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Praktische Erkenntnisse zur Implementierung von IFRS 9 und CECL

ASU 2016-13 und Chancen für Umsetzungseffizienzen

Die Rechnungslegungsgremien — das Financial Accounting Standards Board (FASB) und das International Accounting Standards Board (IASB)—haben die Bilanzierungsmodelle für Kreditrisiken überarbeitet. Institutionen, die den Dual-Filing-Anforderungen unterliegen, sollten einen Plan formulieren, der berücksichtigt, wo sich die Anforderungen der Kreditrisikomodelle von FASB und IASB überschneiden. Sie sollten auch potenzielle Chancen für Umsetzungseffizienzen identifizieren.

Zusammenfassung der erwarteten Standards

Sowohl das Wertminderungsmodell des internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS 9 als auch das Modell des FASB in Bezug auf geschätzte Kreditausfälle (Current Expected Credit Loss (CECL)) beruht auf erwarteten Kreditausfällen. Das IASB weicht jedoch vom FASB insofern ab, als dass IFRS 9 einen Drei-Phasen-Ansatz verwendet. Im Rahmen vom IFRS 9 durchlaufen Schuldtitel mit Ausnahme von erworbenen oder selbst ausgegebenen wertgeminderten Schuldtiteln drei Phasen der Kreditqualitätsveränderung.

Daraus folgt, dass ein Finanzinstitut einen erwarteten Kreditausfall bemisst und Zinserträge in folgenden Stufen erfasst:

  • Stufe 1: Rentable Vermögenswerte (performing)
  • Stufe 2: Vermögenswerte mit einem deutlich erhöhten Ausfallrisiko (non-performing) 
  • Stufe 3: Kreditausfall (impaired)

Im Gegensatz dazu verlangt das CECL-Modell des FASB, dass Unternehmen die während der Lebenszeit erwarteten Kreditausfälle für alle Vermögenswerte und nicht nur für solche, die seit dem erstmaligen Ansatz eine deutliche Zunahme des Kreditrisikos verzeichnet haben, erfolgswirksam bewerten. Anders ausgedrückt: CECL verfolgt bei der Messung des Kreditausfalls einen Einzelansatz. Der internationale Rechnungslegungsstandard IFRS 9 hingegen verfolgt einen dualen Ansatz, bei dem erwartete Kreditausfälle in Stufen gemessen werden, um die Kreditverschlechterung über einen Zeitraum darzustellen. Zusätzliche Differenzen und Entsprechungen der Kreditausfallmodelle von FASB und IASB werden nachstehend erörtert.

Praktische Erkenntnisse zur Implementierung von IFRS 9 und CECL

Deutliche Kreditverschlechterung

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Wertminderungsmodellen von FASB und IASB betrifft die Tatsache, dass sich die Kreditverschlechterung auf den Betrag der Wertberichtigung auswirkt, den ein Unternehmen unter IFRS 9 ausweisen würde. Gemäss IFRS 9 werden Schuldinstrumente zwischen den einzelnen Stufen transferiert, um so einer geänderten Kreditqualität Rechnung zu tragen. Aus diesem Grund besteht ein wichtiges Entscheidungskriterium in Bezug auf die Umsetzung von IFRS 9 darin, ob seit der Originierung der Schuldtitel eine erhebliche Verschlechterung des Kreditrisikos eingetreten ist. Je nachdem, ob sich eine Finanzanlage in Stufe 1, Stufe 2 oder Stufe 3 befindet, werden die erwarteten Kreditausfälle über einen 12-Monats-Zeitraum oder über die Lebensdauer der Anlage hinweg gemessen.

Datenanforderungen und Kreditmodellierung

IFRS 9 und CECL führen bei allen Finanzinstituten zu einer grundlegenden Änderung der Messung der Wertminderung von Schuldtiteln. Neben der Notwendigkeit, erwartete Verluste über die Gesamtlaufzeit zu modellieren, werden Fragen rund um Datenqualität, -verfügbarkeit und -erhebung im Mittelpunkt der Umsetzungsbemühungen stehen.

