Posted: 29 Mar. 2022

Es ist ein befreiendes Gefühl, man selbst sein zu können.

Nora, Consultant im Bereich Customer & Marketing, erzählt von ihrem Weg zu sich selbst und berichtet über ihr Coming-out.

Hi, ich bin Nora und bin als Consultant in der Salesforce Practice im Bereich Customer & Marketing tätig.
Im Sommer 2018 bin ich frisch nach meinem Studium bei Deloitte eingestiegen – damals haben mich meine Kolleg:innen jedoch unter dem Namen Felix kennengelernt. Nachdem ich mehrere Jahre zwischen zwei Welten gelebt habe, habe ich mich 2021 entschieden, endlich ich selbst zu sein. In meinem Beitrag erfahrt ihr mehr über meine ganz persönliche Geschichte, mein Coming-out und über das Thema Trans-Awareness am Arbeitsplatz. 

 

 

Es ist ein befreiendes Gefühl, man selbst sein zu können.

Hallo Nora, du bist Consultant im Bereich Customer & Marketing. Wie bist du zu Deloitte gekommen und mit welchen Aufgaben und Projekten beschäftigt sich dein Team?
Zu Deloitte bin ich schon vor mittlerweile fast 3 ½ Jahren gekommen. Nachdem absehbar war, dass ich mein Studium im Sommer 2018 abschließe, habe ich mich frühzeitig nach Jobs umgesehen. Einer meiner damaligen Professoren war ebenfalls bei einem Big Four Unternehmen tätig und hat ordentlich die Werbetrommel für die Unternehmensberatung in den Vorlesungen gerührt. Dadurch habe ich mich auch bei diesen Unternehmen nach passenden Stellen umgesehen. Da ich mich bereits während des Studiums für Marketing und CRM-Themen interessiert habe, ist mir auch direkt das Salesforce DiveIn Programm bei Deloitte aufgefallen. Dabei geht es darum, Absolvent:innen oder Quereinsteiger:innen den Weltmarktführer in CRM-Systemen, Salesforce, näher zu bringen. Das Programm hat mich so begeistert, dass ich mich entsprechend für diesen Einstieg beworben habe. Nach ein paar Telefonaten und einem Bewerbertag hatte ich dann auch meine Zusage. Somit konnte ich zum September 2018 starten und bin seither in der Salesforce Practice bei Deloitte tätig.

Sowohl die Projekte als auch die Tätigkeiten waren bisher sehr vielseitig und brachten immer wieder neue Aufgaben mit sich. Bei Projekten ist es ein bisschen wie eine Wundertüte. Hier kann man alles erleben: von kompletten CRM-Projekten, die mehrere Jahre dauern und mit der Strategie starten und der Implementierung und Adaption von Systemen enden, bis hin zu Kurz- Projekten, die nur ein paar Wochen oder Monate dauern und sich um einen Teilbereich kümmern. Auch die Aufgabenbereiche sind sehr weit gestreut. Hier kommt es ein wenig darauf an, was man selbst lieber hat: funktionale oder technische Tätigkeiten. Als Product Owner, Requirements Engineer und Test Manager fokussiert man sich eher auf den funktionalen Teil des Projektes und beschäftigt sich meistens mit dem Aufnehmen von Anforderungen, Erstellen von Prozessen und grundsätzlich allem, was auf eine Slide gebracht werden kann. Der technische Developer oder Subject Matter Expert hingegen ist hier deutlich näher am operativen Geschehen. In diesen Rollen sollte man sich gut mit den technischen Einzelheiten auskennen und auch gewillt sein, in den Systemumgebungen Hand anzulegen. Ich selbst hatte die Möglichkeit, in verschiedensten Rollen bei mehreren global agierenden Kunden Projekte zu begleiten und so relativ schnell meinen Horizont zu erweitern und Neues zu lernen.

Vor dreieinhalb Jahren bist du als Felix im Deloitte-Team eingestiegen. Heute kennen dich alle nur noch unter dem Namen Nora. Magst du uns ein bisschen über deine persönliche Geschichte erzählen?
Vor ein paar Jahren habe ich praktisch zwischen zwei Welten vor mich hingelebt, ohne jemandem wirklich davon zu erzählen. Das Thema Transsexualität hat mich seit Beginn meines Studiums, also weit vor meinem Start bei Deloitte, bereits umgetrieben. Allerdings hatte ich damals, vor ca. sechs Jahren, noch nicht die Courage, dem Thema wirklich nachzugehen und war noch nicht bereit, mit mir selbst ins Reine zu kommen. Ich habe seitdem immer wieder verschiedene Phasen der Verdrängung und dann des „Rückfalls“ erlebt. In der einen versucht man alles als „Phase“ abzustempeln und redet sich ein, „dass es sowieso zu spät für eine Transition sei“ und „,dass man nie damit wirklich glücklich werden würde“. In der anderen merkt man dann wieder, dass trotz aller Verdrängung es nicht besser wird. So lebte ich hin- und hergerissen zwischen den Extremen. Ende September 2021 war ich mit 26 Jahren endlich so weit, den ersten wirklichen Schritt zu machen und einen professionellen Ansprechpartner zu suchen. Auch wenn sich seit diesem Moment gefühlt 90 Prozent meines Lebens um dieses Thema gedreht haben, geht es definitiv bergauf. Es ist ein befreiendes Gefühl, man selbst sein zu können.

