Posted: 30 Nov. 2021

Deloitte CEO Survey 2021 | Winter

Was bewegt die Entscheider zum Jahreswechsel?

Im aktuellen CEO Survey, den Deloitte gemeinsam mit Fortune Mitte September 2021 durchgeführt hat, benannten 117 Geschäftsführer führender Unternehmen aus mehr als 15 Branchen ihre Erwartungen und Herausforderungen. Übergeordnete Themen waren Wirtschaftswachstum, der Kampf um Arbeitskräfte sowie die eigene Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels. Damit stehen für die CEOs derzeit ganz ähnliche Themenfelder ganz oben auf der Agenda wie für die CFOs, die für den aktuellen CFO Survey befragt worden waren.

Zu Beginn des Jahres hatten CEOs noch mehrheitlich von 2021 als dem "Jahr der Hoffnung" gesprochen. Diese Hoffnungen verwandelten sich im Sommer sogar in kühne Wachstumserwartungen. Mittlerweile hat die vierte Corona-Welle das postpandemische, vermeintlich goldene Zeitalter vorerst in die Warteschleife verbannt und der Blick in die Zukunft fällt etwas weniger euphorisch aus – doch die Entscheider gehen weiterhin von einem stabilen Wachstum aus.

Der überwiegende Teil der Firmenlenker zeigt sich im Hinblick auf die Wachstumsentwicklung am Markt optimistisch. Im branchenübergreifenden Durchschnitt gehen zwei Drittel der Befragten von einem starken oder sogar sehr starken Wachstum in den kommenden 12 Monaten aus.

 

Welche Risiken lauern am Horizont?

Die Stimmung ist also insgesamt gut. Allerdings glauben bei der aktuellen Herbst-Befragung nur noch 11% der CEOs, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie bis zum Ende des Jahres 2021 nicht mehr zu spüren sein werden. Im Juni waren es noch 53% gewesen. Fast jeder dritte CEO wagt keine Prognose, ab wann die Pandemie im Geschäftsleben keine Rolle mehr spielen wird, und rechnet für unbestimmte Zeit damit, dass es jederzeit wieder zu "Corona-Verschärfungen" kommen kann.

Konsequenterweise gehören die Auswirkungen der Pandemie sowie mögliche neue Mutationen des Corona-Virus zu den äußeren Einflüssen, die nach Ansicht der Befragten den Erfolg ihrer Business Strategie in den nächsten 12 Monaten am stärksten gefährden. 70% von ihnen befürchten hier weitere Komplikationen. Dafür spielt die Sorge bezüglich Cyber-Kriminalität eine deutlich geringere Rolle als vor drei Monaten. Hatten im Juni noch 86% der CEOs die Cyber Security als wichtigste Baustelle benannt, waren es im September nur noch 29%. Dafür steht ein anderes Thema ganz oben auf der Agenda: Der Fachkräftemangel bereitet mit 73% der Nennungen den meisten Entscheidern Kopfzerbrechen.

 

Der „Kampf um die besten Köpfe“ hat höchste Priorität

Folglich sehen sie im Wettstreit um die bestmöglichen Fachkräfte auch ihre wichtigste Aufgabe für die nähere Zukunft. Dabei ist eine interessante Verschiebung der Prioritäten zu beobachten: Im Juni noch hatten 71% der CEOs vom Ziel einer Neustrukturierung der Belegschaft gesprochen, während im September nur noch 57% den Schwerpunkt auf die Rekrutierung von Nachwuchskräften legen und 51% die Herausforderung sehen, vorhandene Fachkräfte in ihrem Unternehmen zu halten.

Auch die Unternehmenskultur rückt zunehmend in den Blickpunkt. Mehr Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion haben sich 43% der CEOs auf die Fahnen geschrieben – im Vergleich zu 34% in der Juni-Umfrage.

Die postpandemischen Anforderungen an Arbeitsplätze werden andere sein als vor der Corona-Krise. Mit einem höheren Grad an Flexibilität durch einen Mix aus Homeoffice und Präsenz-Arbeit im Büro sowie weniger Dienstreisen wollen 80% der CEOs die begehrten Talente überzeugen.

 

Digitalisierungsmaßnahmen sichern die Arbeitsplätze von morgen

In diesem Zusammenhang spielt die fortschreitende Digitalisierung eine entscheidende Rolle – als Voraussetzung für den Arbeitsplatz der Zukunft. Durchgängig digitalisierte Geschäftsprozesse, bei denen Mitarbeiter von überall Cloud-basiert und mobil auf alle relevanten Prozesse und Daten zugreifen können, ermöglichen hybrides Arbeiten remote aus dem Homeoffice sowie im Büro in eigens dafür eingerichteten, geteilten Arbeitsplätzen.

53% der befragten CEOs nennen einen Ausbau dieser Entwicklung in der September-Umfrage als wichtiges Unternehmens-Ziel. Wie richtig sie damit liegen, belegt das aktuelle Deloitte Ecomonic Trends Briefing, das aufzeigt, dass die Schäden für die Wirtschaft während der Corona-Krise ohne Digitalisierung noch viel gravierender ausgefallen wären.

Auch der aktuelle CFO Survey Herbst 2021 belegt die gesteigerte Bereitschaft der Unternehmen, in Digitalisierungsmaßnahmen zu investieren. Branchenübergreifend haben demnach 84% der Unternehmen geplant, Mittel für zusätzliche digitale Technologien und das Thema Cyber Security bereitzustellen.

