IFRS 16

Artikel

IFRS 16: Noch ist Zeit – aber die Uhr tickt

Neuer Leasingstandard und was CFOs und Finanzvorstände jetzt wissen sollten

Wie kann Deloitte helfen?

Obwohl Unternehmen noch drei Jahre Zeit haben bis sie ihre Jahresabschlüsse gemäss IFRS 16 vorlegen müssen, sollten heute schon Massnahmen ergriffen werden, da erhebliche Vorbereitungen erforderlich sind.

Unser multidisziplinäres IFRS 16 Experten-Team bringt Wissen aus allen Deloitte Service Bereichen zusammen, um Sie bei der erfolgreichen Implementierung dieses komplexen neuen Standards zu unterstützen. Dank innovativer Technologie-Lösungen sowie einer marktführenden Immobilienberatungspraxis, sind wir ausserdem in der einzigartigen Lage Sie betreffend der weiterreichenden wirtschaftlichen Auswirkungen von IFRS 16 auf Ihr Unternehmen, zu beraten.

Unsere Publikation „Time to take action" enthält Tipps und Hinweise zur Vorbereitung der Implementierung des neuen Standards sowie Information darüber, wie Deloitte Sie dabei unterstützen kann. Nutzen Sie auch unseren Fragenkatalog mit 10 Kernfragen zur Erstellung Ihres IFRS 16 Implementierungsplans.

Time to take action

Das Ende eines Kampfes

Am 13. Januar 2016 veröffentlichte das IASB den lange erwarteten neuen Leasingstandard IFRS 16. Damit wurde ein langwieriger und zäher Kampf beendet, in dem versucht wurde, die Ambition des früheren IASB-Vorsitzenden Sir David Tweedie – nämlich einmal in einem Flugzeug zu sitzen, das auch in den Bilanzen der Airline erscheint – zu verwirklichen. Oder wenigstens beinahe, denn als Zeitpunkt des Inkrafttretens wurde der 1. Januar 2019 festgelegt, also erst in etwa drei Jahren. Für viele CFOs und Führungskräfte der Finanzabteilungen mag diese Atempause ein willkommener Aufschub sein, da die vielen und anscheinend dringlicheren Budget-und Planungsfragen zunächst ihre Aufmerksamkeit erfordern. Allerdings trifft dies möglicherweise nur auf Unternehmen zu, die derzeit keine bedeutenden ausserbilanziellen Leasinggeschäfte abgeschlossen haben.

Der IFRS 16 ist mehr als nur eine Bilanzierungsübung

Für alle übrigen Unternehmen hat dieser Standard das Potenzial, wichtige Bilanz-und Erfolgsrechnungskennzahlen dramatisch zu verändern. Besonders die Luftfahrtindustrie, der Einzelhandel und die Reise- und Freizeitbranche wird in erheblichem Masse von den neuen Leasingregelungen betroffen sein werden. Damit nicht genug: Auch bei allen anderen Unternehmen mit bedeutenden Immobilien-und Fahrzeugleasingverträgen werden die neuen Regelungen deutliche Spuren in ihren Jahresabschlüssen hinterlassen. Aus diesem Grund ist es wichtig, zu verstehen, dass es sich bei dem IFRS 16 nicht nur um eine “Bilanzierungsübung” bzw. eine “Erstmalig-angewendete-Standard-Offenlegung” handelt, die von den unerfahrensten Teammitgliedern oder gar von den Abschlussprüfern durchgeführt werden sollte. Vielmehr verlangt der IFRS 16, dass nahezu alle Leasinggeschäfte in der Bilanz des Leasingnehmers zu erfassen, von zwei Ausnahmen abgesehen:

  • kurzfristige Leasingverträge
  • Leasingverträge, bei denen die zugrunde liegenden Vermögenswerte von niedrigem Wert sind.

