Posted: 27 Apr. 2022

Ich habe das große Glück, dass mein Team sehr offen und familienfreundlich ist.

Tatjana, Consultant in der Sport Business Gruppe, berichtet von ihrer Regenbogenfamilie und wie sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie meistert.

Hi, ich bin Tatjana und bin seit Mai 2021 Consultant in der Sport Business Gruppe innerhalb von Financial Advisory und habe gemeinsam mit meiner Frau eine Familie gegründet.
Im September 2021 sind meine Frau und ich Mütter eines kleinen Jungen geworden und sind seitdem eine sogenannte „Rainbow Family“. Was sich dahinter verbirgt und welche Rolle hier auch Deloitte für mich spielt, erzähle ich euch gerne hier im Blog.

 

Ich habe das große Glück, dass mein Team sehr offen und familienfreundlich ist.

Tatjana, wie bist du zu Deloitte gekommen und was war dir wichtig bei der Wahl deines Arbeitgebers?
Von Deloitte und der Sport Business Gruppe hatte ich bereits 2013 während meines Praktikums in der Wirtschaftsprüfung bei Deloitte gehört. Damals war die Sport Business Gruppe allerdings noch deutlich kleiner als heute. Trotzdem war ich schon immer interessiert einmal selbst dort zu arbeiten – nicht nur aus fachlichen Gründen, sondern auch, weil alle Kolleg:innen bei Deloitte super freundlich und tolerant waren und sind. Dies war auch der ausschlaggebende Grund dafür, mich letztlich noch einmal für meinen Berufseinstieg bei Deloitte zu bewerben.

Seit 2018 bist du mit deiner Frau verheiratet und im September 2021 seid ihr Eltern eines kleinen Jungen geworden. Ihr selbst bezeichnet euch als „Rainbow Family“. Kannst du uns erklären, was sich hinter diesem Begriff genau verbirgt?
Der Regenbogen bzw. die Regenbogenflagge ist traditionell und international ein Zeichen der LGBTQ+ Community. Regenbogenfamilien sind Familien, die nicht dem klassischen Rollenbild von Mutter, Vater, Kind entsprechen. Hierbei identifizieren sich die Elternteile als der LGBTQ+ Community zugehörig, also beispielsweise, wenn lesbische oder schwule Paare Kinder haben/ bekommen. Hierbei sind natürlich auch nicht binär identifizierte Personen miteingeschlossen, genauso wie queere Personen, die alleine Kinder bekommen bzw. aufziehen. In unserem privaten und beruflichen Umfeld ist das für niemanden ein Problem.

Trotzdem gibt es leider in Deutschland noch immer Hürden für Regenbogenfamilien, sowohl in der Familiengründung als auch im Familienleben selbst. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Stiefkindadoption. Obwohl ich mit meiner Frau verheiratet bin, kann ich nicht automatisch als zweiter Elternteil unseres Sohnes in der Geburtsurkunde eingetragen sein. Stattdessen muss ich ihn adoptieren als wäre er ein fremdes Kind.

Wie hat dein Team und Deloitte als Arbeitgeber auf deine Familiengründung reagiert? Und wie wurdest du nach der Geburt deines Sohnes betrieblich unterstützt?
Ich habe das große Glück, dass mein Team sehr offen und familienfreundlich ist. Ich hatte bereits bei meiner Einstellung gesagt, dass ich mit meiner Frau ein Kind erwarte, weil es mir wichtig war, zumindest in den ersten Wochen nach der Geburt Urlaub zu haben, um mich um meine Familie kümmern zu können. Mein Vorgesetzter ist selbst Familienvater und hat mich dabei unterstützt und bestärkt mir die Zeit mit meiner Familie zu nehmen.

Von Seiten Deloittes war es ebenfalls kein Problem, dass ich am Tag der Geburt unseres Sohnes einen Tag Sonderurlaub nehmen konnte. Auch war es selbstverständlich, dass ich bei Deloitte einen Kinderzuschlag bekomme, obwohl nur meine Frau und nicht ich in der Geburtsurkunde steht. Wenn ich nicht noch in der Probezeit gewesen wäre, hätte ich auch Elternzeit nehmen können. Allerdings wollte ich das zu diesem Zeitpunkt auch nicht, sondern werde im ersten und zweiten Lebensjahr meines Sohnes, an verschiedenen Zeitpunkten, einzelne Monate Elternzeit nehmen. Da ich zum Zeitpunkt der Geburt bei sehr spannenden Projekten eingesetzt war, habe ich zwei Wochen nach der Geburt des Kleinen wieder mit reduzierter Stundenzahl begonnen und konnte mir die Arbeitszeit so einteilen, dass es mit dem Projekt aber auch mit der Familie gut vereinbar war.