 

Weiche Kriterien sollen den Ausschlag geben

Weitere Assets, mit denen der Kampf um die besten Köpfe geführt wird, sind neben einem stärkeren Augenmerk auf Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (68%) auch die stärkere Betonung des gesellschaftlichen Nutzens der eigenen Tätigkeit (ebenfalls 68%) sowie ein Fokus auf das Wohlbefinden und die geistige Gesundheit der Angestellten (65%). Diesen eher weichen Kriterien messen die CEOs mittlerweile eine größere Bedeutung bei als klassischen Anreizen wie Gehaltserhöhungen (50%), Weiterbildungsprogrammen (47%) und einer besseren Work-Life-Balance (24%).

 

Bekämpfung des Klimawandels als Unternehmensziel

Eine weitere zentrale Herausforderung für die CEOs ist der Klimawandel bzw. die Aufgabe, diesem mit entschlossenen Maßnahmen entgegenzuwirken. 90% bezeichnen ihn als dringendes Thema und immerhin 86% sind der Überzeugung, dass ihre Unternehmen in diesem Zusammenhang eine positive Rolle spielen können. 75% gaben an, ihr Unternehmen arbeite dazu auch mit externen Stellen zusammen.

Die konsequente Verfolgung einer eigenen Klima-Agenda ist aber nicht nur gesellschaftspolitisch geboten, sie scheint darüber hinaus auch betriebswirtschaftlich sinnvoll: 85% der befragten CEOs sind der Meinung, dies mache ihr Unternehmen attraktiver für dringend benötigte Arbeitskräfte.

Die Befürchtung, ehrgeizige Klimaziele der Unternehmen könnten kurzfristig ihre Gewinnerwartung drücken, haben dabei nur 17% der CEOs. Den langfristigen Shareholder Value sehen mit 4% noch deutlich weniger CEOs gefährdet. Es gibt also kaum Bedenken, dass sich der Klimaschutz negativ aufs Geschäft auswirken wird – selbst, wenn er in vielen Fällen im Gegensatz zu kurzfristigen ökonomischen Interessen der Unternehmen zu stehen scheint. Der strategische Nutzen überwiegt hier deutlich – nicht nur fürs Recruiting.

 

So steht es konkret um die Einhaltung der Klimaziele

Wie viele Unternehmen geben an, im Sinne der UN-Klimaziele bis zum Jahr 2050 CO2-neutral arbeiten zu können? 4% der CEOs nehmen für sich in Anspruch, dieses ehrgeizige Ziel mit ihrem Unternehmen bereits erreicht zu haben, 70% geben an, in den verbleibenden knapp 30 Jahren nachzuziehen. Die übrigen 30% haben noch keinen konkreten Maßnahmenplan – was immerhin eine Verbesserung bedeutet, denn im Januar waren es noch 40% gewesen.

Umsonst gibt es den Klimaschutz auch auf Unternehmensebene nicht. Die höchsten Klima-Kosten erwarten 34% der Verantwortlichen durch eine notwendige Umwandlung ihres Geschäftsmodells und der Wertschöpfungskette. Auch die Investition in Klimaschutzprojekte bzw. Zahlungen zur CO2-Kompensation werden von 21% als Kostenfaktor genannt.

 

Das Selbstverständnis der Firmenlenker

Und wie definieren die CEOs ihre Aufgabe bei der Bewältigung all dieser Herausforderungen? In erster Linie sehen sie sich als strategische Vordenker, die mit ihren Entscheidungen den Rahmen für notwendige Entwicklungen und Veränderungen im Unternehmen setzen. Darüber hinaus wollen sie auf dem eingeschlagenen Weg auch die Belegschaft durch Überzeugung und Motivation mitnehmen. 

Die Durchführung dringend benötigter Digitalisierungsmaßnahmen, der sich weiter zuspitzende war for talent und dazu noch ein Beitrag zur Rettung der Welt – die Aufgaben könnten kaum größer sein. Dennoch gehen die 117 im Rahmen des Deloitte CEO Survey befragten Entscheider relativ zuversichtlich in die nähere Zukunft. Wir sind schon sehr gespannt auf das erste Stimmungsbild im neuen Jahr.

2021 Fortune/Deloitte CEO Survey

Hier finden Sie die Highlights der Erhebung zum Download

The health-savvy CEO

Gesundheit und Wohlbefinden sind zu dringenden Prioritäten des CEO geworden. Lesen sie unseren Deloitte Insights Artikel in Englisch.

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Wayne Nelson

Wayne Nelson

EMEA Strategy Consulting Leader | Monitor Deloitte

Wayne leads Deloitte’s Strategy Service Line, Monitor Deloitte, in Europe, Middle East and Africa (EMEA). His consulting practice in Deloitte Germany has focused on helping global pharma and med-tech clients achieve a better understanding of their customers and competitors and drive this understanding through to clear strategic choices, R&D priorities, and innovative marketing and sales programs.  He is an Honorary Fellow in the Faculty of Management at the Cass Business School, City, University of London. Prior to joining Monitor, Wayne was a member of the MIT Commission on Industrial Productivity. He obtained degrees from Georgetown University’s School of Foreign Service and from MIT.