Wie haben denn dein persönliches Umfeld und deine Kolleg:innen auf deine Transsexualität reagiert?
Ich muss hier ehrlich sein: Ich glaube, ich hatte sehr viel Glück, was die bisherigen Reaktionen angeht, welche ich mitbekommen habe. Man kennt natürlich die Horrorgeschichten von Personen, deren Familien oder Freunde sich von ihnen abwenden und entsprechend ist auch jedes Coming-out immer wieder eine Herausforderung. Egal, wie sicher man sich ist, dass jemand das Thema gut aufnehmen wird, es bleibt immer dieser Funken Angst: „Was, wenn nicht?“. Gerade bei sehr nahestehenden Personen ist diese Angst umso größer, da man diese auf keinen Fall verlieren möchte. Ich selbst bin im privaten sowie im beruflichen Bereich relativ ähnlich vorgegangen. Im Privaten habe ich mich zuerst meiner besten Freundin anvertraut. Anschließend habe ich es meinen Eltern, anderen nahen Freunden, der weiteren Verwandtschaft und schlussendlich auch den weiteren Freundeskreisen erzählt.

Im beruflichen Umfeld habe ich mich als erstes einer guten Kollegin anvertraut. Danach habe ich mich auch an vertrauenswürdige HR-Ansprechpartner:innen und eine dem Thema aufgeschlossen gegenüberstehende Gruppe von Kolleg:innen gewendet. Kurz darauf habe ich es der Führungsebene, anderen nahestehenden Kolleg:innen, dem Projektteam und letztendlich dem ganzen C&M-Team erzählt. Es ist auf jeden Fall immer hilfreich, einen kleinen Aufhänger für den Start der Konversation zu haben. Etwas Make-up, ein paar falsche Fingernägel oder die ein oder andere Bemerkung zu dem Thema können Kolleg:innen oftmals dazu anregen nachzufragen, was dies zu bedeuten hat. Im Regelfall funktioniert so der Einstieg deutlich leichter, als direkt mit der Tür ins Haus zu fallen. Wie ich zu Beginn erwähnt habe, hatte ich bisher durchweg positive Rückmeldungen zu dem Thema und bin noch niemandem begegnet, der offen feindselig war. Ich denke, die ersten negativen Rückmeldungen werde ich dann bemerken, wenn sich die ersten Personen mehr und mehr zurückziehen.

In der Vorbereitung auf das Interview haben wir uns selbst viele Fragen gestellt, z.B. welche Themen wir ansprechen und welche Fragen wir dir stellen dürfen. Welche Verhaltensweisen wünschst du dir von deinem Gegenüber bzw. deinem Umfeld im Umgang mit dir selbst?
Wie verhält man sich mir gegenüber richtig? Die einfache Antwort ist „ganz normal“. Letzten Endes sind wir alle Menschen und würden auch gerne als solche betrachtet und behandelt werden und entsprechende Umgangsformen pflegen. Wenn man jemandem gegenübersteht, der sich als Mann oder Frau identifiziert, dann kann man diese Personen auch entsprechend so ansprechen. Aus meiner Sicht sollte es hier keine Sonderbehandlung im guten oder schlechten Sinne geben. Natürlich kann man, wenn man neugierig ist, ganz vorsichtig Fragen zu diesem Thema stellen. Hier ist es dann auch wichtig einzuschätzen, wie das Gegenüber mit dem Thema umgeht. Ich versuche, mit dem Thema so offen wie möglich umzugehen und für alle Fragen offen zu sein. Allerdings gibt es auch einige Personen, die für sich selbst einen Schnitt in ihrem Leben gemacht haben und nicht über ihr altes Ich reden möchten. Hier sollte man versuchen, sein Gegenüber zu lesen, sich in den- oder diejenige hineinzuversetzen und sich dann entsprechend zu verhalten. Im Grunde gilt auch die Regel, dass man keine Fragen stellen sollte, die man auch einer anderen Person nicht stellen würde, weil sie zu persönlich ist. Wenn man darauf achtet, die Fragen in einem angemessenen Umfang zu halten und sensibel für die Reaktionen seines Gegenübers ist, sollte man auf keine Probleme stoßen.

Du bist Teil der Globe Pride Initiative, in welcher ebenfalls das Thema Trans-Awareness eine große Rolle spielt. Wie bringst du dich in der Initiative ein und was sind deine Aufgaben? Was bedeutet dir die Initiative?
Wie der Name schon sagt, geht es bei dieser Initiative um das Thema Pride im LGBTQ+ Sinne. Das bedeutet, dass wir sowohl nach innen das Arbeitsumfeld für Mitglieder der LGBTQ+ Community verbessern bzw. angenehmer gestalten wollen, als auch nach außen Deloitte als einen diversen Arbeitgeber darstellen. Im Großen und Ganzen gliedert sich die Initiative in vier Bereiche: Internal Communication umfasst Themen wie einen vierteljährlichen Newsletter, Intranetseiten oder einen Teams Channel für Mitglieder der Community. Das Internal Events Team kümmert sich um regelmäßige Meetings und Talks für Mitglieder und Allies der Community. External Communication bespielt alle Social-Media-Kanäle von Deloitte, um zu zeigen, dass Deloitte Diversity wertschätzt und unterstützt. External Events ist der vierte Bereich und ist primär für den Auftritt auf Messen sowie für die Präsenz beim Christopher Street Day verantwortlich.

