Posted: 07 Dec. 2021 10 Lesezeit

FSI Sector Briefing: CFOs europäischer Finanzdienstleister bleiben optimistisch

Im Herbst 2021 wirkt sich die COVID-19-Pandemie in Europa weiterhin spürbar auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben aus. Dies scheint den Optimismus im Finanzsektor jedoch nicht zu trüben. Zu diesem Ergebnis kommt die neueste Ausgabe des Deloitte CFO Survey, der zweimal pro Jahr das Stimmungsbild europäischer Finanzvorstände misst. Unter den fast 1.300 Teilnehmern der aktuellen Ausgabe befinden sich auch 219 CFOs aus dem Finanzdienstleistungssektor. Diese gehen – trotz eines leichten Rückgangs im Vergleich zum Frühjahr – weiterhin überwiegend von positiven Geschäftsaussichten für ihre Unternehmen aus. Die Erwartungen an Umsatzentwicklung und Neueinstellungen erreichen sogar, verglichen mit vergangenen Umfragen, Rekordwerte für die Industrie.

 

Geschäftsaussichten stabil auf hohem Niveau

 

Trotz der sich zum Befragungszeitraum anbahnenden vierten Corona-Welle blicken CFOs aus der Finanzbranche insgesamt weiterhin überwiegend positiv in die Zukunft. Fast die Hälfte der Befragten ist in Bezug auf die aktuellen Geschäftsaussichten optimistischer eingestellt als gegenüber den Geschäftsaussichten von vor 3 Monaten, lediglich neun Prozent sind pessimistischer (siehe Abb. 1). Der sich ergebende Nettosaldo (Prozentsatz positiver Antworten abzüglich des Prozentsatzes negativer Antworten) von 37 Prozent sinkt damit zwar zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise, hält sich aber insgesamt auf einem hohen Niveau: Neben dem Rekordwert in diesem Frühjahr, der um rund fünf Prozentpunkte höher lag, waren die CFOs nur im Herbst 2017 optimistischer.

Abb. 1: „Wie beurteilen Sie die momentanen Geschäftsaussichten Ihres Unternehmens im Vergleich zu den Aussichten vor drei Monaten?“

 

Die positive Stimmung zeigt: CFOs im Finanzsektor erwarten nicht, dass der Geschäftsbetrieb, beispielsweise durch COVID-19 bezogene Maßnahmen, in erheblichem Umfang beeinträchtigt wird.

 

Umsatzerwartungen weiterhin auf Rekordhoch

 

Diese Einschätzung spiegelt sich auch in den Umsatzerwartungen wider (siehe Abb. 2). Ganze 76 Prozent gehen hier von einem Anstieg aus. Damit verzeichnet dieser Wert im Vergleich zum Frühjahr ein Plus von vier Prozentpunkten und erreicht ein neues Rekordniveau. Pessimistische Rückmeldungen bleiben hingegen unverändert bei zehn Prozent. Dementsprechend erreicht der Nettosaldo von 66 Prozent, wie auch schon im Frühjahr, einen neuen Höchststand. Die Europäische Zentralbank gibt für dieses Wachstum eine Reihe von Gründen – zumindest im Hinblick auf den Bankensektor – an: Zum einen konnten Banken höhere Gebühren durchsetzen, zum anderen ist das Geschäft im Investmentbanking deutlich gewachsen. Zu guter Letzt werden die negativen Zinssätze, welche von der EZB erhoben werden, in erhöhtem Umfang an Kunden weitergegeben.

Abb. 2: “ Wie werden sich Ihrer Ansicht nach die Umsätze /operativen Margen in Ihrem Unternehmen über die nächsten zwölf Monate verändern?“

 

Gleichzeitig wird nicht erwartet, dass sich die gestiegenen Umsätze vollständig in den Gewinnen der Finanzdienstleister widerspiegeln: Der Nettosaldo bezüglich Margenerwartungen sinkt, verglichen mit dem Rekordwert vom Frühjahr, um sechs Prozentpunkte und kommt somit auf einen Wert von 28 Prozent. Diese Verschlechterung ist hauptsächlich durch einen höheren Anteil an Pessimisten bedingt (Steigerung von 15 auf 20 Prozent), denn der Anteil an Optimisten bleibt nahezu unverändert (Rückgang von 49 auf 48 Prozent). Zwar wurde der Aufwärtstrend seit Beginn der Corona-Krise durchbrochen, allerdings kann sich der aktuelle Nettosaldo auf dem insgesamt zweithöchsten Wert für die Industrie behaupten und ist damit deutlich über Vor-Corona-Niveau.

