfrage durchgeführt. Basierend darauf haben wir dann acht zentrale Handlungsbereiche identifiziert, in denen Unternehmen wie auch der Staat mithelfen können, die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Schweiz zu stärken. Dies umfasst Bereiche wie Innovation, Unternehmertum, internationalen Handel und Nachhaltigkeit. Für jeden Handlungsbereich schlagen wir zahlreiche Massnahmen vor – ganz nach dem Motto «Power up Switzerland».

Ein paar anekdotische Beispiele während der Corona-Krise haben auch digitalen Nachholbedarf bei Bundes- und kantonalen Verwaltungsstellen gezeigt. Dessen ungeachtet wissen wir natürlich, dass in verschiedener Hinsicht Nachholbedarf besteht. Dabei geht es nicht nur um Schnittstellen zwischen Bürger bzw. Unternehmen und Staat. Es geht – wie in den Betrieben auch – um die gezielte Nutzung der Digitalisierung zur Optimierung sämtlicher Prozesse.

Gemäss unserem Digital Government Survey von 2020 wünschen sich die Schweizerinnen und Schweizer vom Staat in verschiedenen Bereichen bessere digitale Dienstleistungen. Wer online Bankgeschäfte tätigt, mit dem Smartphone bezahlt und im Webshop einkauft, empfindet es als umständlich, wenn er dann wegen eines Formulars am Schalter anstehen oder eingeschriebene Dokumente per Briefpost versenden muss.

Gemäss unserer Umfrage sind die Angst vor mangelnder Datensicherheit und Bedenken wegen Cyberrisiken die grössten Hürden für die Bevölkerung, um digitale Dienste des Staates stärker zu nutzen. Diese Bedenken gilt es ernst zu nehmen sowie Chancen und Risiken der Digitalisierung offen zu diskutieren. Nach der gescheiterten Vorlage zur elektronischen Identität (e-ID) bin ich ziemlich sicher, dass der Bund rasch eine neue, mehrheitsfähige Lösung ausarbeiten wird.  Und das ist wichtig: Die neue E-ID wird nicht nur ein Schlüsselelement für den digitalen Umgang von Bürgern und Unternehmen mit der Verwaltung sein. Auch die Schweizer Wirtschaft wird davon profitieren.

Unsere Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt

Ich bin grundsätzlich kein Fan von Quoten: Eine grosse Vielfalt unter den Mitarbeitenden – und zwar in jeglicher Hinsicht – ist kein «Nice to have», sondern ein wirtschaftlicher Vorteil. Entsprechend sollten die Unternehmen auch die Förderung von Frauen konsequent vorantreiben. Ein einfaches «Erfolgsrezept» dazu gibt es nicht; sonst wäre diese berechtigte Forderung schon lange umgesetzt. Eine wirksame Lösung besteht vielmehr aus einem ganzen Strauss an Massnahmen. Dies fängt beim klassischen Rollenbild unserer Gesellschaft an. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein weiteres, offenes Feld. Hier haben wir mit familienergänzenden Strukturen zwar in den letzten 20 Jahren grosse Fortschritte gemacht. Aber auch dies reicht noch nicht, es wird zum Beispiel wesentlich mehr Tagesschulen brauchen. Dann stellt für mich die gezielte fachliche Förderung der Frauen eine wesentliche Massnahme dar, wobei wir als Unternehmen stark in der Verantwortung stehen. Deloitte hat entsprechend ein Portfolio an Fördermassnahmen. Ich setze mich seit langem ein für eine Kombination aus messbaren Zielen, deren Erreichung relevant ist in der Beurteilung und Entlöhnung der Mitarbeitenden. Die Ziele müssen tief in der Firmenkultur verankert sein.

Die Palette nötiger Massnahmen reicht aber noch viel weiter, sie umfasst etwa auch psychologische und rhetorische Aspekte, die bereits in der Kindheit gefördert werden können. Wenn all dies nicht fruchtet, können wir auch noch über zu erreichende Zielwerte reden, wobei ich kein Freund von formalen Quoten bin; sie entsprechen nicht der in der Wirtschaft notwendigen Flexibilität. Die Tatsache, dass der Bund jüngst Zielwerte für Verwaltungsrats- und Geschäftsleitungsmitglieder verabschiedet hat und auch den Wirkungskreis des Gleichstellungsgesetzes im Lohnbereich ausgeweitet hat, führt aber dazu, dass wir uns intern wie auch bei der Unterstützung von Kunden sehr intensiv mit rechtsverbindlichen Aspekten befassen.