Was sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen als gleichgeschlechtliches Paar mit Kind?
Aktuell ist für uns als lesbisches Paar die größte Herausforderung die Stiefkindadoption und die dadurch resultierende staatliche Diskriminierung. Zum Beispiel darf ich mit unserem Sohn nicht zum Arzt, ohne eine Vollmacht meiner Frau dabei zu haben, auch wenn faktisch niemand fragt. Bei heterosexuellen Eltern – egal, ob verheiratet oder nicht, ob mit oder ohne Samenspende eines fremden Spenders – ist entweder der Partner automatisch Vater des Kindes oder kann mit einem Gang zum Standesamt die Vaterschaft anerkennen lassen. Wir müssen erst über einen Notar einen Vertrag aufsetzen und die Adoption beim Gericht beantragen. Dann fragt das Gericht das Jugendamt nach seiner Einschätzung und anschließend folgt ein erster Termin beim Jugendamt, bei dem wir erläutern müssen, wie wir uns als Paar kennengelernt haben, wie wir leben, warum wir Kinder möchten und wie wir entschieden haben, wer das Kind austrägt. Im Anschluss müssen von mir als sogenannte „annehmenden Mutter“ diverse Unterlagen eingereicht werden. In unserem Fall sind es „nur“ drei Gehaltsabrechnungen von mir, eine ärztliche Bestätigung über meine physische und psychische Gesundheit sowie ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis. In manchen Städten, Gemeinden oder Landkreisen in Deutschland müssen sogar noch mehr Nachweise eingereicht werden, anderswo aber auch deutlich weniger. Im Anschluss folgt ein Hausbesuch des Jugendamts und es wird ein Bericht verfasst, ob man dazu geeignet ist das Kind, welches man mit seiner Ehefrau hat, zu adoptieren.

Faktisch ist es irrelevant, ob das Gericht und das Jugendamt der Adoption zustimmt oder nicht, da unser Sohn trotzdem mit mir als zweiter Mutter aufwachsen wird. Sollte meiner Frau allerdings etwas passieren und ich habe ihn noch nicht adoptiert, kommt er entweder in die Obhut meiner Schwiegereltern oder des Jugendamts, obwohl er einen zweiten Elternteil hat. Dieses Prozedere, was wahrscheinlich, wenn es gut läuft, erst kurz vor dem ersten Geburtstag unseres Sohnes abgeschlossen ist, ist etwas womit sich heterosexuelle Eltern im Normalfall nicht beschäftigen müssen.

Wie schaffst du es dein Familienleben mit Baby und deinen Beruf als Consultant unter einen Hut zu bekommen? Wie unterstützt dich dein Team und Arbeitgeber hierbei?
Ich habe das große Glück, dass ich den hauptsächlichen Teil meiner Zeit remote von zu Hause arbeiten kann und nur selten ins Büro muss. Dadurch kann ich viel vom Leben unseres Sohnes mitbekommen und ein aktiver Teil dessen sein. Ob es eine kurze Gedankenpause zum Windeln wechseln, das gemeinsame Mittagessen oder das zu Bett bringen ist, ich habe dadurch natürlich eine viel engere Bindung als Elternteile, die viel im Büro sein müssen.

So hart die COVID-Zeit in den letzten zwei Jahren auch war, die Akzeptanz von mehr Remote Working ist einer der positiven Aspekte. Und die Zeit, die ich mir z.B. nehme, um den Kleinen ins Bett zu bringen hänge ich dann einfach hinten dran. Da ich glücklicherweise von meinem Typus eine Nachteule bin, kann ich gut abends produktiv sein. Mein Team hat auch immer Verständnis, wenn ich dann mal gerade nicht kann oder den Kleinen kurz nehme und er im Hintergrund eines Videocalls brabbelt, weil meine Frau auch mal durchatmen muss.