Für die Messung der erwarteten Kreditausfälle gemäss IFRS 9 und CECL werden folgende Daten benötigt:

  • Historische Daten zu Ausfällen, Abgang und Eintreibung
  • Risikograde
  • Überfälligkeitsdaten
  • Interne Indikatoren zur Zahlungswahrscheinlichkeit
  • Vorzeitige Rückzahlungen
  • Sicherheitsinformationen
  • Zukunftsgerichtete Wirtschaftsszenarien
  • Makroökonomische Variablen
  • Ausfallwahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit Originierung und Gesamtlaufzeit
  • Schätzung der Verlustquote bei Kreditausfall
  • Schätzung der Kredithöhe zum Ausfallszeitpunkt
  • Effektivverzinsung
  • Vollständige Rückzahlung
  • Erforderliche Daten für Offenlegungen

Rechnungseinheit

Beim CECL-Modell müssen Einrichtungen Schuldinstrumente auf kollektiver Basis (z. B. Pool) bewerten, wenn sie ähnliche Risikomerkmale aufweisen. Sind die Risikomerkmale eines bestimmten Schuldtitels nicht den Risikomerkmalen eines anderen Schuldtitels des Unternehmens ähnlich, bewertet das Unternehmen den finanziellen Vermögenswert einzeln. Wenn der Schuldtitel in Bezug auf erwartete Kreditausfälle einzeln bewertet wird, darf das Unternehmen verfügbare externe Informationen wie etwa Bonitätseinstufungen und andere Kreditausfallstatistiken nicht ausser Acht lassen. IFRS 9 enthält ähnliche Anforderungen. Das heisst, dass Kreditausfälle auf kollektiver Basis zu bemessen sind, wenn die Schuldtitel ähnliche Kreditrisikomerkmale aufweisen. Diese kollektive Beurteilung gilt auch für die Ermittlung, ob zudem eine deutliche Zunahme des Kreditrisikos eingetreten ist.

Durch Gruppierung auf Grundlage ähnlicher oder gemeinsamer Kreditrisikomerkmale können Banken ihre Methoden zur Bündelung von Schuldinstrumenten aufeinander abstimmen. Sowohl US-GAAP als auch IFRS ermöglichen eine einheitliche Vorgehensweise zur Gruppierung von Engagements zur Beurteilung von Kreditrisiken (beispielsweise nach Produkttyp, Produktbedingungen, Branchen-/Marktsegment, geografischem Standort oder Jahrgang).

Messung von erwarteten Kreditausfällen

IFRS 9 und das CECL-Modell des FASB lassen Spielraum bei der Schätzung erwarteter Kreditausfälle – ein Unternehmen kann eine Reihe von Messansätzen verwenden, um die Höhe der Wertberichtigung festzulegen. Bei IFRS 9 und beim CECL-Modell sind Informationen über vergangene Ereignisse, gegenwärtige Bedingungen sowie angemessene und vertretbare Prognosen zukünftiger Konjunkturbedingungen bei der Messung erwarteter Kreditausfälle mit zu berücksichtigen. Die Modelle unterscheiden sich darin, wie der Geldzeitwert von der Schätzung des erwarteten Kreditausfalls widergespiegelt werden soll.

Gemäss IFRS 9 müssen die erwarteten Verluste für nicht erworbene oder originierte wertgeminderte Schuldtitel unter Verwendung des effektiven Zinssatzes des Vermögenswerts (oder eines Annäherungswerts davon), der beim erstmaligen Ansatz festgelegt wurde, auf den Bilanzstichtag abgezinst werden (d. h. der Geldzeitwert muss ausdrücklich integriert werden). Das CECL-Modell sieht vor, dass Schätzungen der erwarteten Kreditausfälle den Geldzeitwert nur dann ausdrücklich widerspiegeln müssen, wenn die erwarteten Kreditausfälle mithilfe des Discounted-Cashflow-Ansatzes ermittelt werden.

Schaffung eines integrierten Rahmens und Ansatzes

Die Einführung eines integrierten Ansatzes für eine durchgehende Prozessgestaltung und die Umsetzung von standardisierten Prozessen und Kontrollen kann die Implementierung erheblich erleichtern und die Abläufe vereinfachen. Des Weiteren sorgt ein gut durchdachter integrierter Ansatz für Konsistenz und wird von Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsbehörden eher akzeptiert.

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