Posted: 08 Jun. 2021 4 Lesezeit

Consumer Sector Briefing: CFOs erwarten rasche Erholung nach Ende der Pandemie

Hinter dem Handel liegen schwierige Monate. Die temporären Geschäftsschließungen aufgrund der Lockdowns haben europaweit zu drastischen Umsatzrückgängen geführt. Dieser Verlust konnte nur teilweise durch Zuwächse im Onlinehandel und Angebote wie Click-&-Collect kompensiert werden. Auch im Frühjahr 2021 hat der Handel die Folgen der COVID-19-Krise noch nicht überwunden. Viele Unternehmen befinden sich weiterhin im Krisenmodus. Das spiegeln die Ergebnissen des Deloitte European CFO Surveys wider. Doch es gibt auch gute Nachrichten: die Finanzverantwortlichen der Handelsbranche erwarten mittelfristig ein starkes Umsatzwachstum und eine rasche Erholung nach dem Ende der Pandemie.

 

Der Deloitte European CFO Survey

 

Im Rahmen des Deloitte European CFO Surveys äußern Finanzverantwortliche europäischer Großunternehmen halbjährig ihre Einschätzungen und Erwartungen zu makroökonomischen, unternehmensstrategischen und finanzwirtschaftlichen Themen. An dieser Befragung haben im März 2021 rund 1.600 CFOs aus 19 europäischen Ländern teilgenommen, darunter 105 aus der Handelsbranche. 

 

Aktuelle Wirtschaftslage verbessert sich nur geringfügig

 

Nach dem historischen Einbruch der Umsatzzahlen im zweiten Quartal 2020 erholte sich der Handel in den darauffolgenden Monaten erstaunlich schnell. Durch die dritte Welle der Corona-Pandemie, die im Euroraum zu erneuten Shutdowns führte, wurde dieser Aufschwung allerdings abrupt gestoppt. Die abermalige Schließung der Geschäfte dämpfe den Optimismus der CFOs. Während im Herbst 2020 noch 45 Prozent der Befragten die finanziellen Aussichten ihres Unternehmens als positiver bewerten als im Quartal zuvor, sind es im Frühjahr 2021 fünf Prozentpunkte weniger. Gleichzeitig sank aber auch der Anteil der Finanzverantwortlichen, die im Vergleich zum Vorquartal weniger zuversichtlich sind, von 17 auf 8 Prozent. Das Resultat: Insgesamt steigt die Zuversicht der CFOs leicht an (s. Abb. 1).

Abb. 1: Anteil europäischer CFOs der Handelsbranche, welche die finanziellen Aussichten ihres Unternehmens im Vergleich zum Vorquartal optimistischer bzw. weniger optimistisch einschätzen

 

Mit einem Saldowert von 37 Prozent befindet sich der Optimismus der Handelsunternehmen im Industrievergleich jedoch im untersten Viertel (s. Abb. 2). Das ist wenig verwunderlich, wenn man sich alleine die derzeitige Lage des deutschen Einzelhandels vor Augen führt. Nach Schätzungen des Handelsverbands Deutschland (HDE) verzeichnete der Nicht-Lebensmittelhandel zwischen Januar und Mai 2021 einen Umsatzverlust von 40 Milliarden Euro.

Abb. 2: Anteil europäischer CFOs, welche die finanziellen Aussichten ihres Unternehmens im Vergleich zum Vorquartal optimistischer bzw. weniger optimistisch einschätzen (nach Branche)

 

Langfristige Erholung absehbar: CFOs erwarten starkes Umsatzwachstum 

 

Trotz der aktuell prekären Lage vieler Handelsunternehmen, blicken die Finanzverantwortlichen zuversichtlich auf das kommende Jahr: drei Viertel der CFOs gehen davon aus, dass der Umsatz ihrer Unternehmen innerhalb der nächsten zwölf Monate zunehmen wird. Lediglich 13 Prozent erwarten einen Rückgang (s. Abb. 3). 

Für eine rasche Erholung des Handels nach dem Ende der Pandemie sprechen absehbare Nachholeffekte bei den privaten Konsumausgaben. In Deutschland führten stabile Einkommen und eine gleichzeitige Konsumzurückhaltung zu einem rekordverdächtigen Anstieg der Sparquote auf rund 23 Prozent des verfügbaren Einkommens für das erste Quartal 2021. 2 Normalerweise liegt die Sparquote nur bei etwa 10 Prozent. Wenn Konsumenten auch nur einen Teil des Geldes, das sie während der Corona-Krise gespart haben, im Laufe des Jahres ausgeben, wird der Hanel einen enormen Wachstumsschub erfahren. Zum Zeitpunkt der Befragung haben bereits 39 Prozent der europäischen Handelsunternehmen wieder einen Umsatz wie vor der Krise erwirtschaftet. Weitere 30 Prozent erwarten eine Rückkehr zum Vor-Corona-Niveau bis Dezember 2021.