Du bist Teil der Globe Pride Initiative bei Deloitte. Welche Aufgaben übernimmst du in der Initiative und was sind eure Ziele für die Zukunft?
Als ich bei Deloitte angefangen habe, habe ich mich direkt zu Beginn informiert, ob es so ein Arbeitsnetzwerk von queeren Kolleg:innen gibt und bin auf die Globe Pride Initiative aufmerksam geworden. Nach den ersten Treffen fand ich die Gruppe richtig toll und den Austausch total anregend und wertvoll, daher bin ich mittlerweile auch fester Teil des Teams. Was ich im Rahmen dessen voranbringen möchte ist, dass betriebliche Dokumente vermehrt geschlechterneutral gestaltet werden. Auch das Thema der inklusiven bzw. geschlechterneutralen Sprache ist eines meiner Steckenpferde.

Ansonsten arbeiten wir sehr flexibel und gemeinschaftlich an diversen Themen zusammen und schauen, dass wir gemeinsam gute Projekte umsetzen, z.B. regelmäßige Talks gestalten oder im Sommer Deloitte mit einem Wagen beim Berliner CSD (Christopher Street Day) vertreten.  

Welchen Tipp würdest du unseren Leser:innen und deinen Kolleg:innen im Umgang mit Regenbogenfamilien gerne mit auf den Weg geben?
Zuerst einmal möchte ich noch einmal betonen das eine Regenbogenfamilie auch einfach eine Familie ist. Denn welches Geschlecht die Eltern eines Kindes haben ist unrelevant, solange das Kind geliebt und versorgt wird. Aber natürlich kann es für Kolleg:innen von queer identifizierten Personen zu unerwarteten Situationen kommen beispielsweise wenn eine Kollegin Mutter wird und Elternzeit nimmt, obwohl sie nicht schwanger war, oder ein Kollege überraschend Vater wird, weil er mit seinem Mann ein Kind adoptiert.

Als Tipp kann ich sagen, dass ich dankbar bin, wenn mir nicht mit heteronormativen Klischees begegnet wird wie z.B. „Wer von euch ist der Mann in der Beziehung?“. Denn einerseits gibt es in einer Beziehung von zwei Frauen eben keinen Mann und darüber hinaus gibt es in jeder Beziehung, unabhängig vom Geschlecht, Bereiche in der die eine oder andere Person aktiver ist. Genauso sollte nicht davon ausgegangen werden, dass nur weil eine Person vom Erscheinungsbild eher feminin oder maskulin ist, dass diese automatisch die entsprechende Rolle aus hetero Rollenbildern einnimmt. So sollte z.B. nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass die Frau mit mitmaskulinerem Aussehen nicht das Kind austrägt.

Außerdem ist es manchmal vielleicht hilfreich, bevor etwas kommentiert wird, wenn man versucht sich in die Situation der Regenbogenfamilien hineinzuversetzen. Man könnte sich z.B. überlegen, was für ein Gefühl es für einen selbst wäre, wenn man das Kind, das man mit dem/der eigenen Partner:in bekommt, erst noch adoptieren müsste und dafür sein gesamtes Leben vor dem Jugendamt offenlegen und rechtfertigen muss, nur auf Grundlage der Tatsache, dass man nicht das „richtige“ Geschlecht hat im Sinne der Gesetzeslage aus dem Jahr 1998. Für mich ist es aber auch vollkommen in Ordnung, wenn man mich einfach fragt, wenn die Person etwas interessiert, solange man dabei empathisch und wertschätzend bleibt.

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Jennifer Koschel

Jennifer Koschel

Senior Employer Branding

Jennifer ist seit 2019 Teil des Teams Employer Branding & Personalmarketing bei Deloitte Deutschland. Dort verantwortet sie in erster Linie Employer Branding Kampagnen für verschiedene Businesses und Zielgruppen.

Sven Schulz

Sven Schulz

Employer Branding Manager

Sven ist seit 2018 im Team Employer Branding & Personalmarketing bei Deloitte Deutschland tätig. Dort verantwortet er unter anderem Employer Branding Kampagnen mit Fokus auf berufserfahrene Talente.  Im Deloitte Karriere Blog berichtet Sven über aktuelle Karrierethemen und relevante Business Entwicklungen, die Karrieremöglichkeiten für die unterschiedlichsten Profile bereithalten.