Beide können, müssen aber nicht als Vermögenswert erfasst werden. Kurzfristige Leasingverträge haben eine Laufzeit von 12 Monaten oder weniger. Um genau zu sein, schliesst die Laufzeit des Leasingverhältnisses auch die Beurteilung hinsichtlich ggf. bestehender Optionen zur Verlängerung und Beendigung des Leasingverhältnisses ein. Dies hat zur Folge, dass nahezu alle Immobilienleasingverträge, ungeachtet der Länge der unkündbaren Leasingdauer, die in der Schweiz in der Regel zwischen drei und sechs Monaten liegt, in der Bilanz des Leasingnehmers zu erfassen sind. Als Vermögenswerte von niedrigem Wert werden nur Vermögenswerte bezeichnet, die im Neuzustand einen niedrigen Wert haben, wie beispielsweise Laptops, Telefone und Büromöbel. Autos gelten ausdrücklich nicht als Vermögenswerte von “niedrigem Wert”.

Änderungen und deren Auswirkungen auf Ihre Kennzahlen

Der Leasingnehmer muss bei allen Leasingverträgen, für die die o.g. Ausnahmeregelungen nicht gelten, ein Nutzungsrecht als Vermögenswert und eine entsprechende Leasingverbindlichkeit, bei der es sich um eine finanzielle Verbindlichkeit handelt, erfassen. Der Ausweis eines zusätzlichen Vermögenswerts und einer zusätzlichen Verbindlichkeit wirkt sich auf wichtige Kennzahlen wie das Gesamtvermögen, die Eigenkapitalquote, den Verschuldungsgrad und die Renditen, wie zum Beispiel die Gesamtkapitalrendite und den Gesamtkapitalumschlag, aus. Als wäre das nicht genug, wird der neue Standard in den nachfolgenden Perioden auch Auswirkungen auf wichtige Kennzahlen in den Erfolgsrechnungen haben. Die linearen Leasingaufwendungen der gegenwärtigen Operating-Leasingverträge werden durch Abschreibungsaufwendungen des Nutzungsrechts und degressive Zinsaufwendungen für die finanzielle Leasingverbindlichkeit ersetzt, was eine Zunahme des EBIT und einen insgesamt degressiven Kostenverlauf zur Folge hat. Eigenen Schätzungen des IASB zufolge wird bei der Mehrzahl der Unternehmen das EBIT um bis zu 100 Basispunkte zunehmen. Die Krönung aber ist: Da die Abschreibungen des Nutzungsrechts dem EBITDA wieder hinzugerechnet werden, wird für die am stärksten von den neuen Leasingregelungen betroffenen Branchen, ein deutlicher Anstieg des EBITDA um mehr als 100 Basispunkte erwartet.

Warum nicht warten

Aus dem oben geschilderten Sachverhalt erübrigt es sich zu betonen, dass CFOs und Führungskräfte der Finanzabteilungen ein gesteigertes Interesse daran haben sollten, die Auswirkungen der erstmaligen Umsetzung des IFRS 16 auf ihre wichtigen Kennzahlen möglichst bald zu kennen, um:

  • die Kommunikation mit den Investoren entsprechend zu steuern
  • eventuelle Anpassungen von Finanzierungverträgen in Erwägung zu ziehen (z.B. Kreditklauseln)
  • Bonuspläne anzupassen usw. 

Darüber hinaus werden wahrscheinlich weitere Umsetzungsmassnahmen zur globalen Erfassung und Klassifizierung aller Leasingverträge, zur Anpassung von Systemen zur Verwaltung und Dokumentation von Leasingverträgen und zur Zusammenstellung aller für die zusätzlichen Angaben und Offenlegungen notwendigen Informationen erforderlich sein. Einige Entscheidungen im Bereich der Rechnungslegung (z.B. die Beurteilung von Verlängerungs- bzw. Kündigungsoptionen) erfordern ein erhebliches Mass an Ermessensausübung, und einige Bilanzierungsalternativen (wie beispielsweise die Aufspaltung in Leasing-und Servicekomponenten sowie die Optionen bei den Übergangsbestimmungen) eine Entscheidungsfindung auf höherer Ebene.

Nochmals, bis zum 1. Januar 2019 ist genug Zeit für die Umsetzung, aber keine mehr zu vergeuden.

Um weitere Informationen oder ein Beratungsgespräch darüber zu erhalten, wie sich der IFRS 16 auf Ihren Geschäftsbetrieb auswirken könnte, bitten wir Sie, sich an unsere Experten zum Thema IFRS zu wenden.

Fanden Sie diese Seite hilfreich?