Perspektiven

Wie das Audit Committee den Prüfer beurteilt

Stärker professionalisierte VR-Gremien beeinflussen Zusammenarbeit und Beurteilung der Leistung der Revisionsstelle.

Artikel veröffentlich in der Handelszeitung am 7. Februar 2019

Die Prüfungsausschüsse (Audit Committees) nehmen innerhalb der Corporate Governance von börsenkotierten und grösseren Unternehmen einen immer wichtigeren Platz ein. Üblicherweise setzen sich Audit Committees aus nicht exekutiven und unabhängigen Mitgliedern des Verwaltungsrats zusammen, die meist Erfahrungen aus dem Finanz- und Rechnungswesen mitbringen. Zu Beginn vor allem zur Verhinderung von Unternehmensskandalen gedacht, sind Prüfungsausschüsse heute ein wichtiges Element in der Beurteilung des Jahresabschlusses und in der Kommunikation der Ergebnisse, des internen Kontrollsystems sowie nicht zuletzt auch der Leistung der internen und externen Prüfer. Doch wie erfolgt die Beurteilung der Leistung des Abschlussprüfers konkret?

Bereits wurden verschiedentlich verbindliche Indikatoren für die Qualitätsmessung der Prüfung festgelegt. Der Internationale Berufsverband IAASB hat beispielsweise mit dem Audit Quality Framework ein Rahmenkonzept für die Prüfungsqualität ausgearbeitet. Ebenso definierte das Public Company Accounting Oversight Board (PCAOB) verschiedene Indikatoren, die dem Prüfungsausschuss eine Beurteilung der Prüfungsqualität ermöglichen. Und in der Schweiz hat die Eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde (RAB) mit dem Audit Committee Guide einen Leitfäden erarbeitet, der Audit Committees in der Zusammenarbeit mit dem Abschlussprüfer unterstützen kann. In der Praxis zeigt sich, dass insbesondere drei Bereiche einen wesentlichen Beitrag zur qualitativ hochstehenden Arbeit der externen Revisionsstelle leisten.

Mögliche Audit Quality Indicators

Enge Zusammenarbeit

Sicherlich nicht ganz unerwartet steht als Erstes das Zusammenspiel zwischen dem Audit Committee und dem Abschlussprüfer. Beide sind den Aktionären verpflichtet: Das Audit Committee als Aufsichtsgremium, die Revisionsstelle als Kontrollinstanz. Das Vertrauensverhältnis muss also gegeben sein - insbesondere zwischen dem oder der Vorsitzenden des Prüfungsausschusses und der Mandatsleitung beim Abschlussprüfer. Neben der unerlässlichen fachlichen Kompetenz und der unabhängigen Betrachtungsweise ist es also wichtig, dass beide Seiten eng zusammenarbeiten und sich vertrauen. Bei Deloitte geht man hier noch einen Schritt weiter: Mandatsleiter und Prüfteam werden für jedes Unternehmen sehr sorgfältig nach dem eigens entwickelten Deloitte-Business-Chemistry-Ansatz ausgewählt. Dieser unterscheidet zwischen verschiedenen Arbeitsstilen und Persönlichkeitsmerkmalen.

Zweitens stellt die periodische Beurteilung der Prüfungsleistung anhand von qualitativen und quantitativen Bewertungskriterien einen wichtigen Bestandteil der Prüfqualität dar. Es ist empfehlenswert, dass ein Prüfungsausschuss sogenannte Audit Quality Indicators definiert, die die Erfüllung der Erwartung an die Abschlussprüfung messen (siehe Tabelle). Solche Indikatoren können zum Beispiel die Branchenerfahrung des Prüfungsteams, der Umfang des Beizugs von Spezialisten oder die Ergebnisse von Inspektionen durch Regulatoren sein. Wichtig ist, dass die Indikatoren im Einklang mit den Erwartungen des Audit Committee erarbeitet werden. Insbesondere soll sichergestellt werden, dass das Management die Erwartungen des Audit Committee an die Prüfung kennt und die Revisionsstelle bei der Prüfung entsprechend unterstützt. Zudem fördert dieses Vorgehen eine transparente Kommunikation zwischen Audit Committee, Management und Abschlussprüfer.

Regelmässiger Informationsaustausch

Schliesslich ist drittens der Informationsaustausch zwischen dem Prüfungsausschuss und dem Abschlussprüfer unter dem Jahr von hoher Bedeutung. Der Austausch mit dem Audit Committee, zum Bespiel anlässlich von sogenannten Private Sessions, dient dazu, die Erwartungen richtig zu erfassen und später darüber Bericht zu erstatten. In der Praxis hat sich zudem bewährt, dass die Revisionsstelle anlässlich der Sitzungen des Audit Committee grundsätzlich anwesend ist Die Abschlussprüfung leistet einen essenziellen Beitrag zur Vertrauensbildung. Dank innovativen Technologien können heute riesige Datenmengen gesammelt und ausgewertet werden. Hinzu kommen verbesserte Reporting-Methoden, die ganz neue Einblicke und Eingriffsmöglichkeiten in ein Unternehmen ermöglichen. Ebenso braucht es für eine qualitativ hochstehende Abschlussprüfung immer auch bestens ausgebildete Fachleute und viel Praxiserfahrung. Schliesslich trägt auch der Prüfungsausschuss wesentlich dazu bei, dass die Abschlussprüfer zielgerichtet arbeiten und ihre Aufgabe im Rahmen der Corporate Governance bestmöglich und messbar wahrnehmen können.

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