 

Investitionen und Beschäftigung sollen steigen

 

Die optimistische Umsatzerwartung der Finanzvorstände wirken sich positiv auf die Investitionsbereitschaft europäischer Händler aus. 43 Prozent der befragten CFOs rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit höheren Investitionsausgaben ihres Unternehmens. Das ist ein beachtlicher Anstieg von knapp 20 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahresniveau. Auch die Einstellungsbereitschaft der Händler hat sich verbessert. Während die Mehrheit der Finanzverantwortlichen im Herbst 2020 noch davon ausgegangen ist, Beschäftigung in den nächsten 12 Monaten eher abbauen zu müssen, liegt die Einstellungsbereitschaft nun wieder im positiven Bereich. 

Abb. 3: Wie werden sich Investitionsausgaben und Mitarbeiterzahl* in Ihrem Unternehmen in den nächsten 12 Monaten verändern?

 

Kluft zwischen Händlern: während einige die Krise schon überwunden haben, kämpfen andere weiterhin um ihre Existenz

 

In Hinblick auf die Bewältigung der Corona-Krise befinden sich europäische Händler in drei unterschiedlichen Stadien:

  1. Überlebenssicherung des Unternehmens
  2. Erholung von der Pandemie
  3. Gestaltung der Zukunft nach der Pandemie.

Während sich die Mehrheit der Handelsunternehmen bereits von der Pandemie erholt oder sich sogar schon im Endstadium der Gesundung befindet und die Post-COVID-19-Zeit plant, kämpfen 20 Prozent weiterhin um die Existenz ihres Unternehmens. Alleine in der schwer gebeutelten Reise & Tourismus-, sowie der Transport & Logistikbranche, ist dieser Anteil größer. 

Der Grund für die Kluft zwischen den Handelsunternehmen: Die einzelnen Sektoren wurden unterschiedlich schwer von den Corona-Maßnahmen getroffen. Während beispielsweise der Lebensmitteleinzelhandel von den Geschäftsschließungen unberührt blieb, verlor der deutsche Bekleidungshandel laut HDE im ersten Quartal 2021 im Vergleich zu 2019 zwei Drittel seiner Umsätze.

Abb. 4: In welcher Phase der COVID-19-Krise befindet sich Ihr Unternehmen?

 

Durchhalten ist das Gebot der Stunde

 

Durchhaltevermögen ist derzeit vom Handel gefragt. Für Unternehmen, die sich aktuell noch im Krisenmodus befinden, stehen Kostensenkungen und eine Erhöhung des operativen Cashflows ganz oben auf der Prioritätenliste. Wenn sie es schaffen, ihre Existenz zu sichern bis der Impffortschritt zu einer Entspannung der Corona-Lage und der vollständigen Öffnung der Geschäfte führt, stehen die Zeichen gut. Nach dem Ende der Pandemie können sich Händler auf nachgeholten Konsum und starke Umsatzzuwächse einstellen.

 

1 Handelsverband Deutschland (HDE): Zwischenbilanz für Januar bis Mai 2021 - 40 Milliarden Euro Umsatzverlust: Corona-Maßnahmen treffen von Schließungen betroffenen Handel hart, Mai 2021

2 Statistisches Bundesamt: Bruttoinlandsprodukt: Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2021, Mai 2021

 

Ansprechpartner/in Research:

Anna Elin Seidel

Associate Manager | Trend & Consumer Research

aseidel@deloitte.de

 

Download

Hier können Sie sich den Blogbeitrag als PDF herunterladen:

Weitere Beiträge der Sector Briefings

Die Deloitte Sector Briefings analysieren Themen, die die Branchen bewegen, um kurzfristig und agil auf aktuelle Markentwicklungen und Branchenthemen reagieren zu können.

European CFO Survey: Spring 2021

Ihre Ansprechpartner

Karsten Hollasch

Karsten Hollasch

Partner | Leiter Consumer Business

Karsten Hollasch ist als Partner in dem Bereich Transaction Services in Düsseldorf tätig. Er verfügt über Erfahrung bei nationalen und internationalen Due Diligence Projekten und ist für Corporate sowie Private Equity Mandate verantwortlich. Zusätzlich ist er Leiter des Industriesegments Consumer Business bei Deloitte Deutschland.

Egbert Wege

Egbert Wege

Portfolio Lead Customer & Marketing

Egbert Wege leitet als verantwortlicher Partner unserer Offering Portfolio Customer & Marketing und den Bereich Retail. Sein Beratungsschwerpunkt liegt auf den Themen der digitalen Transformation, Plattformökonomie, Business Building, Innovation, Multichannel Retailing, Marketing-Effizienz, Kundenbindung und Branding. Seine Handelserfahrungen an der Konsumentenschnittstelle bringt er auch in die Branchen Finanzdienstleistungen, Travel und Pharma ein. Egbert ist seit 1999 in der Beratung tätig. Zwischen 2005 und 2011 arbeitete er sechs Jahre lang für ein führendes internationales Versandhaus u. a. als Geschäftsführer.