IAS 19 - Risk Sharing bei Schweizer Vorsorgeplänen kurz und knapp

Perspektiven

IAS 19

Risk Sharing bei Schweizer Vorsorgeplänen kurz und knapp

Aufgrund ihrer spezifischen Eigenheiten ist die Diskussion um die Bilanzierung Schweizer Vorsorgepläne (BVG-Pläne) nach IAS 19 so alt wie der Standard selbst. Während aus der Perspektive der nationalen Rechnungslegungsvorschriften (Obligationenrecht / Swiss GAAP FER) eine (kurzfristige) Unterdeckung eines Vorsorgeplans nicht automatisch zu einem Ansatz einer Verpflichtung führt, ist dies nach IAS 19 der Fall. Darüber hinaus fällt die Vorsorgeverpflichtung aufgrund der Dynamik der Berechnungsmethode i.d.R. zu höheren Werten.

Die Eigenschaften Schweizer Vorsorgepläne

Bei einer bestehenden Unterdeckung (die Vorsorgeverpflichtung übersteigt das Planvermögen) verpflichtet das Gesetz die Vorsorgeeinrichtung Massnahmen zu ergreifen, um diese innerhalb angemessener Frist zu beheben. Neben Leistungskürzungen (Reduktion des Umwandlungssatzes, Anhebung des Renteneintrittsalters, Senkung der Verzinsung der Altersguthaben) können auch Sanierungsbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern erhoben werden. Hier schreibt das Gesetz vor, dass der Arbeitgeberbeitrag mindestens gleich hoch sein muss, wie die Beiträge der Arbeitnehmer. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass ein Arbeitgeber nicht zu mehr als der Hälfte der Finanzierung einer Unterdeckung herangezogen werden kann. Nach der bislang vorherrschenden Bilanzierung Schweizer Vorsorgepläne unter IAS 19 wurde davon ausgegangen, dass die im Fall einer Unterdeckung anfallenden Kosten zur Finanzierung der Vorsorgeverpflichtungen allein vom Arbeitgeber getragen werden.

Und was ist nun mit dem Risk Sharing?

Befeuert durch das gegenwärtige Umfeld mit stetig steigender Lebenserwartung und niedrigem Zinsumfeld hat dazu geführt, dass viele Vorsorgepläne Massnahmen ergriffen haben, um die Finanzierung der Vorsorgeleistungen zu sichern. Hierbei wurden auch Arbeitnehmer durch Leistungskürzungen herangezogen. Insofern ist die Kommission für True and fair view Rechnungslegung der EXPERTsuisse nunmehr zu der Auffassung gelangt, dass unter gewissen Voraussetzungen zukünftig notwendige Massnahmen zur Reduktion der Vorsorgeleistung bei der Bemessung der Vorsorgeverpflichtung nach IAS 19 zu berücksichtigen sind (vgl. Positionspapier «Risk Sharing» -Eigenschaften Schweizer Vorsorgepläne im Rahmend der Bilanzierung nach IAS 19 vom 20. Dezember 2016). Dies führt dazu, dass die Risk Sharing Eigenschaften Schweizer Vorsorgepläne auch nach IAS 19 Eingang in die Bilanzierung finden.

Was sind die Auswirkungen?

Die Berücksichtigung künftiger Massnahmen zur Leistungsreduktion von Vorsorgeleistung führt zu einem niedrigeren Wert der Vorsorgeverpflichtung und damit zu einer ggf. deutlichen Verringerung des Verschuldungsgrads bzw. Anstieg der Eigenkapitalquote. Auf die konkrete Methodik zur Quantifizierung der Risk Sharing Eigenschaften geht das Positionspapier nicht ein. Hier besteht vielmehr weiterer Diskussionsbedarf zwischen Abschlusserstellern, Vorsorge- und Rechnungslegungsexperten. In jedem Fall sind die vorzunehmenden Einschätzung komplex und mit erheblichem Ermessen behaftet, mit entsprechender Offenlegung im Anhang. Die Neubeurteilung der Lastenteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer stellt nach Ansicht der Kommission eine Schätzungsänderung (i.e. Anpassung der versicherungsmathematischen Annahmen) dar, die im Zeitpunkt der Anpassung im sonstigen Ergebnis («other comprehensive income») zu erfassen ist. Dies führt gleichzeitig dazu, dass künftig die oft signifikanten und häufig unerwarteten Erträge bei einer Absenkung des Umwandlungssatzes, die nach bisheriger Bilanzierungsweise als «past service cost» ergebniswirksam zu erfassen sind, deutlich geringer ausfallen dürften. Da diese «Gewinne» häufig zu Irritationen führen und gegenüber den Stakeholdern erklärungsbedürftig sind, wäre dies auch ein Fortschritt im Hinblick auf die Aussagekraft von IFRS Abschlüssen in der Schweiz.

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