Transformation der Schweizer Wirtschaft

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Welche Schlüsselkompetenzen braucht es im digitalen Zeitalter?

Auswirkungen der Automatisierung auf die Mitarbeiter, die Unternehmen und das Bildungssystem

Der Einfluss der Automatisierung und Digitalisierung auf die Arbeitswelt dürfte in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Die Deloitte-Studie „Welche Schlüsselkompetenzen braucht es im digitalen Zeitalter?“ beleuchtet die damit verbundenen Auswirkungen auf die Schweizer Beschäftigten und zeigt auf, welche Kompetenzen in Zukunft besonders gefragt sein werden. Ebenso wird der Frage nachgegangen, wie das Bildungssystem und die Unternehmen auf diese Veränderungen reagieren sollten. 

Welche Schlüssel-kompetenzen braucht es im digitalen Zeitalter?

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Beschäftigungswachstum dank Automatisierung

Automatisierung hat in den vergangenen Jahren mehr Stellen geschaffen als verdrängt. Von den rund 800'000 neuen Stellen, die zwischen 1990 und 2013 entstanden sind, dürften rund 25% resp. 200'000 alleine auf die Automatisierung zurückzuführen sein. Es ist davon auszugehen, dass die Automatisierung auch in den nächsten Jahrzehnten mehr Stellen schaffen als ersetzen wird. Gleichwohl dürften sich die Transformation und die Verschiebung von Stellen innerhalb und zwischen den Branchen beschleunigen.

Zunahme der Wissens- und Bildungsintensität

In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Beschäftigten deutlich zugenommen, für die kognitive Kompetenzen und Fachwissen im Bereich Kundenservice wichtiger wurden. Dies unterstreicht den Trend in Richtung einer dienstleistungsorientierten Schweizer Wirtschaft. Gleichzeitig haben auch das Ausbildungsniveau und die komplexen Problemlösungsfertigkeiten der Beschäftigten an Bedeutung gewonnen.

Kreativität, soziale Intelligenz und ICT-Kenntnisse als zukunftsweisende Kompetenzen

Besonders zukunftssichere Kompetenzen sind Kreativität und soziale Intelligenz. Sie dürften für die Ausübung eines Grossteils der neu geschaffenen Stellen bis 2030 erforderlich sein. Gleichzeitig schützen sie auch vor Automatisierung, da Menschen in Sachen Kreativität und sozialer Intelligenz gegenüber Maschinen und Software eindeutig im Vorteil sind. Gefragt sein werden in Zukunft auch vermehrt Personen, die über ausgeprägte mathematische oder technische Kompetenzen im ICT-Bereich verfügen. Die Arbeitsmarktchancen und der Schutz vor Automatisierung dieser Personen lassen sich aber deutlich erhöhen, wenn deren mathematische und technische Kompetenzen mit Kreativität und/oder sozialer Intelligenz kombiniert werden können.

Die Chancen in der Nische: Ausbildung, Gesundheit und Kommunikation

Gute Zukunftschancen bieten sich auch für Personen mit ausgeprägten Kompetenzen im Bereich Ausbildung, Gesundheit und Kommunikation. Sie dürften zwar nicht für die Mehrheit der neu geschaffenen Berufe wichtig sein und können daher als Nischenkompetenzen bezeichnet werden, doch auch sie bieten Schutz vor Automatisierung.

Zukunftschancen für Tieferqualifizierte dank Flexibilität und Vielseitigkeit

Menschen haben nicht nur im Bereich kreativer und sozialer Intelligenz einen Vorteil gegenüber Maschinen, sondern auch bei der Vielseitigkeit und situativen Anpassungsfähigkeit – Kompetenzen die z.B. für Köche oder Coiffeure wichtig sind. Daher dürfte es auch für Personen mit einem eher tieferen Ausbildungsniveau, die aber handwerklich begabt sind und über hohe psychomotorische Kompetenzen verfügen, Zukunftschancen geben.

Gut aufgestelltes Ausbildungssystem mit Verbesserungspotenzial

Dank der relativ hohen Durchlässigkeit und der Praxisnähe des Bildungssystems sowie dem hohen Bildungsniveau der Beschäftigten ist die Schweiz in Sachen Ausbildung gut aufgestellt. Gleichwohl sind Anpassungen nötig, damit das Bildungssystem für die Herausforderungen der Automatisierung und Digitalisierung gewappnet ist. Dazu gehören etwa eine Beschleunigung der Anpassungsprozesse in der Berufsbildung, damit rasch genug auf Veränderungen der Berufsbilder und deren Kompetenzanforderungen reagiert werden kann, sowie eine stärkere Berücksichtigung von ICT-Kompetenzen und sozialer Intelligenz in der Grundausbildung.

Lebenslanges Lernen durch Weiterbildung

Neben der Ausbildung kommt auch der Weiterbildung und Umschulung ein wichtiger Stellenwert zu. Damit Beschäftigte möglichst rasch auf die durch Automatisierung und Digitalisierung verursachten Veränderungen der Kompetenzanforderungen reagieren können, sind sie auf lebenslanges Lernen durch Weiterbildung angewiesen. Gerade bei eher tiefer qualifizierten Beschäftigten fehlt es aber oftmals an der Bereitschaft, an Weiterbildungen teilzunehmen. Eine verstärkte Sensibilisierung für die Wichtigkeit von Weiterbildung von Seiten des Staates sowie der Unternehmen könnte dem entgegen wirken.

Verstärkte Motivation und Weiterbildung von Mitarbeitern

Die Unternehmensattraktivität kann durch individualisiertes Talent-Management und durch die Förderung der Arbeitsmarktfähigkeit der Mitarbeiter erhöht werden. Dadurch steigen Motivation und Produktivität der Mitarbeiter – Faktoren, die im digitalen Zeitalter besonders wichtig sind, um gute Mitarbeiter im Unternehmen zu behalten oder neue zu gewinnen. Dasselbe gilt für die Förderung der Weiterbildung. Unternehmen sollten unternehmensrelevante Weiterbildung in der Unternehmenskultur verankern und mithilfe digitaler Technologien neue Angebote und Möglichkeiten integrieren.

Bessere Mitarbeiterrekrutierung dank verstärktem Einsatz digitaler Technologien

Die Verwendung digitaler Technologien kann die Rekrutierung von neuem Personal erleichtern. Eine verstärkte Verwendung und Auswertung von mobilen und sozialen Nutzerdaten zur Personalsuche erhöhen die Informationsdichte und die Genauigkeit der Evaluation. Zudem kann digitale Technologie auch beim direkten Kontakt mit Bewerbern zum Einsatz kommen und so den Rekrutierungsprozess unterstützen. Ein Beispiel dafür ist ein online durchgeführter Verhaltenstest oder ein Videointerview.

Webcast zur Automatisierungs-Studie

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