IFRS 16, und 5 Fragen

Perspektiven

IFRS 16, und fünf Fragen, die sich jeder Leasingnehmer jetzt stellen muss

Am 1. Januar 2019 tritt der neue Leasingstandard IFRS 16 in Kraft. Neben einem nicht unerheblichen Arbeitsaufwand für die Umsetzung wird er auch bei vielen Unternehmen deutliche Spuren in den Jahresabschlüssen und wichtigen Analyse- und Steuerungskennzahlen hinterlassen.

Daher sollten Verwaltungsräte, CFO und Abschlussverantwortliche von Unternehmen mit wesentlichen operativen Leasingverhältnissen jetzt die folgenden fünf Fragen stellen und beantworten:

1. Welche Auswirkungen wird die Umsetzung von IFRS 16 haben?

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind unter IFRS 16 sämtliche Leasingverhältnisse zu bilanzieren. Während bisher Operating-Leasingverhältnisse vollständig „off-balance“ waren, d.h. weder ein Vermögenswert noch eine Verpflichtung zu bilanzieren war, sind künftig für jeden Leasingvertrag ein „right-of-use“ Vermögenswert und eine entsprechende Leasingverbindlichkeit zu erfassen. Der operative Leasingaufwand wird durch Abschreibungsaufwand und Finanzierungskosten ersetzt. Damit ergeben sich weitreichende Auswirkungen auf wichtige Kennzahlen wie Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad, Vermögensrenditen, EBIT und EBITDA bei Unternehmen, die verstärkt Operating-Leasing nutzen. Die Veränderung der Kennzahlen kann weitere Folgewirkungen nach sich ziehen, wie z.B. das Verfehlen von Kreditbedingungen, Einfluss auf Bonuspläne, Analystenschätzungen uvm.

2. Wer ist betroffen?

Grundsätzlich sind sämtliche Branchen und Industrien von der neuen Leasingbilanzierung betroffen. Insbesondere Unternehmen und Branchen, die Leasingnehmer zahlreicher oder höherwertiger Operating-Leasingverhältnisse, wie umfangreiche Gebäudemieten, sind, dürften mit erheblichen Auswirkungen rechnen. Dazu gehören Unternehmen aus dem Handel, der Hotellerie, Banken sowie Telekommunikationsunternehmen. Aber auch Unternehmen der Logistik und Transportbranche sind stark betroffen.

3. Welche Gestaltungsmöglichkeiten bestehen, um die potentiellen Auswirkungen abzumildern?

Zwar entfällt die Möglichkeit der Sachverhaltsgestaltung einen Leasingvertrag als „off-balance“ Leasingverhältnis zu strukturieren. Dafür sieht der Standard zahlreiche Wahlrechte vor und bietet erhebliche Ermessensspielräume sowie einige Gestaltungsmöglichkeiten, um die Auswirkungen auf wichtige Kennzahlen abzumildern und damit den Folgewirkungen entgegen zu treten. Insbesondere über die Neugestaltung von Geschäftsbeziehungen (z.B. Mobilitätsvertrag statt Fahrzeugleasing) lassen sich die Auswirkungen der IFRS 16 Einführung abmildern. Aber auch wenn weiterhin an Leasingverhältnissen festgehalten werden soll, ergeben sich Gestaltungsmöglichkeiten. So können z.B. Leasinglaufzeiten verkürzt und dafür Verlängerungsoptionen vereinbart werden. Die Umwandlung fester in variable Leasingzahlungen kann ebenfalls einen dämpfenden Effekt auf die Auswirkungen haben. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es aber zu erwähnen, dass der Leasinggeber tatsächlich ein höheres Investitionsrisiko übernehmen muss, um einen Effekt beim Leasingnehmer zu erzielen. Diese Übernahme wird i.d.R. nicht kostenlos möglich sein. Ferner bestehen bei der Bewertung der Leasingverbindlichkeit und damit des „right-of-use“ Vermögenswertes Ermessensspielräume, wie z.B. die Festlegung des Diskontsatzes oder die Bemessung der Mindestleasingzahlungen, die sich gestalterisch nutzen lassen.

4. Ist bei der Umsetzung eine Unterstützung durch IT-Tools sinnvoll?

Bei umfangreichen oder komplexen Leasingverhältnissen steigt die für den Bilanzansatz und Anhangangaben notwendige Datenmenge schnell an. Hier werden zentral oder dezentral geführte Excelmodelle schnell an ihre Grenzen stossen. Da aus den Leasingverträgen für die Finanzberichterstattung u.U. wesentliche Grössen ermittelt werden müssen, ist in diesem Zusammenhang auch auf die Zuverlässigkeit der zugrunde liegenden Daten und Berechnungsmethoden zu achten. Die entsprechenden Prozesse sind in das interne Kontrollsystem zu integrieren. Insofern ist die Implementierung eines IT-Tools, wie z.B. Innosys für Leasing, zu überlegen, um einen qualitativen, effizienten Prozess durch weitgehend automatisierte Kontrollen zu ermöglichen.

5. Was sind die nächsten Schritte?

Sofern noch nicht geschehen, sollten alle Unternehmen, die Leasingnehmer operativer Leasingverhältnisse sind möglichst bald ein Implementierungsprojekt starten. Am Anfang steht die generelle Abschätzung der Auswirkungen der Implementierung des IFRS 16 einschliesslich Folgewirkungen, um daraus eine für das Unternehmen massgeschneiderte Implementierungsstrategie abzuleiten.

Eine detailliertere Analyse und weitere Informationen zu potentiellen Auswirkungen vom neuen Leasingstandard IFRS 16, finden Sie in unserem Expert Focus Artikel:

O. Köster und S. Repetz, Expert Focus 2016/9: IFRS 16 der neue Leasing Standard – Fluch oder Segen für den Schweizer Markt K

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