Was Frauen häufig zurückhält, ist die Angst vor Kritik und das Bedürfnis, es allen recht machen zu wollen.

Birgit, Partnerin im Bereich Financial Services Tax, berichtet über ihre spannenden Erfahrungen rund um das Thema Female Leadership.

Hallo, mein Name ist Birgit und ich bin Partnerin im Bereich Financial Services Tax bei Deloitte.
Wie zukünftige Female Leader unterstützt und gefördert werden können und wie ich es schaffe, meinen Prinzipien treu zu bleiben, erzähle ich euch gerne im Folgenden.

Was Frauen häufig zurückhält, ist die Angst vor Kritik und das Bedürfnis, es allen recht machen zu wollen.

In vielen Businesses ist der Männeranteil größer als 50 %. Wie wirkt sich dies auf die tägliche Zusammenarbeit für dich aus, zum Beispiel hinsichtlich Umgangston und -formen, Flexibilität oder Verständnis für Beruf und Familie?
Ich bin seit über 15 Jahren in der Beratung des Finanzdienstleistungssektors tätig und an der Männerdomäne hat sich nach wie vor leider nichts geändert. In Meetings bin ich häufig die einzige Frau, was Vor- und Nachteile hat. Ein klarer Vorteil ist oftmals, dass ich persönlich hervorsteche und damit auch das von mir Gesagte stärker in Erinnerung bleibt. Ich habe in Meetings aber auch schon das komplette Gegenteil erlebt, nämlich, dass die maßgeblichen Entscheidungen allein von den männlichen Führungskräften getroffen wurden.

Es wäre jedenfalls sehr wertvoll, wenn Projekte immer aus halbwegs gleichmäßig gemischten Teams bestünden. Es ist deutlich zu erkennen, dass sich ein diverses Team zum Beispiel positiv auf das Arbeitsklima auswirkt. Auch wenn es darum geht, Leistungen beim Mandanten zu platzieren, kommt ein gut gemischtes Team super an. Meine Erfahrung ist, dass Mandanten bei der Auswahl eines Beraterteams zunehmend auf Diversität achten und man damit somit echt punkten kann.

Wie stehst du zur Frauenquote?
Vielen Unternehmen wurde erst durch die Berücksichtigung der Frauenquote bewusst, wie viele hochqualifizierte und engagierte Frauen es eigentlich in ihren Unternehmen gibt. Vor diesem Hintergrund finde ich die Frauenquote gut und wichtig.  

Was sind deiner Meinung nach die Gründe dafür, dass Frauen in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert sind?
Ich glaube, dass Frauen sich häufig viel zu wenig zutrauen, auch wenn sie für eine Führungsposition absolut qualifiziert sind. Was Frauen häufig zurückhält, ist die Angst vor Kritik und das Bedürfnis, es allen recht machen zu wollen. Ich habe es schon häufig erlebt, dass Frauen erst dann den nächsten Schritt zu etwas wagen, wenn sie sich perfekt vorbereitet fühlen. Bis dahin haben sich die männlichen Kollegen, die sich das Ganze schon mit 80%iger Vorbereitung zutrauen, die Führungsposition allerdings schon lange gesichert. Auch es allen recht machen zu wollen, funktioniert in der Praxis leider nicht immer. Als Führungskraft müssen häufig Entscheidungen getroffen werden, die nicht alle gut finden. Wichtig ist dabei, seinen Prinzipien treu zu bleiben. Auch die Angst davor, kritisiert zu werden, hält viele Frauen davon ab, eine Führungsposition einzunehmen. Dabei gehört Kritik zu einer Führungsposition einfach dazu.

Was sind für dich persönlich die wichtigsten Maßnahmen, um Female Leader stärker zu unterstützen und zu fördern?
Viele bringen bei dieser Frage sicherlich die vielen Women Leadership Programme an, zu denen ich jedoch eher eine differenzierte Meinung habe. Auch ich habe in meiner Karrierelaufbahn schon einiger solcher Programme durchlaufen und diese ehrlicherweise oft als zusätzliche Belastung empfunden, weil ich dadurch im Gegensatz zu meinen männlichen Kollegen, die „nur“ die Development Programme durchlaufen, mehr Aufwand hatte. In Sachen Netzwerk habe ich von den Programmen jedoch total profitiert. Gerade weil Frauen in Führungspositionen immer noch in der Minderzahl sind, ist meiner Meinung nach die Solidarität unter diesen Frauen sowie die Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen, sehr groß.  Auch ein professionelles Coaching sowie ein guter Mentor können Frauen auf ihrer Karrierelaufbahn unterstützen. Solche Maßnahmen werden von vielen Unternehmen angeboten und ich kann jeden nur ermutigen, dies in Anspruch zu nehmen, weil es privat häufig gar nicht so einfach ist, einen guten Mentor zu finden, da die Chemie hier einfach stimmen muss. Wenn man ihn allerdings gefunden hat, kann jeder wirklich noch eine Menge lernen und sich extrem weiterentwickeln.