 

Hoher Investitions- und Einstellungsbedarf

 

Die Erwartung der CFOs an eine verbesserte Finanzlage lässt auch die Investitionsfreudigkeit innerhalb des Sektors ansteigen. Ganze 43 Prozent der Finanzverantwortlichen rechnen mit einem Anstieg der Investitionsausgaben innerhalb der nächsten zwölf Monate, ein Anstieg von sieben Prozentpunkten. Gleichzeitigt verringert sich auch der Anteil jener CFOs, die hier einen Rückgang erwarten, um drei Prozentpunkte. In der Folge steigt der Nettosaldo um zehn Prozentpunkte auf einen Wert von 33.

Ähnlich sieht es auch bei den Neueinstellungen aus. 46 Prozent der CFOs planen, die Zahl der Beschäftigten in ihrem Unternehmen über die nächsten zwölf Monate zu erhöhen, ein Anstieg von zehn Prozentpunkten. Nur 17 Prozent gehen von einem Rückgang aus, im Frühjahr waren dies noch 19 Prozent. Es ergibt sich ein Rekord-Nettosaldo von 29 Prozent, welcher den Höchstwert von letztem Halbjahr (17 Prozent) noch einmal deutlich übertrifft. Die Branche, welche vor der Pandemie nicht sonderlich einstellungsfreudig war, vollzieht damit einen Richtungswechsel.

Abb. 3: „Wie werden sich Ihrer Ansicht nach die Investitionen / die Beschäftigung in Ihrem Unternehmen über die nächsten zwölf Monate verändern?“

 

Mit dem hohen Investitionsvolumen und den zusätzlichen Beschäftigten rüstet sich der Sektor für die Zukunft. Vor allem die Bereiche Digitalisierung, Automatisierung und Regulatorik erfordern Ressourcen in erheblichem Umfang. Unter anderem werden hier Themen wie die schrittweise Einführung von Basel IV und die Anwendung von KI- und Cloudtechnologien eine wichtige Rolle spielen.

 

Fazit: Aktuelles Marktumfeld zur Vorbereitung auf schwierigere Zeiten nutzen

 

Insgesamt zeigen die aktuellen Rückmeldungen der europäischen CFOs: Der Optimismus in der Finanzindustrie hat sich weiter stabilisiert. Jedoch deuten erste Anzeichen darauf hin, dass die Zuversicht ihren Höhepunkt erreicht haben könnte. Denn die Erwartungen bezüglich Geschäftsaussichten und operativen Margen bewegen sich zwar weiterhin auf hohem Niveau, sind allerdings zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie rückläufig. Durch künftige, unerwartete Krisenereignisse oder stagnierendes Wirtschaftswachstum könnte sich die Lage hier schnell verschlechtern. So ist es beispielsweise denkbar, dass steigende Infektionszahlen in Europa wieder zu Einschränkungen im Wirtschaftsleben führen und damit die Stimmungslage deutlich eintrüben.

Vor diesem Hintergrund tun Finanzdienstleister gut daran, gerade jetzt die richtigen Weichen zu stellen und sich bestmöglich für die Zukunft aufzustellen. Trotz des aktuellen Mangels an IT-Fachkräften sollten sie die Digitalisierung ihrer Geschäfte konsequent forcieren. So sind innovative Angebote wie digitale Assistenten echte Differenzierungsmerkmale gegenüber Wettbewerbern und machen mittelfristig unabhängiger von den Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Ein weit verbreitetes Beispiel hierfür sind Chatbots. Unter anderem können diese im Versicherungssektor eingesetzt werden, um Kunden bei Produktauswahl oder Schadensmeldungen zu unterstützen. Die steigende Investitionsbereitschaft verdeutlicht, dass sich diese Erkenntnisse zunehmend in den Vorstandsetagen durchsetzen.

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Dr. Kurt Mitzner

Dr. Kurt Mitzner

Partner | FS Industry Lead & Sector Lead Insurance

Dr. Kurt Mitzner leads the Financial Services Industry in Germany and also the insurance sector across all businesses in Germany. He focuses on the insurance / reinsurance industry where he advises clients on business strategy, financial transformation, M&A and operational excellence.  A banker and lawyer by education he has worked more than ten years for insurance companies (local and international). He has also spent almost ten years working in banks, six of them as an investment banker at a large global bank where he co-led the Financial Institutions team. Before joining Deloitte Dr. Kurt Mitzner was a partner at another Big Four firm for six years and held the position of insurance markets leader. Kurt's professional experience covers a large number of strategic and transformational projects in the financial industry, comprising M&A, PMI, business transformation and restructuring.