Das Thema Trans @ Deloitte ist ein gesonderter Punkt, da es alle Bereiche umfasst. Themen, die dort momentan bearbeitet werden, sind beispielsweise eine Intranetseite mit Informationen und Ansprechpartnern, Diskussionen mit der IT - z.B. welche Änderungen bereits vor einer offiziellen Namensänderung möglich sind - oder das Aufsetzen von Dokumenten und Guidelines für Transpersonen und deren Umfeld.

Das Coming-out am Arbeitsplatz stellt leider immer noch für sehr viele Personen eine große Herausforderung dar. Welchen Tipp kannst du diesen Personen geben? Wie geht man das Thema am besten an und wie geht man deiner Meinung nach mit seinem Coming-out am besten um?
Der beste Tipp, den man hier geben kann, ist: „Nimm dir Zeit und mach das Coming-out in deinem eigenen Tempo“. Im Regelfall kann man, wenn man bereits seit einer gewissen Zeit bei einem Unternehmen arbeitet, ganz gut einschätzen, wie dieses zu LGBTQ+ Themen steht. Sollte man in einem sehr modernen und weltoffenen Unternehmen arbeiten, fällt hier ein Coming-out vermutlich etwas einfacher als in einem konservativ eingestellten Unternehmen. In jedem Fall ist es jedoch zu empfehlen, zunächst mit näheren Kolleg:innen zu sprechen, von denen man sich eines positiven Feedbacks sicher sein kann. Sobald man dann diese erste Stütze bzw. Säule gesichert hat, kann man mit dem Coming-out für das weitere Umfeld voranschreiten. Selbst wenn das nicht zu 100 Prozent positive Ergebnisse hervorruft, hat man immer einen gewissen Rückhalt, der Sicherheit gibt. Insgesamt lässt sich jedoch sagen, dass gerade in den letzten Jahren die Arbeitswelt deutlich offener gegenüber LGBTQI+ Themen geworden ist. Entsprechend sollte niemand Angst davor haben, man selbst zu sein. 😊

Du befindest dich derzeit selbst noch am Anfang deiner Transition. Was sind aus deiner Sicht die größten Hürden bei dem Prozess (z.B. bürokratisch) und was sollte sich deiner Meinung nach dringend diesbezüglich in Deutschland ändern?
Es gibt bereits sehr viel Bewegung in der Politik zu allen Trans-bezogenen Themen und ich muss auch ehrlich gestehen, dass im Vergleich zu noch vor fünf Jahren bereits einiges deutlich besser geworden ist. Bei einer Vielzahl von potenziellen Problemen unterstützen inzwischen die gesetzlichen Krankenkassen und auch der Prozess zur Transition ist deutlich vereinfacht worden. Der einzige wirklich bürokratische Prozess, mit welchem ich momentan zu kämpfen habe, ist die offizielle Namensänderung. Hierzu benötigt man einen Antrag beim Landesgericht sowie Gutachten von zwei unabhängigen Gutachtern. Dies benötigt einiges an Zeit und bringt nicht ganz unerhebliche Kosten für die Gutachten mit sich. Ich verstehe, dass hier der Rechtsstaat noch eine externe Einschätzung haben möchte, jedoch finde ich auch, dass das Ausmaß dieser Erhebung etwas übertrieben ist. Dort könnte man eventuell ansetzen.

Gibt es eine spezielle Botschaft, welche du gerne allen Leser:innen mit auf den Weg geben möchtest?
Im Großen und Ganzen eigentlich nur: „Es ist niemals zu spät, man selbst zu sein“. Ich selbst habe sechs Jahre gebraucht, um zu dieser Erkenntnis zu kommen, aber egal, ob man jünger oder älter ist, man ist nie zu alt, um ehrlich zu sich selbst zu sein.

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Jennifer Koschel

Jennifer Koschel

Senior Employer Branding

Jennifer ist seit 2019 Teil des Teams Employer Branding & Personalmarketing bei Deloitte Deutschland. Dort verantwortet sie in erster Linie Employer Branding Kampagnen für verschiedene Businesses und Zielgruppen.

Sven Schulz

Sven Schulz

Employer Branding Manager

Sven ist seit 2018 im Team Employer Branding & Personalmarketing bei Deloitte Deutschland tätig. Dort verantwortet er unter anderem Employer Branding Kampagnen mit Fokus auf berufserfahrene Talente.  Im Deloitte Karriere Blog berichtet Sven über aktuelle Karrierethemen und relevante Business Entwicklungen, die Karrieremöglichkeiten für die unterschiedlichsten Profile bereithalten.