Was braucht es deiner Meinung nach, um als junge Frau im Job erfolgreich zu sein und so die Basis für eine angehende Führungskraft zu schaffen?
Das aller Wichtigste ist es, das zu tun, was einem Spaß macht. Ich bin davon überzeugt, dass jeder nur in den Dingen richtig gut sein kann, die sie oder er auch gerne macht. Dinge sollten eben etwa nicht nur getan werden, um dafür Lob oder Anerkennung zu bekommen, denn wenn das dann ausbleibt, frustriert es nur. Um erfolgreich zu sein, braucht es auch die Fähigkeit, mit Kritik professionell umzugehen und diese nicht persönlich zu nehmen. Hierbei hilft es zu erkennen, welche Kritik einen persönlich am meisten trifft. Meistens sind das Bereiche, die man für sich selbst schon als Schwachstelle erkannt hat. Um gemeinsam an diesen zu arbeiten, kann dann zum Beispiel ein Coach helfen. Auch ist es wichtig, Feedback richtig verarbeiten zu können, denn es ist manchmal wirklich eine Kunst, das Feedback herauszufiltern, das einen wirklich weiterbringt. Zuletzt braucht es meiner Meinung nach noch eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. Dabei sollte man sich nicht ständig mit anderen vergleichen, auch wenn das gerade in einem so großen Unternehmen wie Deloitte manchmal gar nicht so einfach ist.

Wie wichtig ist ein gutes Netzwerk für dich und wie pflegst du dieses?
Ein gutes Netzwerk ist sehr wichtig, sowohl innerhalb des Unternehmens als auch außerhalb, und je höher man auf der Karriereleiter klettert, desto wichtiger wird es. Ein gutes Netzwerk hilft in vielerlei Hinsicht. Nicht nur dabei, das Business aufzubauen und neue Aufträge zu generieren, das richtige Team für Projekte oder den passenden Sparrings Partner zur Diskussion von fachlichen Themen zu finden, sondern auch dabei, schneller in einer neuen Umgebung zurechtzukommen. Eine stetige und gesunde Pflege ist daher essenziell. Jedem selbstverständlich sein sollte auch, dass ein Netzwerk nicht zum „Absaugen“ von Informationen genutzt werden sollte oder, um das Beste für sich selbst herauszuholen. Wichtig ist, dass man auch etwas zurückgibt, in Form von Informationen, Engagement oder Unterstützung.

Wie würdest du insbesondere junge Bewerberinnen motivieren, bei Deloitte einzusteigen?
Als weibliche Führungskraft agiere ich gerne als Role Model, unbewusst oder bewusst. Ich versuche Bewerberinnen mit meiner Rolle als Female Leader immer aufzuzeigen, dass eine Working Mum bei Deloitte vieles erreichen kann. Außerdem macht es mir persönlich sehr viel Spaß, junge Leute – egal ob männlich oder weiblich – für das Steuerrecht und die Financial Services Industry zu begeistern.

Eine gute Ausbildung, die zudem noch Spaß macht, ist mir sehr wichtig und das versuche ich auch den Studierenden in meinen Vorlesungen zu vermitteln. Deloitte bietet hierfür die perfekten Rahmenbedingungen. Neben einer sehr guten Ausbildung sowie vielseitigen und interessanten Tätigkeiten in einem internationalen und interdisziplinären Umfeld, steht bei Deloitte das Thema Diversity ganz oben auf der Agenda. 

Wie schaffst du es Kinder und Karriere miteinander zu vereinen und sicherzustellen, dass nichts der beiden zu kurz kommt?
Kinder und Karriere miteinander zu vereinbaren, ist eine der größten Herausforderungen, die es gibt. Ich habe anfangs versucht, die perfekte Mutter zu sein und auch im Beruf 120% zu geben, um die Karriere voranzubringen. Was dabei aber völlig auf der Strecke geblieben ist, war ich selbst. Für mich war es ein längerer Prozess, zu akzeptieren, dass es unmöglich ist, in allen Bereichen perfekt zu sein. Es gibt kein Erfolgskonzept, wie sich Kinder und Karriere am besten miteinander vereinen lassen. Das muss jeder für sich selbst herausfinden und ein Konzept finden, das für alle funktioniert und mit dem sich alle wohlfühlen. Achtet eben nur darauf, dass ihr euch dabei selbst nicht vergesst und ihr euch regelmäßige Auszeiten nehmt.

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Jennifer Koschel

Jennifer Koschel

Senior Employer Branding

Jennifer ist seit 2019 Teil des Teams Employer Branding & Personalmarketing bei Deloitte Deutschland. Dort verantwortet sie in erster Linie Employer Branding Kampagnen für verschiedene Businesses und Zielgruppen.

Sven Schulz

Sven Schulz

Employer Branding Manager

Sven ist seit 2018 im Team Employer Branding & Personalmarketing bei Deloitte Deutschland tätig. Dort verantwortet er unter anderem Employer Branding Kampagnen mit Fokus auf berufserfahrene Talente.  Im Deloitte Karriere Blog berichtet Sven über aktuelle Karrierethemen und relevante Business Entwicklungen, die Karrieremöglichkeiten für die unterschiedlichsten Profile bereithalten.