Perspektiven

Nur ein gutes Drittel der Smartphones wird in der Schweiz wiederverwendet

Smartphones werden immer unentbehrlicher

Kein Smartphone zu besitzen wird in der Schweiz zur Seltenheit. Smartphones werden immer mehr zum multifunktionalen Instrumentarium für alle Lebensbereiche und in Zukunft vermehrt zum unentbehrlichen Assistenten. Bei der Wiederverwertung des alten Geräts ist die Schweiz kein Vorbild.

Laut Global Mobile Consumer Survey 2018 besitzen 92% der Erwachsenen in der Schweiz mindestens ein Smartphone. Ähnliche Trends werden weltweit beobachtet.

Früher wurden Smartphoneverkäufe durch den Übergang von klassischen Handys zu Smartphones angetrieben. Heute ist diese Erstausstattungswelle vorbei. Die Anzahl der Personen, die kein Smartphone besitzen, aber womöglich eines kaufen werden, ist zu klein, um einen spürbaren Einfluss auf den Geschäftsumsatz zu haben.

Zukünftige Profite können durch neue Smartphones, die das Leben und die Arbeit erleichtern, erzielt werden. Einige Smartphone-Anwendungen könnten in zahlreichen Berufen zu unentbehrlichen Tools werden. Besonders Anwendungen mit erweiterter Realität (augmented Reality – AR) bergen ein signifikantes Potential, das besonders zu Tage tritt, sobald der 5G-Standard wirksam wird.

„Einige Branchen, besonders die Einzelhandels-, Bau- und Gesundheitsbranche, haben grosses Potenzial für innovative AR-Anwendungen. Darüber hinaus könnten Schulungen und Ausbildungen vermehrt durch AR-Smartphone-Apps unterstützt werden. Diese beiden Entwicklungen sind potenzielle zukünftige Markttreiber.”

Bjørnar Jensen, Managing Partner für den TMT-Sektor von Deloitte Schweiz

Neue Smartphones erobern die Schweiz, aber was tun die Konsumenten mit ihren alten Geräten? 17% geben es an Freunde oder Verwandte weiter und bei sogar noch mehr Benutzern (37%) liegt es „für den Notfall” in der Schublade. Ein Grund für diese hohe Prozentzahl liegt möglicherweise bei den immer höheren Preisen für Neugeräte, die über 1’000 Schweizer Franken kosten können. Während viele Konsumenten in der Schweiz zwar gerne das neueste und beste Gerät kaufen, finden sie es auch beruhigend, auf das alte Gerät zurückgreifen zu können, falls das neue kaputtgeht.

Viele alte Geräte werden wiederverwendet

Weitere 17% der Befragten in der Schweiz geben an, ihr altes Handy verkauft zu haben, und 9%, ein gebrauchtes gekauft zu haben. Der Second-Hand-Markt für Smartphones wächst und wird ebenfalls zur relevanten Geschäftsmöglichkeit.

Manche Kunden sind nicht bereit, mehr als 1’000 Schweizer Franken für ein neues Smartphone auszugeben, oder sie bevorzugen aus Umweltgründen ein Gebrauchtgerät. Ein paar Anbieter in der Schweiz erzielen zunehmend Erfolg, indem sie gebrauchte, bereinigte und reparierte Handys anbieten, die oft mit Garantie verkauft werden.

Roger Lay, Direktor Mobile Enterprise bei Deloitte Digital

Die Anzahl recycelter Geräte in der Schweiz ist immer noch ziemlich niedrig: nur 6% der Befragten recyceln ihr Gerät gratis, indem sie es an den Mobilnetzbetreiber oder ein Elektrogeschäft zurückgeben. Zum Vergleich: 10% der Befragten in Grossbritannien (GB) recyceln ihr Handy.

Bei der Wiederwertung ist die Schweiz kein Vorbild: 7% der Schweizer Befragten werfen ihr altes Handy einfach weg, nachdem sie ein neues gekauft haben. Mehr als 80 000 Mobiltelefone landen in der Schweiz jährlich in der Abfallverbrennungsanlage. Angesichts der zunehmenden Knappheit vieler Rohmaterialien, aus denen Smartphones hergestellt werden, ist das Wegwerfen eines Altgeräts höchst problematisch.

Es wäre nicht nur aus der Umweltperspektive, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoller, ein Gerät wiederzuverwenden. In Grossbritannien gibt es bereits Anbieter, die Altgeräte gegen Bezahlung zurücknehmen. Die höhere britische Recyclingquote ergibt sich zur Hälfte aus diesen bezahlten Rücknahmen. Ähnliche Dienste in der Schweiz würden Konsumenten neben Umweltaspekten einen monetären Anreiz zum Recyceln geben. Beides zusammen könnte mehr Schweizer Konsumenten motivieren, ihre Handys zu recyceln oder wiederzuverkaufen.

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