Zunächst: Wir sind Teil der Gesellschaft. Wir sind eine Organisation, die attraktive Arbeitsplätze und Lehrstellen schafft, Mitarbeiter weiterbildet, Grossbetriebe und KMU berät, Partnerschaften und Allianzen unterhält, Lieferanten beschäftigt, zahlreiche Verbände aktiv unterstützt. Aber natürlich auch eine Organisation, die an verschiedenen Standorten im Land von exzellenten Infrastrukturen und gut gebildeten Mitarbeitenden und einem attraktiven Umfeld profitiert. Entsprechend setzen wir uns dafür ein, dieses Umfeld in jeglicher Hinsicht weiterzuentwickeln, und zwar im besten Sinne der Nachhaltigkeit: mit Blick auf eine stabile Finanzierung des Gemeinwesens, eine gesunde Gesellschaft und eine intakte Umwelt. Unser «Purpose» lautet denn auch «to make an impact that matters on our clients, our people and society».

Als verantwortungsvolles Mitglied der Schweizer Gesellschaft veröffentlichen wir auch regelmässig Studien zur Wirtschaftslage in der Schweiz, etwa mit Empfehlungen, wie Regierung und Unternehmen dem drohenden Arbeitskräftemangel begegnen können. Oder wir thematisieren  heikle, schwierige Themen: Jüngst haben wir zusammen mit Schweizer Verwaltungsratsmitgliedern aufgezeigt, wie wichtig es ist, auch die ethischen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung zu thematisieren. Unsere grosse Standortstudie «Power Up Switzerland» hat sich zu einer Serie entwickelt, in deren Rahmen wir mit verschiedenen Schweizer Wirtschaftsakteuren wichtige Themen aufgreifen, wie unser Land noch wettbewerbsfähiger werden kann. Mit unseren  COVID-19-Studien haben wir Bürgerinnen und Bürger zu wichtigen Aspekten des täglichen Lebens befragt und damit Unternehmen wie der Politik wertvolle Inputs zur Gestaltung der Zukunft gegeben.

Mit unserem Programm zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit von Flüchtlingen geben wir wichtige Anstösse  zu Mentorings, Sponsorings, Integrationsveranstaltungen und zur Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen. Die Initiative beruht auf der Zusammenarbeit mit lokalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und läuft in Zürich und Genf. Wir durften das Projekt sogar am Globalen Flüchtlingsforum der Vereinten Nationen in Genf vorstellen.

Deloitte betrachtet die Nachhaltigkeitsdiskussion umfassend: mit Blick auf eine intakte Umwelt, eine gesunde Gesellschaft und eine stabile Finanzierung des Gemeinwesens. Nicht nur der Staat tut gut daran, das Thema umfassend zu betrachten; auch die Unternehmen brauchen eine klare Nachhaltigkeitsstrategie über die gesamte Wertschöpfungskette, mit Blick auf die Interaktion mit allen Anspruchsgruppen. Das bedingt u.a. klare Messgrössen und eine aussagekräftige Berichterstattung, um so gegenüber Investoren, Kunden, Regulatoren und natürlich auch Mitarbeitenden Transparenz und Vertrauen zu schaffen.

Noch ist die Wirtschaft aber nicht da, wo sie sein sollte: Die Ergebnisse einer unserer letzten CFO-Umfragen zeigten, dass CFOs Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels immer noch nicht als eine Priorität ansehen. Sie sind mit aus ihrer Sicht noch dringlicheren Herausforderungen beschäftigt, die eine unmittelbare Bedrohung für ihr Unternehmen darstellen. Immerhin: Viele Unternehmen haben im Kampf gegen den Klimawandel wesentliche Schritte unternommen, zum Beispiel zur Verbesserung der Energieeffizienz. Weitere müssen aber sicher folgen, denn der Klimawandel wird direkte und erhebliche Auswirkungen auf sämtliche Geschäftsaktivitäten und somit die Zukunft der Unternehmen haben.

Im Zuge der Annahme des indirekten Gegenvorschlags zur Konzernverantwortungsinitiative werden Schweizer Unternehmen künftig deutlich transparenter Auskunft geben müssen über umwelt- und sozialpolitisch relevante Aspekte ihrer Geschäftstätigkeiten im Ausland. Wir unterstützen diese Bestrebungen und helfen Firmen dabei, die nötige Transparenz herzustellen.

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